Gloria - Gloria - Cover
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Gloria Gloria


  • Label: Grönland/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol haben ein Album aufgenommen, das alle Erwartungen übertrifft.

Olli Schulz war einst ein toller Musiker, ein Hoffnungsträger, wie man so gerne sagt. Er ist es wahrscheinlich auch heute noch, obwohl viele ihn mittlerweile mehr für seine schrägen Auftritte bei „Circus HalliGalli“ schätzen als für seine Songs. Klaas Heufer-Umlauf, sein moderierender Kollege und Vorgesetzter bei ebendieser Fernsehshow, schlägt jetzt den exakt entgegengesetzten Weg ein: Er ist bekannt für den Klamauk, den er seit fünf Jahren allwöchentlich zusammen mit Joko Winterscheidt veranstaltet und will nun ein toller Musiker werden. Obwohl, eigentlich will er das gar nicht: „Wir sind unserem Gefühl gefolgt. Und dabei in etwas hineingeraten“, lässt sich der 30-Jährige überraschend zurückhaltend zitieren. „Wir“, das sind Heufer-Umlauf und Mark Tavassol, Bassist der einst sehr erfolgreichen, mittlerweile pausierenden Band Wir sind Helden.

Zusammen haben die beiden ein Album geschaffen, das alle Erwartungen übertrifft - vor allem, weil man Klaas die Rolle des ernsthaften Sängers und Songwriters in dieser Form nicht zugetraut hätte. Wenn sein Anteil an den Lyrics nicht wesentlich geringer ist als der von Tavassol, dann muss man sich um den Moderator keine Sorgen machen, falls er sich irgendwann zu alt für seinen bisherigen Job fühlen sollte. „Wie Sehr Wir Leuchten“ und „Vage“ sind Nummern, die gar nicht mal so weit entfernt sind von dem, was die Begabten der deutschen Musikszene vorlegen. „Warten“ und „Eigenes Berlin“ sind Songs, die es locker mit ihnen aufnehmen können, mit Bosse, Gisbert zu Knyphausen oder Thees Uhlmann. Es sind Titel, die Bestand haben, die überleben werden, wie einst „Baby Melancholie“ von der Hansen Band.

Eingetaucht in eine schwarz-weiße Grundstimmung besitzen Glorias Texte über das Miteinander und das Auseinander im Zusammenspiel mit Mark Tavassols detailverliebter Produktion eine betrübte, ehrliche Ausstrahlung. Unentschlossenheit, Trennung, Anpassung, Freundschaft, Verzweiflung – es sind die negativen, aber nicht hoffnungslosen Gefühle, die das Album prägen. Die Coverversion von Enno Bungers „Regen“ reiht sich bedingungslos in diese Zusammenstellung ein, die ihren größten Moment paradoxerweise im Instrumental-Part von „Eigenes Berlin“ erreicht. Und wäre da nicht der mehrstimmige, etwas an Die Prinzen erinnernde Anfang von „Solange Du Mich Lässt“ -Gloria wären an Stilsicherheit kaum zu übertreffen. „Wenn man die Augen zumacht, klingt der Regen wie Applaus“, singt Klaas Heufer-Umlauf. Ein Wolkenbruch, sofort!

Anspieltipps:

  • Eigenes Berlin
  • Warten
  • Wie Sehr Wir Leuchten
  • Vage

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