Soulfly - Savages - Cover
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Soulfly Savages


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Savages“ ist hart wie ein Diamant, ohne wie ein solcher zu funkeln.

Ganze 19 Studioalben in 28 Jahren mit vier verschiedenen Bands bilden eine Zwischenbilanz, die aufhorchen lässt. Im Schnitt vergehen eineinhalb Jahre zwischen zwei Veröffentlichungen des brasilianischen Thrash Metal-Urgesteins Max Cavalera - Live-Alben, Kompilationen und Gastbeiträge sind in dieser Rechnung nicht einmal berücksichtigt. Mit seinen gerade mal 44 Jahren bleibt der wuschelige Gitarrist und Sänger einer der produktivsten Künstler seines Genres, der darüber hinaus auch noch häufig ein unglaubliches Tour-Pensum von selten weniger als 25 Konzerten pro Monat runterreißt. Und jetzt kommt die eigentliche Überraschung: Trotzdem nimmt dieser Typ für gewöhnlich mindestens gelungene, wenn nicht sogar sensationelle Alben auf. Nur selten schrammte Cavalera bisher an der Gunst seiner Fans vorbei, wie zuletzt mit „Enslaved“ (2012), das nun durch „Savages“ (dt.: „Wilde“) einen Nachfolger mit einer weniger brachialen, dafür aber mächtig groovenden Korrekturwirkung bekommt.

Eine Anekdote aus der Zeit im Studio besagt, dass Mitch Harris (Napalm Death) während seines Gesangsparts im Song „K.C.S.“ fast die Augen aus dem Kopf geflogen sind - so heftig hat der gute Mann ins Mikrofon geschrien. Und ja, diese markerschütternden Laute, die Harris da im Wechsel mit Cavalera aus sonst welchen Tiefen hervorholt, klingen wirklich so, als wäre am Ende erst mal ein Beruhigungstee fällig gewesen. Der Song an sich gehört mit seiner vernichtenden Power durchaus zu den Höhepunkten dieser wilden Platte, bei der wie so oft in der Geschichte von Soulfly nicht an namhaften Gastsängern gespart wurde. Neil Fallon von Clutch passt sich in „Ayatollah Of Rock 'N' Rolla“ erstaunlich gut an diese für ihn nicht alltägliche Musikrichtung an, Jamie Hanks (I Declare War) korrigiert das sowieso schon enorme Aggressionslevel von „Fallen“ noch um eine weitere wütende Schicht nach oben.

Und auch aus der eigenen Familie hat Max Cavalera für „Savages“ Musiker rekrutiert: Sein Sohn Zyon hat diesmal die gesamte Platte eingetrommelt, sein anderer Sohn Igor leiht dem Familienprojekt während des Refrains von „Bloodshed“ die Stimme. Dazu kommt, dass der hauseigene Bassist Tony Campos im portugiesisch und spanisch eingesungenen „El Comegente“ den spanischen Teil übernimmt. Soulfly bemühen sich merklich, die begrenzten Variationsmöglichkeiten ihres typischen Sounds vollends auszunutzen und gegebenenfalls zu überschreiten. Hier soll sich nicht zu viel ähneln - ein Vorhaben, das zwar meistens gelingt, allerdings nicht kaschieren kann, dass Max Cavaleras Händchen für Hits in den letzten Jahren doch deutlich nachgelassen hat. Keine Spur von Songs auf dem Niveau der Soulfly-Sternstunden „Eye For An Eye“, „Seek 'N' Strike“, „Prophecy“ oder „Babylon“, stattdessen gibt es Nummern wie „Cannibal Holocaust“ und „Master Of Savagery“, die zwar ebenfalls hart sind wie Diamanten, aber noch lange nicht so funkeln. Das Gleiche lässt sich eigentlich über die gesamte Scheibe sagen, auch wenn „Savages“ von der Qualität her durchaus in der Mitte der Soulfly-Diskografie eingeordnet werden darf. Das mag für den Augenblick genügen - bei den nächsten 19 Alben muss sich Max Cavalera aber noch etwas mehr einfallen lassen.

Anspieltipps:

  • Ayatollah Of Rock 'N' Rolla
  • Fallen
  • El Comegente
  • K.C.S.

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