Nightmares On Wax - Feelin´ Good - Cover
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Nightmares On Wax Feelin´ Good


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Funk und exotische Klänge auf monotonem Repeat.

George Evelyn, auch bekannt als Nightmares On Wax, ist in vielerlei Hinsicht eine Institution. Bereits im Jahr 1991, damals noch als Duo mit Kevin Harper, veröffentlichte er sein erstes Album auf Warp Records und ist seitdem trotz Unterbrechungen „longest serving artist“ des berühmten Electronica Labels. Das Debüt und die zwei folgenden Alben setzten Maßstäbe in der Szene. Vom 1991er Techno-Sound und seinem damaligen Partner trennte sich Evelyn allerdings noch vor dem zweiten Album. Die ersten Solo-Alben „Smoker's Delight“ (1995) und „Carboot Soul“ (1999) prägten den Stil, den Nightmares On Wax bis heute fährt: ein funkiger Mix aus HipHop, Downtempo und Latin Sounds.

„Feelin' Good“ ist nun das siebte Studioalbum aus der Feder des Engländers, zehn Tracks stark und wieder gefüllt mit eben jenem zuvor beschriebenen Genrecocktail. Man würde erwarten, dass sein bis jetzt siebenjähriger Aufenthalt in Ibiza, Organisation von funky Clubnächten inklusive, seinen musikalischen Horizont in gewissem Maß erweitert hätte. Gerade, da eben jene Clubnächte als experimentell und improvisiert bezeichnet werden. Stattdessen scheinen die Einflüsse eher inzestuöser Natur zu sein, denn Nightmares On Wax krallt sich weiterhin an seinem Sound der vergangenen 18 Jahre fest.

Auf dem neuen Longplayer passiert sehr wenig, was nicht auch schon auf den Werken davor passiert wäre. Zwar holt sich Evelyn mit Sebastian Studnitzky und George Haffner echte Jazz-Schwergewichte mit ins Boot, von anderen passenden Features ganz zu schweigen. Diese scheinen das Resultat aber nur bedingt beeinflusst zu haben. So baut „So Here We Are“ zwar mit entspanntem Hip-Hop-Beat auf Trommeln und mit Trompete ein sehr jazziges Ambiente auf, entwickelt sich dann aber kaum weiter. Es bleibt knappe viereinhalb Minuten bei einem auf Dauer eben eher öden instrumentellen HipHop-Stück, das auch durch kleinere Piano-Spielereien und Streicher-Einlagen nicht mehr gerettet wird.

Ähnlich, aber mit mehr Power, verhält es sich mit „Be, I Do“. Der Track verbreitet auf Anhieb gute Laune und beweist gekonnten Einsatz von Klaviertönen und abgehackten Blechbläsern, leidet aber auch nach der Hälfte von fast fünf Minuten daran, dass sich musikalisch kaum noch etwas tut und das Stück einfach irgendwie ausläuft. „Luna 2“ ist ein loungiges Stück, das von Percussion auf Hänge-Toms und einer vereinzelten Snare dominiert wird, „Now Is The Time“ ist funky, manchmal durch fehlende Bässe gewollt blechern und exotisch. „Eye (Can't See)“ wäre durch verzerrte Samples und karibischen Groove noch ganz interessant, leidet aber ebenfalls unter der Songlänge.

Bereits nach den ersten zwei Albumsongs lässt sich das grundsätzliche Problem, an dem „Feelin' Good“ letztlich leidet, schon feststellen. Es gelingt Evelyn nicht, den Hörer zu fesseln. Die Platte kann und wird einfach unbemerkt im Hintergrund abgespielt, bis man irgendwann peinlich berührt feststellen muss, dass man das Ende der Musik gar nicht mitbekommen hat. Schade, denn so lassen sich die Songs einfach auf die Standard-Elemente runterbrechen, die über die jeweilige Spieldauer hinweg unverändert bleiben. Einzige Highlights des Albums sind „Master Plan“ und „There 4u“. Ersterer ist TripHop, untermalt mit melancholischen Streichern und Soul-Gesang von Katie Gray, letzterer ist mit Downtempo-Feeling und zeitweise geflüsterten Vocals so schön komponiert, dass man ihm die Monotonie leicht verzeiht. Ansonsten entwickelt „Feelin' Good“ auf Tracklänge leider keinerlei Anziehungskraft und wirkt mehr wie eine Ansammlung nicht zu Ende gedachter Ideen.

Anspieltipps:

  • Master Plan
  • There 4u

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