Till  Von Sein - Suol Mates - Cover
Große Ansicht

Till Von Sein Suol Mates


  • Label: Suol/Rough Trade
  • Laufzeit: 71 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Anspruchsvolles Chill-Out-Set mit schöner Trackauswahl.

Till von Sein ist seit 2006 DJ und Producer. Nach einer Vielzahl an Singles und EPs, die solo oder in Kollaboration entstanden, veröffentlichte er im Jahr 2011 sein Debüt-Album auf Suol Records mit elf selbst produzierten Tracks. Wenn man aber der Biographie auf der Website des Berliners glauben darf, dann steckt sein Herz weniger in der Produktion als im Mischen von Musik. Diese Einschätzung dürfte Suol Records dazu veranlasst haben, ihm ihren zweiten „Suol Mates“-Sampler in die Hände zu legen. Dabei stärkt ihm vermutlich Kollege Fritz Kalkbrenner den Rücken, dieser veröffentlichte nämlich bereits die erste Compilation des Labels.

Dabei bedient sich die Trackliste, wie schon im ersten Teil der Serie, in erster Linie an eher unbekannten Acts. Höchstens Tigerskin, Toro Y Moi und Sébastien Tellier dürften dem Großteil der Klientel ein Begriff sein. Interessant ist hier, dass sich Von Sein fast nur darauf beschränkt, die ausgewählten Stücke ineinander zu mischen. Erwartungen an Remix-Künste oder Effekteinlagen werden nicht bedient. Störend ist das keineswegs, die Tracks fließen ineinander wie Zuckerguss. Die Konsistenz allerdings ist luftig, fast schwerelos. Die ausgewählten Tracks sind alle entspannt und vermitteln eine weltentrückte Sonntagmorgen-Stimmung. Ein Musikvideo passend zu dem Set käme ohne sonnenbeschienene, weiße, durchwühlte Bettlaken wohl kaum aus.

Neben Entspannung verbindet alle Tracks ein gewisser Hang zu seichtem Klicken und dezenten Beats. Trotz all dieser Ähnlichkeiten wird es eigentlich nie langweilig. Schließlich kann jeder Track mit Eigenarten aufwarten. Noyces „Lucy“ kombiniert Synthesizer und genuschelte Vocalsamples mit zu Beats entfremdeten Umgebungsgeräuschen. „Lull“ ist fast schon minimalistischer Drum & Bass mit Dub-Anleihen. Leider viel zu kurz. Verzerrte Synthies und komplexe Beats bietet „Closer“, bevor er dann in einen soliden House-Track übergeht. Mit „Tembezi“ wird dann in exotischere Gefilde vorgedrungen, Trommel-Beat und Rasseln treffen auf synthetische Elektrogitarren.

Einzige Schwächen zeigt Till von Seins „Suol Mates“ in Tracks wie „Can't Figure Me Out“, das auf einer Dauer von fast fünf Minuten einfach zu repetitiv wirkt. Ähnlich verhält es sich mit „Luna Eternelle“. Hier hätte von Sein bewusst kürzen müssen. Dennoch beweist Till von Sein mit dem Album umfangreiche Expertise in Sachen Songauswahl und Kenntnisse in Bereichen der Nischenmusik. Und das war eine der ursprünglichen Aufgaben eines DJs: das Näherbringen neuer Musik. Auch wenn man dafür einen gewissen Hang zum seichten, exotisch angehauchten Elektro der 90er-Jahre braucht.

Anspieltipps:

  • Closer
  • At Peace
  • Rose Quartz

Neue Kritiken im Genre „Electro“
8/10

Atlantic Oscillations
  • 2019    
6.5/10

A Bath Full Of Ecstasy
  • 2019    
Diskutiere über „Till Von Sein“
comments powered by Disqus