Ben Taylor - Listening - Cover
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Ben Taylor Listening


  • Label: V2 Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Genres zu Qualitätsabstufungen werden...

Ben Taylor will sich auch auf „Listening“ nicht festlegen. Der US-Amerikaner tanzt weiterhin auf mehreren Hochzeiten und probiert sich an Folk, Pop und Reggae gleichermaßen. Dazu gesellen sich Elemente aus Soul und Country und fertig ist ein Mix, der früher oder später für Unstimmigkeiten sorgen müsste. Dass dies auf „Listening“ nicht der Fall ist, ist leider kein echtes Kompliment für Taylor, sondern der Tatsache geschuldet, dass man das Album oft nur nebenbei hört.

Der Auftakt stimmt dabei noch optimistisch. „Listening“ ist eine dieser kleinen, unaufgeregten Songwriter-Pop-Nummern, die einen Tag schlagartig besser machen können. Hier stimmen Gefühl, Melodie und genutzter Stil. Diese harmonische Mischung kommt im Anschluss nur noch selten vor. Obwohl der Soul-Pop in „Oh Brother“ gefällig klingt und „Giulia“ trotz flotten Country-Elementen ein nettes Liebeslied für Zwischendurch bleibt, wollen die Lieder nicht langfristig im Kopf bleiben. Unauffällig starten diese Nummern und klingen ohne Höhepunkte aus, sodass sie einfach an uns vorbeistreichen. Man ist sich sicher, gerade ganz gute Musik gehört zu haben, doch beim besten Willen kann man sich nicht an sie erinnern.

Am besten funktioniert diese Musik als der ruhige Songwriter-Pop aus dem Titeltrack. Das zeigt sich auch im leicht ins Ohr gehenden „World's Are Made Of Paper“. Wenn es dann in „America“ allerdings zu minimalistisch wird, schwindet auch die Anziehungskraft dieser Lieder. Dafür schaffen es „Vespa's Song“ und „Shade Or Shine“ als einzige Tracks mit echter Steigerung, ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und auch der Closer „Next Time Around“ setzt endlich so konsequent auf einen Stil - in diesem Fall Country - dass das Lied seinen eigenen Klang durchsetzen kann und die Melodie im Kopf bleibt.

Es ist ja durchaus löblich, dass Taylor so vielen Genres Tribut zollen will, doch sein Soul ist auf Listening oft halbgar und man möchte ihn bei Ray LaMontagne in die Nachhilfe stecken. Beim Einsatz von Reggae dagegen werden sich die Geister scheiden. „You Could Be Mine“ wird einigen wegen der typischen Reggae-Rhythmen im Kopf bleiben, doch wer sich davon nicht blenden lässt, entlarvt die von Reggae angehauchten Tracks als oberflächlichste Stücke. Dass einfach zu viele der gewählten Genres auf halber Strecke abbrechen und wiederum anderen Stilen Platz lassen wollen, ist ein nachvollziehbares Experiment. Auf „Listening“ funktioniert es allerdings eher mäßig, sodass das Ergebnis oft am Hörer vorbeigehen wird.

Anspieltipps:

  • Listening
  • Next Time Around
  • Vespa's Song

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