65daysofstatic - Wild Light - Cover
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65daysofstatic Wild Light


  • Label: Superball Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Weniger Techno-Geplucker und wieder mehr bedrückende Atmosphäre im 65dos-Klangkosmos.

Voller Spannung verlief die Wartezeit auf das neue Album von 65daysofstatic. Was werden uns die Engländer wohl diesmal bieten, weiterhin den neuen, quietschigen Beats-Post-Rock von „We Were Exploding Anyway“, der fast schon zum schnellen Abzappeln auf der Tanzfläche eingeladen hat? Oder setzen sie sogar noch eine Schippe pulsierender Beats oben drauf?

Zunächst eine Entwarnung an alle 65dos-Hörer der älteren Alben, die Band verliert sich mit ihrem neuen Werk „Wild Light“ nicht in sinnlosem Techno-Geplucker. Aber sie kehrt der Elektronik natürlich auch nicht den Rücken, die bleibt weiterhin ein entscheidendes Element der Musik. Die Gitarren bleiben zwar nicht in ihren Koffern stehen und bekommen weiterhin nicht so viel Raum wie früher, aber sie gewinnen wieder an Boden. Klingt nach einer Fortsetzung des Vorgängers, ist es aber nicht. Die elektronischen Elemente verursachen keine willkürlich zuckenden Gliedmaßen mehr, sie sind wieder mehr Elektronik denn Beats. Nur manchmal poppen sie als kurze Kontraste wieder auf, wie in „Prisms“, oder als Klangteppich in den beiden Songs, die das Album einrahmen und mehr wie eine Oberfläche wirken, die den Kern des Albums verbergen.

Der ganz elementare Faktor bei 65dos war die bedrückende Atmosphäre in den Kompositionen und diese kehrt auf „Wild Light“ wieder zurück. Grollende, donnerartige Töne, zischende Laute und andere Knackgeräusche vollführen bei „Sleepwalk City“ ein sehr beeindruckendes Intermezzo, das eine eigenwillige Stimmung kreiert. Auch „The Undertow“ präsentiert sich voller Spannung und Dynamik, Klavierklänge bahnen sich vermehrt den Weg an die Oberfläche, nur um von einem Krachteppich wieder geschluckt zu werden. „Unmake The Wild Light“ bietet eine schöne Melodie, ein helles Licht, das immer wieder von destruktiver Elektronik unterbrochen wird, aber genau so oft den Weg zurück findet, bevor es am Ende von gleißendem Licht aufgefressen wird und der Song in sich zusammen fällt. Dieses Balancieren zwischen Musikstilen und Stimmungen ist für den 65dos-Klangkosmos ganz entscheidend. Mehr davon bitte!

Nicht immer geht dies Rechnung mit der Atmosphäre auf, „Taipei“ zum Beispiel ist eine typische Post-Rock-Nummer, die sich fast ausschließlich auf die Stimmung konzentriert und damit leider ein wenig zu 08/15 wirkt. Diese Momente des Albums, die sich etwas ziehen und weniger Spannung bieten, sind aber in der Minderzahl. Am Ende lässt sich zusammenfassen, dass 65daysofstatic weiterhin auf dem Erleuchtungspfad schreiten und nach ihrer Neuorientierung mit dem letzten Album nun auch die älteren Elemente in die neuere Musik einzupflegen versuchen. Das gelingt ihnen auch schon ganz gut, doch da geht noch was.

Anspieltipps:

  • Unmake The Wild Light
  • The Undertow
  • Sleepwalk City

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