Seams - Quarters - Cover
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Seams Quarters


  • Label: Full Time Hobby/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der britische Wahlberliner macht sich.

Die viergeteilte Goldfolie auf schlicht grauem Grund könnte man als Anspielung auf Seams' letzte EP verstehen. „Tourist“ und „Sleeper“ waren EPs, die er im Jahr 2012 für Full Time Hobby zur Doppel-EP in Albumlänge kombinierte. „Tourist“ (2010) zelebrierte verspielt seine Erlebnisse eines Sommers in Berlin. Auf „Sleeper“ (2012) verlieh er seiner Rückkehr nach England mit aufdringlicheren Beats Ausdruck. „Quarters“ ist nun Seams' erstes, richtiges Album, wieder mit acht Tracks. Trotz des Minimalismus des Covers, den „Sleeper“ und das vorliegende Debüt miteinander teilen, hat „Quarters“ aber thematisch wieder mehr mit Berlin gemeinsam. James Welch, so Seams' bürgerlicher Name, hat die Spreestadt wieder zu seiner Heimat und vier verschiedene Studios der Hauptstadt zur Wiege seiner Schöpfung gemacht. Das erklärt den Titel und zum Teil wohl auch das Cover.

Auch „ClapOne“ kann eine Beziehung zwischen Titel und Produktion vorweisen. Ganz klar steht hier der Rhythmus im Vordergrund, der durch anhaltendes Klatschen untermauert wird. Was sich über drei Minuten hinweg mit zusätzlichen, atmosphärischen Synthies aufbaut, endet in einem launigen Spiel aus Beat, Vocal-Fetzen im Loop und einer Achterbahn aus Synthesizern. Man merkt, „Quarters“ ist rhythmusgetrieben und schließt somit, trotz thematischer Umorientierung, inhaltlich an „Sleeper“ an. Doch Berlin und „Tourist“ hinterlassen ebenfalls Spuren und fügen den Tracks durch harmonische, hochtönende Synthiesounds eine ordentliche Portion Lebensfreude hinzu, die „Sleeper“ oft hat vermissen lassen.

Allzu stark hat sich Welchs Sound auch nicht verändert. Dass er als Seams somit weiter die Chillwave reitet, ist aber nicht weiter tragisch. Schließlich hat er seit „Sleeper“ seinen Produktionsstil hörbar verfeinern können. Auf „Sitcom Apartment“ und „Hurry Guests“ nutzt er den vollen auditiven Dynamikumfang, um die Bandbreite seiner versteckten Experimentierfreude zu verdeutlichen. So gibt er sich auch nicht mit einer Handvoll Effekten und Synthies zufrieden, sondern weiß verschiedene Klänge effektvoll zu platzieren. Doch: Trotz aller Lebensfreude und Verspieltheit, „Quarters“ ist nur zur Hälfte ein Album zum Tanzen. Der Primat des Rhythmus treibt Seams oft zu tanzbaren, eingängigen Beats, wie auf „Rilo“ oder „TXL“, doch komplexere, glitchige Arrangements („Hurry Guests“, „Pocket“) dürften in den Clubs überfordern. „Rilo“ stellenweise übrigens auch, trotz allem. Dies tut der Hörfreude an „Quarters“ aber keinen Abbruch und so ist dieses Debüt eine deutliche Weiterentwicklung zu James Welchs früheren Veröffentlichungen.

Anspieltipps:

  • Sitcom Apartment
  • Hurry Guests
  • Rilo

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