Grouplove - Spreading Rumours - Cover
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Grouplove Spreading Rumours


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Partyhüte auf! Der komplett abgedrehte Fünfer aus den Staaten ist wieder da.

Grouplove. Hierzulande eher unbekannt, landete das Quintett aus den Staaten in seiner Heimat mit dem Debüt „Never Trust A Happy Song“ einen Achtungserfolg. Dieses brachte hauptsächlich flippige Popnummern hervor, unter anderem das penetrante aber irgendwie doch wunderbare „Tongue Tied“, ein musikgewordener Kindergeburtstag voller Oh Yeahs, Ahas und Woohooos. Happy Birthday! Da das alleine aber nicht reicht, um ein vernünftiges Premierenalbum mit Material zu füllen, finden sich auf dem Erstling auch durchaus gemäßigte, ruhige Songs, die für Abwechslung sorgen und die Platte allemal hörenswert machen.

Jetzt also der wichtige Zweitling, der Scheideweg. Der Pfad zu großen Ehren oder die Straße in die Belanglosigkeit? „Spreading Rumours“, Gerüchte verbreiten. Irgendwie passt der Titel zum Bubblegum-Schulhof-Pop, den sich die Band zum markanten Markenzeichen auserkoren hat. Hast du schon gehört, der Toni knutscht mit der Resi. Dass die zumindest keinesfalls alltägliche Mixtur aus Quietschen, Singen und Kreischen gepaart mit simplen Melodien und auch durchaus komplexeren, meist gitarrenlastigen Passagen funktioniert, darf zunächst bezweifelt werden.

Zunächst. Denn gleich der Eröffnungstrack überrascht mit ausuferndem Intro und fast schon dramatischem Aufbau. Ganz ohne Aaahs und Ooohs kommt die Band dann zwar doch nicht aus, dennoch bleibt „I’m With You“ hängen und geht durchaus als Ansatz progressiver Popmusik durch. „Borderlines And Aliens“ überfällt den Hörer mit aufmüpfiger Gitarre und einer Grouplove-typischen aber selten so herrlichen Mischung aus Gekreische und Gesang. Die feiernden Kinder sind erwachsen geworden. Ein überzeugender Auftakt.

Und tatsächlich: Auch der Rest der Platte hält weitestgehend das Versprechen, das die Band in den ersten Minuten von „Spreading Rumours“ abgegeben hat. Dabei gelingt es ihr noch besser als auf ihrem Erstling, Eingängigkeit und Komplexität zu paaren und dabei stets die eine oder andere Überraschung auf Lager zu haben. Das minimal elektronisch angehauchte „Ways To Go“ etwa geht ohne weiteres als „Tongue Tied“-Nachfolger durch, schon das nachfolgende „Shark Attack“ gibt sich jedoch deutlich ruhiger und richtet die kunterbunten Partylichter anfänglich sogar auf eine schüchterne Akustikgitarre.

Gefördert wird das abwechslungsreiche Gesamtbild auch durch die Vielzahl unterschiedlicher Sänger. Gleich vier der fünf Bandmitglieder versuchen sich am Mikro und auch wenn alle irgendwie ähnlich klingen, verleiht die Vielstimmigkeit dem Album eine besondere Note, etwa im leicht hypnotischen „Bitin’ The Bullet“. Partyspielchen für zwischendurch: Wer hört Hannah Hooper, den einzigen weiblichen Gesangspart, heraus?

Grouplove sind einzigartig, was in Zeiten, in denen RTL eben die elfte (!) Staffel von DSDS gestartet hat, durchaus als fettes Kompliment zu sehen ist. Die Band traut sich musikalisch einiges, versucht stets, sich nicht zu wiederholen und bringt dadurch stellenweise tolle Poptracks mit rockigen und wohlwollend betrachtet sogar progressiven Elementen hervor. Die gewöhnungsbedürftigen Stimmen und das selbst in den ruhigen Songs ständige Aufgedrehtsein strengen nach gewisser Hördauer jedoch an. Schlimm ist das nicht. Irgendwann sind die Kerzen nunmal aus, der Kuchen ist verputzt und die Kinder sind müde. Dann ist es besser aufzuhören, die Party ist zu Ende, ab ins Bett. Happy Birthday!

Anspieltipps:

  • I’m With You
  • Borderlines And Aliens
  • Ways To Go
  • Bitin’ The Bullet

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