Degradead - The Monster Within - Cover
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Degradead The Monster Within


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein qualitativ großer Schritt für die Death-Metal-Buben aus Stockholm.

Jesper Strömblad, seines Zeichens Saitenhexer bei The Resistance und ehemaliges Gründungsmitglied von In Flames, sagte mal, Degradead seien „die Zukunft des Metal“. Ein kommerzieller Achtungserfolg des 2009er Albums „Out Of Body Experience“ spielte dieser Aussage durchaus in die Karten. Mit dem nachfolgenden „A World Destroyer“ wurde es dann wieder etwas ruhiger um die Stockholmer, das Lob von Strömblad wurde immer mehr Fluch und Segen zugleich. Keine Frage: Degradead müssen sich deutlich anstrengen, um ihrem Ruf weiterhin gerecht werden zu können. Ob sie nun wollen oder nicht. Deshalb legen sich die Jungs auf ihrer vierten Langrille „The Monster Within“ auch ganz besonders ins Zeug und sind sehr viel frischer und inspirierter unterwegs als zuvor. Mit dem Neuzugang Amit Mohla haben sich Mikale Sehlin (Gesang), Michel Bärzén (Bass), Anders Nyströ und David Szücs (beide Gitarre) auch ein echtes Monster hinter dem Schlagzeug und eine Konserve mit sehr frischem Blut in die Reihen geholt. Gerade Schießbudenbesitzer Mohla ist der größte Gewinn für Degradead. Sein energisches und teilweise sogar sehr technisches Drumming verdient im Zusammenspiel mit Bassist Bärzén besondere Aufmerksamkeit.

Weiterhin auffallend ist, dass die Band mehr mit Elementen des Metalcore spielt, als noch auf den Vorgängern. Einen Preis für Innovation gewinnen Degradead damit ganz sicher nicht und so mancher Hardliner bekommt jetzt schon das kalte Schaudern; tatsächlich meistern Degradead diese Lage souverän. Und auch Frontmann Mikael Sehlin macht seine Sache absolut überzeugend. Der Wechsel von Screams, Growls und cleanem Gesang funktioniert besser als noch auf „A World Destroyer“ und „Out Of Body Experience“. „One Against All“, „Scars Of Misery“, der Titeltrack und das sehr druckvolle „The Dark Mind“ (deutliche Soilwork-Anleihen) zeugen von einer klaren Entwicklung und hauen kräftig rein. „Strive To Struggle“ folgt dann den Regeln des Schweden-Metals und baut immer wieder gezielte NWoBHM-Riffs mit ein. Der Rausschmeißer „Sorrow Never Betrays“ bietet einen interessanten Flirt von Thrash und Göteborger Todesblei, welcher durch ein orientalisch anmutendes Gitarrensolo zusätzliche Nuancen bekommt. Von solch kleiner aber feiner Detailverliebtheit profitiert die Band enorm - das geschickte Einbinden einer spanischen Akustikgitarre in „Dead Becomes Alive“ beispielsweise vermeidet Ermüdungserscheinungen und gibt der Musik Degradeads einen Wiedererkennungswert, welcher der Band bislang noch gefehlt hat. Absolut außergewöhnlich und wirklich mutig für eine Melo-Death-Kombo ist schließlich die Komposition „We'll Meet Again“, mit der sie ein gewaltiges Ausrufezeichen setzen.

Prinzipiell verbietet das Genre sicherlich keine Ballade, aber diese eine ist so ziemlich alles andere als das, was man jemals von einem Vertreter des Genres erwartet hätte. Eine atmosphärische Akustikgitarre im Stile der ruhigen Opeth leitet den komplett clean gesungenen Song ein - floydige Gitarren und ein leicht aufbrausender Epic-Metal-Refrain täuschen nicht darüber hinweg, dass Degradead hier praktisch eine Pop-Ballade geschrieben haben. Und eine verdammt gute dazu! „We'll Meet Again“ ist die Komposition, welche dem Albumtitel „The Monster Within“ die meiste Ehre macht; zumindest in Anbetracht an das restliche Material. Die Schweden sollten viel häufiger solche Experimente wagen - aus der Ausnahme darf gut und gerne die Regel werden. Dennoch funktioniert ihr vierter Longplayer ganz gut und beschert Degradead quasi einen Neuanfang. Death Metaler, die sich die Rückenwirbel ausrenken wollen, werden genauso gut bedient wie Hörer, die das eine oder andere Experiment zu schätzen wissen. „The Monster Within“ ist ein überaus solider Genrebeitrag, aber noch viel mehr ein für die Band ohne Frage wichtiger Schritt.

Anspieltipps:

  • One Against All
  • Dead Becomes Alive
  • We' ll Meet Again
  • Scars Of Misery
  • Sorrow Never Betrays

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