Clark - Feast/Beast - Cover
Große Ansicht

Clark Feast/Beast


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 137 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Experimente, die lohnen. Ein fantastisches Remix-Album.

Seit 2001 hat Chris Clark sechs Alben auf Warp Records veröffentlicht. Nun erscheint sein siebtes Werk, vollgepackt mit selbst produzierten Remixes und fremden Remixes eigener Songs. „Feast/Beast“ ist ein Doppelalbum, mehr als zwei Stunden lang, 29 Tracks stark. Ein Umfang, den Clark anscheinend gebraucht hat.

Das Line-up der remixenden Bands lässt tief blicken. Mit Massive Attack, Depeche Mode, Maximo Park und IDM-Kollege Amon Tobin stellt sich Clark stilistisch sehr breit auf. Aber in keiner Instanz scheint er sich damit selbst zu überfordern. Im Gegenteil, man wird das Gefühl kaum los, dass Clark sich hier auslebt, bereits vorhandene kreative Ideen aufgreift, um neues zu schaffen. Dadurch auch seine selbstgesetzten Genre-Grenzen des Elektro durch neue Kombinationen auf die Probe zu stellen und gegebenenfalls neu zu ziehen.

Nicht weniger als interessant und über große Strecken sehr unterhaltsam ist das Ergebnis. „Feast/Beast“ ist Clarks Spielwiese, Genres seine Legobausteine. Und er greift nicht gezielt nach bestimmten Steinen sondern kippt die Kiste mit den bunten Steinchen gleich direkt aus. Die Gebilde, die daraus entstehen, erinnern nur noch entfernt an die musikalische Blaupause. Simple Xylophon-Melodien und rauschende Synthies im ersten Track lassen für zweieinhalb Minuten den Einfluss von Boards of Canada aufblitzen. Im Folgenden wird DM Stith's ruhige Ballade umgekrempelt zu einem rhythmischen Indie-Folk-Song mit stärkerer Betonung der einfühlsameren Vocal-Passagen des Originals.

Wer „Feast/Beast“ auseinandernehmen möchte, sollte viel Zeit einplanen. Doch es lohnt sich. Zwar kehrt Clark der oberen Beschreibung zum Trotz schnell zu dem Glitch-Sound zurück, für den er steht, dennoch tun sich Welten für einen aufmerksamen Hörer auf, wenn er beispielsweise den Elektro-Rock-Track „Die Slow“ von HEALTH zu einem elektrisierenden Club-Track verformt und mit seiner Signatur versieht. „Red Light“ wird zu einem entspannten Dubstep-Track, „D&T“ verwandelt sich innerhalb von viereinhalb Minuten von voluminösem Chillwave in einen nervösen Soundtrack zu der Actionszene eines imaginären Slasher-Films. „Siberian Hooty/Fallen Boy“ ist ein Breakcore-Potpourri aus einer Vielzahl an Synthesizer-Effekten, die miteinander um Aufmerksamkeit konkurrieren und am Ende einen flüssigen Übergang zum Videospielsoundtrack finden. Maximo Parks Frontmann Paul Smith wird auf „Let's Get Clinical“ kurzerhand zum Roboter, der ganze Track mutiert mal eben zum pumpenden Elektrosong.

Dichter Drone („Growls Garden“), beunruhigende Noise-Elemente („Glow“ und „Sea“), Techno-Beats („Dulceria“), Ambient-Sounds („Suns Of Temper“ und „CANTSTANDTHERAIN“), HipHop („Let's Go“) und allerlei Verrücktheiten sind alle in Clarks Remix-Album zu finden. Abwechslung und Experimente sind somit im Überfluss vorhanden. Und es macht einen Heidenspaß, rein- und zuzuhören, wie Chris Clark es dennoch schafft, dem Großteil der Remixes seine Handschrift zu verpassen. Dennoch wird man sich mit drei Punkten abfinden müssen, die dieses Album leider der Höchstwertung berauben. Einerseits ist das die Zusammenhangslosigkeit, mit der die einzelnen Tracks von „Feast/Beast“ scheinbar zusammengewürfelt wurden. Die Übergänge zwischen Songs sind zwar nie hart, stellenweise aber nicht nachvollziehbar. Andererseits, und Grund des vorigen Problems, ist das Rahmenkonzept, das dem Album zu fehlen scheint. Der Titel suggeriert zwei Themen, zwei übergreifende Motive, die bespielt werden. Sollten diese vorhanden sein, sind sie nicht rauszuhören. Und zuletzt ist es die Tatsache, dass Noise und Effekthascherei zuweilen durchaus nerven können. Ansonsten, Prädikat: äußerst wertvoll.

Anspieltipps:

  • DM Stith – Braid Of Voices
  • Nathan Fake - Fentiger
  • Rone - Let's Go
  • Battles - My Machines
  • Clark - Suns Of Temper
  • Health - Die Slow

Neue Kritiken im Genre „Electro“
6/10

Ewiges Eis: 15 Jahre Eisbrecher
  • 2018    
Diskutiere über „Clark“
comments powered by Disqus