Ellie Goulding - Halcyon Days - Cover
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Ellie Goulding Halcyon Days


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 83 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein bis zum Anschlag aufgebohrter Re-Release mit Bonusmaterial bis zum Abwinken.

Dem im Oktober 2012 auf den Markt gebrachten „Halycon”-Album mit eh schon opulenten 14 Songs auf dem Tacho, folgt, wie schon beim Vorgänger „Lights“ (05/2010), der mit „Bright Lights“ (12/2010) einen großen Bruder an die Seite gestellt bekam, nun auch eine massiv aufgestockte „Halycon”-Version mit dezent geändertem Namen („Halycon Days“) und jetzt 22 (!) Songs. Wir merken uns also: Ein echter Ellie-Goulding-Fan wird immer zweimal zur Kasse gebeten!

Zur Begutachtung der zusätzlichen Songs springen wir in der Tracklist an die 15. Stelle und landen bei der Ryan-Tedder/Greg-Kurstin-Produktion „Burn“, die auch als Single aus „Halycon Days“ ausgekoppelt wurde. Das Stück greift das moderne Soundgewand des ursprünglichen Albums auf, so wie es auch die übrigen Stücke tun, an denen Ellie Goulding u.a. mit Madeon, DJ Fresh und Nate Ruess von der Band Fun. gearbeitet hat. Allerdings dauert es bis zum Song „Flashlight“, bis sich das Upgrade von „Halycon” für den Hörer wenigstens einigermaßen auszahlt. Das Stück verbindet Dubstep-Rhythmen mit einem treibenden Dance-Beat und könnte damit die Clubs gehörig rocken.

Mit der Pianoballade „How long will I love you“, die im heimischen Großbritannien als klassische Weihnachtssingle ausgekoppelt werden könnte, findet „Halycon Days“ seinen Abschluss, der vor allem eines deutlich macht: Diesen Mega-Bonus hätte ein an sich gutes Album nicht nötig gehabt, zumal es die Songs als separate Veröffentlichung in der Gunst des Käufers sehr schwer gehabt hätten.

Die ursprüngliche Besprechung: Die Wahl-Londonerin Ellie Goulding (25) debütierte vor zwei Jahren mit ihrem Album „Lights” (05/2010), das sich weltweit mehr als 1,5 Millionen Mal verkaufte (von den ausgekoppelten Singles wurden sogar mehr als fünf Millionen Einheiten abgesetzt) und durch angesagte, leichtfüßige Popmusik in Zusammenarbeit mit dem Remixer Starsmith (Lady Gaga, Marina & The Diamonds, Kylie Minogue, Cheryl Cole) zu überzeugen wusste. Diesen Ansatz verfolgt die 25-Jährige auch auf ihrem zweiten Album „Halcyon“, auf das sich offenbar Gouldings Liaison mit dem Dub-Step Überflieger und DJ Skrillex (alias John Moore) ausgewirkt hat.

Die erste Feststellung in Sachen „Halcyon“ lautet deshalb: Auch wenn Ellie Gouldings Stimme immer noch reichlich Zuckerguss besitzt („Atlantis“) und leicht kindlich wirkt („Explosions“), ist das Image als scheues Reh abgelegt und die übergroße Nerd-Brille mit Fensterglas in der Schublade verschwunden. Das bedeutet aber nicht, dass nun gepflegt-angepasste Langeweile Einzug in die Musik der jungen Britin gehalten hat. Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus!

Die zweite Erkenntnis muss folglich sein, dass Ellie Goulding auch mit ihren aktuellen Songwriting-Partnern wie Jim Eliot (Ladyhawke, Olly Murs, Kylie Minogue, Will Young), John Fortis (The Prodigy, Noisettes, Paolo Nutini, Art Brut, Razorlight) und Calvin Harris (Sophie Ellis-Bextor, Rihanna, LMFAO, Deadmau5) ein absolut stimmiges und modernes Popalbum kreiert hat, das musikalisch voll auf der Höhe der Zeit ist und sowohl mit wuchtigen Breitwandsongs („My blood“) als auch mit fragilen Kompositionen („I know you care“) um die Gunst des Hörers buhlt – und wenn es sein muss, auch mit beiden Elementen zusammen in einem Song („Don’t say a word“).

Diese Mischung könnte durchaus polarisieren. Und in der Tat benötigt „Halcyon“ etwas Zeit, um den Hörer an seinen dichten Hochglanzsound zu gewöhnen („Anything could happen“). Doch wer bereit ist, sich darauf einzulassen, kann auf dem zweiten Werk von Ellie Goulding viele tolle Bespiele für zeitgemäßen Pop ohne Peinlichkeitsabzüge finden.

Anspieltipps:

  • Joy
  • Halcyon
  • Flashlight
  • Explosions
  • Dead in the water
  • How long will I love you
  • Anything could happen

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