Ugly Kid Joe - Stairway To Hell EP - Cover
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Ugly Kid Joe Stairway To Hell EP


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 33 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie rocken wie damals, sie rocken gut. Und das ist im Jahre 2013 eine relativ komplizierte Angelegenheit.

Ugly Kid Joe gehören zum letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, das Super Nintendo, Moonboots und bauchfreie Tops hervor brachte. Während ersteres auch heute noch eine treue Fangemeinde hat, sind die anderen beiden Dinge glücklicherweise in Vergessenheit geraten. Bei Ugly Kid Joe ist das ein wenig komplizierter. Bis auf ihren Welthit „Cat's In The Cradle“ sind die Herren aus dem sonnigen Kalifornien aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen worden. Eine kleine aber feine und überaus treue Fangemeinde konnten sie sich dagegen trotz jahrelanger Abstinenz bewahren. Diese hat sich wahrscheinlich wie ein Haufen kleiner Kinder gefreut, als die Reunion angekündigt wurde und die letzte aktuelle Besetzung bestehend aus Whitfield Crane (Gesang), Cordell Crockett (Bass), Shannon Larkin (Schlagzeug), Klaus Eichstadt und Dave Fortmann (beide Gitarre) nun wieder am Start ist. Und da ist es endlich, das neue und lang erwartete Lebenszeichen von Ugly Kid Joe! Nachdem „Stairway To Hell“ bereits auf Konzerten verkauft wurde, haben nun alle Zugriff auf die EP. Um es kurz und bündig zu halten: Auch wenn die Band zurück ist, werden Fans, die ein nahtloses Anknüpfen an die Alben „America’s Least Wanted“ (1992), „Menace to Sobriety“ (1995) und „Motel California“ (1996) erwarten, eventuell enttäuscht werden. Ugly Kid Joe sind Ugly Kid Joe geblieben bzw. zu diesen erneut geworden - das beutetet jedoch nicht zwangsläufig, dass sie die Aura der frühen und mittleren 90er-Jahre besitzen. Hier wird das Unverkennbare der Band ein Opfer der Zeit. Toll ist es ja, dass sie wieder da sind. So relevant und den Zeitgeist treffend wie damals sind die fünf Musiker dann aber nicht mehr wirklich. Doch mal ehrlich: Wer hat das denn auch erwartet?

Etwas falsch machen dürften die neuen Songs dann allerdings auch nichts. „You Make Me Sick“ kommt sehr nahe an das alte Material der US-Amerikaner heran und ist wuchtiger Alternative Rock. „I'm Alright“ ist schließlich ein cooler Hardrock-Smasher, welcher eine ordentliche Portion gute Laune versprüht und das Highlight der EP ist. Für heutige Zeiten eher ungewöhnlich präsentieren sie dann „Love Ain't True!“. Der Song steht bis zu Brust in den unheiligen (?) 90ern - hier erinnern Ugly Kid Joe daran, was manche am Jahrzehnt liebten und andere abgrundtief hassten. Die Nummer ist ein herrlich veralteter Crossover-Song, den so heute keiner mehr machen würde. Ugly Kid Joe aber machen ihn so. Ob sie es nicht anders können oder nicht wollten: Das Experiment glückt und ist trotz der gewählten Ausrichtung frisch wie eh und je. Balladen gibt es mit dem akustisch gehaltenen „Another Beer“ und „No One Survives“, welches definitiv der stärkste Song von „Stairway To Hell“ ist. Dieser sowie das bereits erwähnte „You Make Me Sick“ hätten sich sehr viel besser als Single angeboten, als „Devil's Paradise“, in dem Frontmann Crane so kalkuliert einen auf Ozzy macht, dass der Hörer zum Teil ganz genau hinhören muss, wer da singt. Das ist nicht schlecht und geht als erstklassiges Osbourne-Imitat durch, hat aber mit dem beliebten Sound der Band nur herzlich wenig zu tun und ist als Single deshalb leider ein waschechter Fehlgriff.

Das Bonus-Trio „No One Survives“, „Would You Like To Be There“ und „Cat's In The Cradle“ wird als kleine Zugabe akustisch dargeboten. Alle drei Songs sind in dieser Form absolut großartig, besonders „Would You Like To Be There“, welches mit schrammeligen Alternative-Soli interessante Kontraste setzen kann, welche ein eventuelles Schema F beim Arrangieren eines Akustiktracks vermeiden. Radiostationen sollten sich schließlich für das akustische „Cat's In The Cradle“ entscheiden; die Coverversion von Harry Chapin, welche Ugly Kid Joes größter Hit bleiben sollte, ist mehr als tot genudelt. Ein wenig editiert funktioniert der Song aber auch jetzt noch bzw. wieder richtig gut. Der ruhige Ausklang des akustischen „No One Survives“ hinterlässt dann ein zufriedenes Lächeln auf den Gesichtern der ausgehungerten Fans. Kleiner Tipp an UKJ: Haut ein neues Album raus und legt dann mit einem Akustik-Album nach! Alles in allem ist „Stairway To Hell“ ordentlich und mit sechs neuen Songs und dem Bonuskram genau das, was eine vernünftige EP sein sollte. Andere Bands dürfen hier abgucken, wie es richtig gemacht wird. Eine zusätzliche DVD mit zwei Clips, einem Interview und dem halbstündigen Mitschnitt vom Download Festival (hervorragende Bildqualität!) sind das i-Tüpfelchen, über das sich treue Anhänger besonders freuen werden. Diese sollten sich „Stairway To Hell“ unbedingt alleine deshalb ins Haus holen. Ugly Kid Joe sind letztendlich nicht mehr die Band von anno dazumal, rocken aber auch im Jahre 2013 noch richtig gut.

Anspieltipps:

  • You Make Me Sick
  • No One Survives
  • I'm Alright
  • Cat's In The Cradlev (Acoustic)
  • Would You Like To Be There (Acoustic)

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