Tonia Reeh - Fight Of The Stupid - Cover
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Tonia Reeh Fight Of The Stupid


  • Label: Clouds Hill/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„What the hell she's talking about?“

Tonia Reeh ist zurück und der wahrscheinlich größte Affront, den man der expressiven Frau antun kann, ist, sie im Mittelmaß einzuordnen. Damit dieses Missverständnis gleich ausgeräumt wird: Die Punktzahl hat nichts mit der Originalität von Reehs Musik zu tun. Es ist eine Einschätzung der Qualität und wie schon auf „Boykiller“ verliert sie sich in Geschrei und dem inflationären Gebrauch des Wortes „Fuck“, welches so jede Kraft verliert und uns anstatt einer mutigen Künstlerin eine wütend und ziellos um sich schlagende Frau wahrnehmen lässt.

Wie Tonia Reeh sich mit „Non Believer“ im Wahnsinn verzettelt, hat nichts mit einer die Stimme als Werkzeug benutzenden Kate Bush zu tun. Dieser Vergleich bietet sich entfernt an, da auch Reeh ihre Stimme oft an die Grenzen bringt und auf unkonventionelle Weise oder schlichtweg sehr gezielt auf Effekte einsetzt. Im Opener funktioniert die künstliche Mehrstimmigkeit zum Beispiel ausgezeichnet und führt durch einen konventionellen, aber sehr schön gestrickten Track. „Non Believer“ hingegen beginnt vielversprechend und übernimmt sich mit laufender Spielzeit immer mehr durch die unkontrollierte Hinzunahme verschiedenster Elemente, bis die Sängerin sich scheinbar selbst zu fragen scheint „What the hell she's talking about?“.

Allerdings reißt sich Reeh diesmal öfter am Riemen. Das macht ihre Musik nicht zwingend besser, aber leichter zugänglich und auch eher geschriene Lieder wie „Blues For The Devil“ funktionieren auf ihre Art und überfrachten sich nicht mit Ideen, die schlichtweg nicht miteinander funktionieren wollen. Wenn das Album allerdings durchgängig wie der Opener klingen würde, könnte wiederum schnell Langeweile einkehren. Das Problem dieser Musik ist, dass sie erst mit Reehs extrovertierter Ader interessant wird, die Sängerin dieses Element allerdings nur selten unter Kontrolle zu haben scheint. Die einsame Ausnahme ist das treibend positiv verrückte „The Defeated Woman“.

Besonders die zweite Hälfte des Albums liefert recht eingängigen Piano-Pop mit sehr ansprechendem Spiel, doch immer wieder scheint sie verzweifelt zu versuchen, den Liedern zumindest zum Abschluss eine untypische, progressive Note zu verleihen, was sich meistens verkrampft anhört. Selten schafft Reeh es wie in „The Defeated Woman“ und dem verzaubernd verstörenden „Cancer Dancer“, aus ihren Ideen innovative Lieder zu schaffen. So sind die nennenswerten Veränderungen gegenüber „Boykiller“, dass es diesmal wirklich starke Nummern gibt und sich Reeh zumindest temporär, wenn schon nicht über ganze Titel hinweg im Zaum halten kann. Für eine sich so ungebremst ausdrückende Frau kann das ein wichtiger Schritt sein. Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht rückfällig wird.

Anspieltipps:

  • The Accused
  • The Defeated Woman
  • Cancer Dancer

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