Paper Beat Scissors - Paper Beat Scissors - Cover
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Paper Beat Scissors Paper Beat Scissors


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Paper Beat Scissors alias Tim Crabtree macht keine neuen Regeln, sondern richtet sich nach den Gepflogenheiten des Indie-Pop.

Auf den Schulhöfen dieser Welt wären Ausschreitungen wohl vorprogrammiert, wenn ein paar Trotzköpfe plötzlich behaupten würden, dass Papier Schere schlägt. Wenige Spiele sind so schnell erklärt und haben so feste Regeln wie das simple Schere, Stein, Papier. Diverse Mythen um Spock und Brunnen klammert diese Kritik wissentlich aus. Das Pseudonym Paper Beat Scissors ist allerdings mehr eine Anspielung auf das zeitlose Kinderspiel als eine Marschroute für den Indie-Popper aus Kanada. Ohne direkt den Vergleich zum stets generisch klingenden Handbuch zu bringen, fällt Paper Beat Scissors doch recht deutlich in die Sparte des Folk-Pop.

Die gewollt unkonventionellen Tracks, die es dem Opener gleichtun, sind dabei nicht mehr als unfertige Klangcollagen. Langgezogener Gesang und hallende Effekte, die jegliche Melodien erdrücken, bilden das Einmaleins der schlechten Musikproduktion. Dies wiederholt sich in „Forgotten“, „Watch Me Go“ und „Be Patient (Flicker Version)“ glücklicherweise nur in Begleitung von brauchbaren Melodien, die trotz schwacher Produktion nicht untergehen. Im Fall des „Be Patient“-Remix wird der Hörer mit einer tatsächlich neu klingenden Melodie überrascht.

Brot und Butter des Albums sind jedoch ganz klar die Akustik-Balladen. Wie „Season's Rest“ und „Folds“ sich langsam über ihre wirklich starken Melodien in die Ohren mogeln, ist eine Leistung, die nicht unbedingt beim ersten Hördurchlauf gewürdigt wird. Es sind Lieder, bei welchen der Schalter erst mit der Zeit umgelegt wird. Diese Leistung wiederholt der Brite, der im echten Leben auf den Namen Tim Crabtree hört, erstaunlicherweise im etwas überladenen „Once“ und unterstreicht die Möglichkeiten der Truppe. Die ansonsten erwähnenswerten ruhigen Stücke sind „Tendrils“ und „Watch Me Go“, die sich allerdings erstens recht ähnlich sind und zweitens beide auch nicht die nötigen Höhen und Tiefen zu letztlich zu braven Arrangements liefern können.

Die restlichen Stücke scheinen leider oft nicht zu wissen, was sie eigentlich darstellen wollen. „Be Patient“ ist von vorne bis hinten Durchschnittsware und das psychedelisch abschließende „Keening“ erinnert nach unauffälligem Beginn an den verpatzten Auftakt des Albums. „Be Patient (Flicker Version)“ allerdings kann trotz seiner schlechten Tonqualität als brauchbare Radioauskopplung überzeugen. „Forgotten“ scheint hingegen der einzige der lauteren Tracks zu sein, der sich bewusst ist, was er darstellt. Die Stadion-Hymne mit Indie-Appeal kommt problemlos als solche an und trumpft mit leicht singbarer Natur auf.

Am Ende stehen zu viele spannungslose Momente oder gar ganze Lieder, welche die Stärken des Albums nicht überdecken, aber rar gesät erscheinen lassen. Wie Intimität mit Pop-Attitüden in „Season's Rest“ vermischt wird, kann sich hören lassen und gehört zu den Lichtblicken des Indie-Jahres 2013. Entweder müssen alle Tracks diese Stärke so glaubwürdig und präzise zu Tage fördern oder in Sachen Produktion und Pop muss einiges nachgeholt werden. Kein Album braucht ein „End In Themselves“ und dass mindestens drei Songs trotz schlechter Produktion gut klingen, ist nicht nur ein Argument. Wenn Paper Beat Scissors diese Hausaufgaben erledigt, dann muss Album Nummer zwei hoffentlich nicht so oft aus den Boxen schallen, um die Hörer zu überzeugen.

Anspieltipps:

  • Season's Rest
  • Folds
  • Once
  • Forgotten

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