Golden Suits - Golden Suits - Cover
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Golden Suits Golden Suits


  • Label: Yep Roc/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Folkig instrumentalisierte Melancholie mit positivem Blick in die Zukunft.

Nachdem sich Fred Nicolaus von Daniel Rossen, alter Bandkollege von Department Of Eagles, getrennt hat, macht er nun als Golden Suits sein eigenes Ding. Ganz aufgeben wollte er das Musizieren mit Rossen aber nicht. Gemeinsam mit Christopher Bear und Chris Tayler, mit denen Rossen gemeinhin als Grizzly Bear bekannt ist, unterstützt dieser ihn in seinem Soloprojekt. Es ist also einiges an Know-How, das der New Yorker mit seinem Solo-Debüt, an dem er zwei Jahre gearbeitet hat, vorweisen kann.

Auf „Golden Suits“ verarbeitet Nicolaus Trennung, Obdachlosigkeit und Pleite, die er in der Entstehungsphase des Albums durchlitten hat. Angeblich flüchtete er sich damals in die Kurzgeschichten John Cheevers, der sich nostalgisch mit dem Kulturwandel in den amerikanischen Vorstädten auseinandersetzte. Ähnlich melancholisch klingt somit auch Nicolaus' Machwerk. Es beginnt scheinbar frohlockend mit „Swimming In '99“, das sich textlich aber mit den Schmerzen der verlorenen Liebe auseinandersetzt - jedoch mit positivem Blick in die Zukunft. Die Textzeile „You Will Recover“, die den Wendepunkt des Songs darstellt, scheint auch des Albums Bedeutung für seinen Schöpfer auszudrücken: als Weg zur persönlichen Vergangenheitsbewältigung.

Die Liebe bleibt erst einmal Thema und so singt Nicolaus betont sehnsüchtig „Please Tell Me You Need Me“. Trotz eher kitschiger Formulierung klingt „Under Your Wing“ aber nie billig. Die tatsächlich durchlittene, frische Trennung verleiht Nicolaus' Liedern besondere Authentizität. Aber traurig klingt es nie, wenn er singt. Jedes Stück ist mit viel Lebensfreude verpackt worden und so wirkt Nicolaus manchmal wie der lächelnde Vater, der das Kind tröstet, wenn es das erste Mal Liebeskummer spürt. Da ist „And All Those Burning Questions Would Cool Off Over Time“ auf Track drei eine schöne Art, das Erwachsenwerden zu erklären, wie eben alles vorüber geht und andere Dinge wichtig werden.

Nach einer Instrumentalisierung mit starken folkigen Anleihen, versucht sich Nicolaus erfolgreich an dem poppigeren „You Can't Make Your Mind Up“, das mit Fingerschnippen und Marschtrommeln mit verschiedenen Tempi spielt. Melancholische Pianoakkorde fügen den Song instrumental wieder passgenau in das Gesamtbild des Albums ein. „Wash It Away“ reißt den Blick nach vorn. Die Vergangenheit hinter sich lassend begibt sich Golden Suits auf die Suche nach dem persönlichen Glück.

Schließlich kommt „Find A Way“ mit schwerfälligen Gitarren, tiefen Streichern und langsamen Drums eher gelassen daher. „Little One“ ist minimalistisch mit akustischer Gitarre und schwingenden Bläsern. Diese Ballade wirft das Ruder wieder rum und beweist, dass Nicolaus nicht nur Optimismus ausstrahlen kann. Ähnlich simpel ist anfangs der Closer „Dearly Beloved“, bis Frauenchor, Begleitstimme und abwechslungsreiche Schlagzeug- und E-Gitarren-Einlagen das letzte Statement des Albums hinausrufen: Alles ist gut!

Anspieltipps:

  • You Can't Make Your Mind Up
  • Wash It Away
  • Little One
  • Dearly Beloved

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