My Favourite Mixtape - Bandsalat - Cover
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My Favourite Mixtape Bandsalat


  • Label: 141 Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Stinkefinger hoch: Not your typical Punkrock-Band.

Die Zeiten des Bandsalats haben wir ja lange hinter uns. Manche haben die technische Entwicklung begrüßt. Immerhin muss man nicht mehr den Bleistift zücken, um das heillose Durcheinander wieder in die Spule zurück zu drehen. Andere blicken wehmütig auf die Zeit zurück. Wahrscheinlich auch My Favourite Mixtape, immerhin wurden damals noch Mixtapes auf Kassette aufgenommen und Inez (Gesang, Bass), Lucas (Gitarre, Gesang) und Knut (Schlagzeug, Gesang) nennen ihr Album ebenfalls „Bandsalat“ - ein augenzwinkerndes Cover-Artwork, fröhliches Magnetband-Vertilgen inklusive. Die im Jahr 2007 in Hamburg gegründete Band veröffentlicht nach zwei EPs nun ihr Debütalbum und überrascht mit einem interessanten musikalischen Rundumschlag. Als Punkrocker werden My Favourite Mixtape klassifiziert. Tatsächlich ist diese Band aber so viel mehr und feuert kreative Einfälle und eine überraschend große Bandbreite aus allen Rohren.

Genug Zeit zum Üben hatte das Trio ja. In den Jahren ihres Bestehens experimentierten die drei mit allerlei Stilen, was letztendlich in etwas mündet, das man gut und gerne „eigener Sound“ nennen darf. Die Zeit wurde also gut genutzt und so bahnen sich das Mädel und ihre beiden Jungs einen Weg durch den Genre-Dschungel. Während „Stuck“ ein wirklich treibendes Punkrock-Energiebündel darstellt, werden bei den restlichen Kompositionen auf teilweise drastische Art und Weise ganz andere Saiten aufgezogen. „Corpse“ und „Spotlight“ erinnern an The Donnas oder Garbage - die netten Melodien werden durch ruppigen und den Sound regelrecht verschlingenden Noise aufgelockert. Stichwort Noise: generell profitiert ein Gros der Kompositionen vom experimentellen Einschlag, welcher die Musik von My Favourite Mixtape kontrastreich erscheinen lässt und für einen Wiedererkennungswert sorgt, der anderen Bands zum Teil abgeht. Die Kluft zwischen dem erwähnten „Spotlight“ und den düster-kauzigen „Zombies“, „Arbeitslos“, „Coffee“, „Let's Go“ sowie dem großartigen „Purple“ könnte nicht größer sein. Neben einem Indie-Einschlag, der teilweise Erinnerungen an die Pixies weckt, beweisen sich Inez, Lucas und Knut noch (passenderweise) als waschechte Erben der Hamburger Schule. Die rohen, ungeschliffenen Nummern „Beton und Asphalt“, „Arbeitslos“ und „Walk The Line“ haben vor allem lyrisch den Spirit von Bands wie Das neue Brot (wenn sie sozialkritisch sind) oder den frühen Die Sterne und sind heute allenfalls noch im Underground in einer so authentischen Form zu finden.

Ebenso ist der bereits erwähnte Terminus Indie bei My Favourite Mixtape wohl besser aufgehoben, als bei vielen Bands, die generell als Vertreter des Genres gesehen werden. Puristen freuen sich. „Bandsalat“ selbst will und kann es nicht allen recht machen und duldet kaum Kompromisse. Das gesamte Album hat eine merkwürdige Dynamik. Groß angelegter Rock harmoniert mit unterkühlten Soundspielereien - dadurch wird das Trio zwar nicht zu großen Revolutionären, zeigt aber mehr Mut und Experimentierlaune als so manch ähnliche Band. Ihr Plan funktioniert am Ende so oder so. Die 14 Kompositionen auf „Bandsalat“ werden nicht jeden ansprechen, schon gar nicht Menschen, die den Begriff Indie falsch verwenden und ganz andere Vorstellungen haben. Wer sich aber mit der rohen, ruppigen Herangehensweise von Inez, Lucas und Knut anfreunden kann, findet ein Debütalbum einer jungen Band, von der wir noch einiges zu hören bekommen dürften und die ohne Frage spannend ist.

Anspieltipps:

  • Arbeitslos
  • Zombies
  • Purple
  • Lights On
  • Walk The Line

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