I Am Legion - I Am Legion - Cover
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I Am Legion I Am Legion


  • Label: Division/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dreckig, temporeich, von Bass getrieben. Eine Zusammenarbeit, die leckere Früchte trägt.

Nach mehreren vereinzelten Features mit Künstlern aus der EDM- und Dubstep-Szene tut sich die HipHop-Combo Foreign Beggars diesmal mit den Holländern von Noisia zusammen. Bereits im Jahr 2009 hatte der Act aus dem Vereinigten Königreich mit Noisia zusammengearbeitet, um sein damaliges Album „United Colours of Beggatron“ zu produzieren. Mit Blick auf den Erfolg der späteren gemeinsamen Tracks „Contact“ und „Shellshock“ war ein größeres Projekt eigentlich schon abzusehen. „I Am Legion“ steht als Name für dieses Projekt wie auch als Titel des Albums, das daraus entstanden ist.

Mit wabernden Synthies, klassischem 2-Step-Beat und leichten orientalischen Melodien im Hintergrund dient das Intro als kleiner Vorgeschmack dessen, was das Album zu bieten hat. Wen wundert’s, schließlich fallen Noisia seit 2003 stilistisch durch kräftigen Drum & Bass, später auch Dubstep und Breakbeat, auf und sind eigentlich aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Dass die HipHopper von Foreign Beggars mit Hang zu Grime und Dubstep als Noisias Partner besondere Synergien entwickeln, hatten die Projekte aus der Vergangenheit ja schon gezeigt. „I Am Legion“ ist der Versuch zu beweisen, dass das auch auf Albumlänge funktioniert.

Hörern mit Hang zu dreckigem, temporeichem Elektro dürfte das Ergebnis gefallen. „Farrda“ überzeugt mit Trommelrhythmus und Basseinschüben, um am Ende des Refrains mit sphärischen Synthies kurzzeitig wieder Tempo rauszunehmen. Gleichzeitig hüpfen die MCs von Foreign Beggars, Vulgatron und Metropolis gekonnt mit Rhymes und leichtem jamaikanischem Akzent über die Takte. In „Make Those Move“ kommen Noisia aus der knarzigen Bassline nur raus, um Foreign Beggars schnelle Raps mit passenden Beats zu unterlegen.

„Upper Ratio“ ist ein kurzweiliges Interlude, das auf den langsameren, organischen Beat in „Jelly Fish“ einstimmt. Synthies und Bässe, die klingen wie gebogenes Metall, geben dem Track einen psychedelischen Vibe. Einer der Tracks, der am meisten polarisieren wird, ist sicherlich „Choosing For You“. Trap-ähnliche Beats mit zischenden Synthies und knatterndem Beat treffen im Refrain auf die klassische HipHop-Sirene, die im Gehör kleben bleibt. Mit den Raps von Foreign Beggars, verzerrten Vocal Samples und allerlei Effekten erinnert es stark an „EOW“ von Son of Kick, an dem die Beggars auch schon mitgewirkt hatten und das ähnlich experimentell war. Deswegen dürfte manchen der Track, übrigens die zweite Single aus dem Album, zu sehr „In die Fresse“ durchgestylt sein.

Dem gegenüber steht „Warp Speed Thuggin“, ein eher minimalistisches Stück, das klar die Vocals der Foreign Beggars in den Vordergrund steht. Noisia wirken nur mit einem stetigen Bass-Beat und der gelegentlichen Vocal-Verzerrung mit. Als klares Gegenstück zu „Choosing For You“ ist der Track alleinstehend eher langweilig, aber im Kontext des Albums eine willkommene Pause. Schließlich geht es auf beiden „Stresses“ wieder richtig zur Sache. Orgel und Synthies, die klingen wie Scheibenwischer auf trockenen Scheiben, machen Teil eins zu einem eher verstörenden Werk. Die übersteuerten Bässe tun ihr übriges. Teil zwei bringt den Hörer mit langsamerem Beat und menschlicher Stimme wieder auf die Beine. Dagegen erinnert „Sunken Submarine“ erneut stark an „Stresses Part 1“.

Mit „Dust Descends“ werden die Drum & Bass Breaks wieder hervorgeholt und mit atmosphärischen Synthies zu einem musikalischen, dunklen Omen kombiniert. „Powerplay“ nimmt mit schnellen Raps, Dubstep-Bass und mit wabernden Synthies nochmal Tempo auf. „Foil“ hingegen wirkt mit der Gaststimme fast wie eine R&B-Nummer, die auch verhältnismäßig ruhig ist.

„I Am Legion“ erfüllt die Erwartungen. Foreign Beggars und Noisia machen auf dem Album das, was sie am besten können. Im Zusammenspiel macht das richtig Spaß, soweit man in der richtigen Stimmung ist. Ansonsten kann das Album sehr aufdringlich sein. Hier wagen sich Noisia trotz der Annäherung an den Mainstream, die mit der Zusammenarbeit mit einer HipHop-Combo in der Regel einher geht, oft an nicht eingängige Instrumentalisierung. Dass diese Rechnung dennoch aufgehen kann, zeigt das vorliegende Werk. Mit Blick auf die vorangegangene Zusammenarbeit oder auf andere Acts wie Skrillex oder Nero, die ähnliches auch schon ausprobiert haben, ist von großen Experimenten leider trotzdem nicht zu sprechen.

Anspieltipps:

  • Farrda
  • Jelly Fish
  • Choosing For You
  • Dust Descends (ft. Strange U)

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