King Krule - 6 Feet Beneath The Moon - Cover
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King Krule 6 Feet Beneath The Moon


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Emotionsgeladen und kratzig. Ein stimmiges Gemenge aus verschiedenen Genres und Gefühlslagen, erstklassig transportiert.

Wer oder was ist King Krule? Ein rothaariger, bleicher Typ aus England mit bedrückter Miene. Das kommt dem Kern des Künstlers King Krule schon sehr nahe. Am Release Date wird der Junge, dessen Musik sich in den unterschiedlichsten Genres verliert, grade mal 19 Jahre jung. Blues, Jazz, Rock, HipHop, Electronica und Dubstep sind alles Stile, die Krule gekonnt anschneidet und für seine ganz eigene Musik instrumentalisiert. Was dabei herauskommt, benötigt eigentlich eine ganz eigene Klassifizierung und wäre einem so jungen Musiker so kaum zuzutrauen.

„6 Feet Beneath The Moon“ nennt sich Archie Marshalls, so sein bürgerlicher Name, Debütalbum. Der Titel beweist bereits die emotionale Richtung, die Archie auf seinen 14 Songs einschlägt. Bewusst auf den Spruch „Six Feet Under“ anspielend, ist er als Metapher für das Gefühl zu verstehen, unter seinen Bestrebungen begraben, gefangen zu sein. So dreht es sich auf dem Werk auch ständig um eine entzauberte Vorstellung der Welt, speziell die der englischen Arbeiterklasse, und Perspektivlosigkeit. Ganz ohne Kitsch gelingt es ihm aber auch, über universelle Emotionen wie Wut, Liebe und Frust zu singen.

Die Verpackung des ganzen ist Poesie, vorgetragen mit einer Stimme, die so kratzig ist wie der Bart des Wirts. Der Wirt der Kneipe in der man nach dem Hören des Albums am liebsten mit Doppelkorn über das Leben philosophieren möchte. Rodaidh McDonald, der schon mit Gil Scott-Heron zusammenarbeitete und „6 Feet Beneath The Moon“ mitproduziert hat, kennt sich mit diesen Emotionen aus. Dennoch klingt die Platte trotz der Erinnerungen, die es eben an Scott-Heron, aber auch Tom Waits weckt, keineswegs wie billiger Abklatsch.

Mit „Foreign 2“ packt Krule seine Erfahrungen mit seichtem Dubstep auf die Scheibe, die er im Zuge der Zusammenarbeit mit Mount Kimbie an deren aktuellem Album vertieft haben dürfte. „A Lizard State“ dagegen ist eine schnelle Brit-Rock Nummer mit geschickten Einsätzen eines jazzigen Saxophons. „Will I Come“ wiederum ist entschleunigend, ein langsamer HipHop-Track mit dominanten Hi-Hats. Ähnlich langsam ist „Neptune Estate“: klassischer Beat, Raps von Krule, dezentes Piano im Hintergrund, ab und zu ein Saxophon. Durch Hall-Effekt verstärkt, versieht Archies Stimme die Songs mit Melancholie. So beispielweise bei „Baby Blue“.

Die Musik auf „6 Feet Beneath The Moon“ ist welche für einsame Hotelbars und verlassene Bühnen. Mit überbetonter Aussprache und einem voluminösen Bariton macht Archie dabei seine Stimme zur treibenden Kraft seiner Songs, ohne dabei die Vielseitigkeit und Komplexität der Instrumentalisierung zu vernachlässigen. Tatsächlich ist King Krules Stimme nicht jedermanns Sache. Wer aber Gefallen an ihr findet oder sich an sie gewöhnt, dem steht ein einzigartiges Album offen.

Anspieltipps:

  • Borderline
  • Has This Hit?
  • Foreign 2
  • A Lizard State
  • The Krockadile

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