Running Wild - Resilient - Cover
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Running Wild Resilient


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Arrr, Landratten! Steuert den Kahn durch die allzu bekannten Gewässer!

Was heute „Pirate Metal“ genannt wird, hat auch nicht mehr wirklich etwas mit dem „Genre“ zu tun, welches Running Wild vor allem auf der lyrischen Ebene etablierten. Dennoch kann ihr Einfluss nicht groß genug eingeschätzt werden. Auch nach fast vierzig Jahren im Studio und auf der Bühne sind sie noch immer Piraten und bleiben ihrer Linie treu. Alle Hörer der deutschen Power Metaler wissen, was sie von denen zu erwarten haben. Das war nicht immer so. Nach den von Fans eher zwiespältig aufgenommenen „Rogues En Vogue“ (2005) und „Shadowmaker“ (2012) musste unbedingt was kommen! Viele haben Running Wild nach ihrer Reunion bereits abgeschrieben und erwarteten nicht mehr wirklich viel. Tatsächlich gelingt ihnen dann doch noch die Wiedergutmachung. Einen Innovationspreis wird „Resilient“ sicherlich nicht gewinnen. Aber hat es das überhaupt nötig?

Nun, das 14. Studioalbum macht glücklicherweise einiges besser als seine enttäuschenden Vorgänger. Die Band besinnt sich auf alte Stärken und bewegt sich musikalisch wieder zurück zu ihren Wurzeln, ohne aber diese zwanghaft kopieren zu wollen. Dass Running Wild „unverwüstlich“ sind, kauft man ihnen ebenfalls gerne ab. Unverwüstlich: ja. Frisch, innovativ, neu: nein. Da dies mittlerweile niemand mehr erwartet und auch die wenigsten wollen, ist der Drops eh gelutscht. „Resilient“ macht einiges gut, aber nichts so bahnbrechend und großartig, dass man es zu den Highlights der Diskographie zählen möchte. Dennoch herrscht hauptsächlich eine Art Fanservice, welchen die Anhänger der Piraten aus Hamburg gerne annehmen. Will heißen: Songs wie der Opener „Soldiers Of Fortune“, „Adventure Highway“ und „Fireheart“ machen alles richtig, was es in jener Hinsicht richtig zu machen gibt, sind dann am Ende aber doch nur Songs, welche im Gegensatz zu manch einer Großtat der Band recht blass bleiben. Spaß soll's machen und Spaß macht es ja auch - aber auch nicht mehr. Zu Zeiten von „Rogues En Vogue“ und „Shadowmaker“ hätte es noch niemand für möglich gehalten, aber vielleicht täte ein wenig Abwechslung den Piraten Metalern doch ganz gut. Gamma Ray oder Helloween haben es in der Vergangenheit doch auch geschafft und sich anschließend neu gestärkt zurück gemeldet. Bei Running Wild ist es dann doch ein wenig anders.

Denn Kasparek und seine Crew können sich einfach nicht entscheiden, ob sie nun einen auf traditionell oder modern machen wollen. Dass so mancher Hörer bei beiden eingeschlagenen Wegen mit der Schulter zucken wird, ist das Dilemma, mit dem die Band heutzutage zu kämpfen hat. Kommen sie zu sehr vom Kurs ab, ärgern sich die Hardliner. Bleiben sie sich treu und machen das, was sie seit 37 Jahre tun, langweilt sich der andere Teil der Zielgruppe. Immerhin gehen die Musiker ihren eigenen Weg und machen, worauf sie Bock haben. Und objektiv gesehen ist es ja auch so ganz okay. „Run Riot“ oder der Titeltrack rocken zum Beispiel mächtig drauflos und sollten die gewünschte Wirkung erzielen. Besonders live! Astreiner Power Metal ist das und doch hat man das Gefühl, dass Running Wild entweder für ewig Gestrige musizieren oder neue Fans gewinnen wollen, was ihnen sogar mit Leichtigkeit gelingen sollte. Fairerweise sollte das jeder für sich entscheiden, denn schlecht ist „Resilient“ sicherlich nicht. Mit „The Drift“ haben die Herren sogar eine richtige Killer-Hymne auf den Silberling gepackt, welche ohne falsche Bescheidenheit so gut wie jede Komposition seit „The Brotherhood“ (2002) locker in die Tasche stecken kann. Auch „Desert Rose“ ist herrlich aufgepeppter und mit großartigen Soli ausgestatteter Hardrock, der den Druck auf die Repeat-Taste geradezu provoziert.

Und das zehn Minuten starke „Bloody Island“? Arrr - feinster, hymnenhafter und bombastischer Freibeuter Metal von den Genre-Pionieren. Hier wird jeder Freund der Band gut bedient. Alte Fans schunkeln und bangen mit den neuen und jeder ist froh. Und dann macht „Resilient“ doch einiges wieder gut. Ein Meisterwerk ist es sicherlich nicht geworden und geht nicht nur ein Mal viel zu sehr auf Nummer sicher. Wer die gewohnt qualitative Portion Power Metal vermisst hat, kriegt sie hier allerdings endlich nachgereicht. Das macht „Resilient“ zum gewohnten Hörerlebnis ohne wirkliche Schwachpunkte, aber auch mit sehr rar gesäten Highlights. Für viele wird es ein alter Hut sein und als Neuentdeckung wird das Album auch hinter den großen Klassikern der Band hinterher hinken - wer auf Running Wild steht, wird aber gut bedient, auch wenn spannender Power Metal inzwischen ganz anders geht.

Anspieltipps:

  • Soldiers Of Fortune
  • The Drift
  • Desert Rose
  • Bloody Island

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