Subsignal - Paraiso - Cover
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Subsignal Paraiso


  • Label: Golden Core/ZYX
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Progressive-Pop mit einer verblüffenden Mélange aus Eingängigkeit und Komplexität, die der Band mehr Eigenständigkeit denn je beschert.

Aus und vorbei! Wer jetzt allen Ernstes noch die Nachfolger der großen Sieges Even erwartet, darf das Thema Subsignal direkt abhaken. Allerdings wäre das ziemlich schade. Die Band um Markus Steffen (Gitarre), Arno Menses (Gesang), David Bertok (Keyboard), Ralf Schwager (Bass) und Danilo Batdorf (Schlagzeug) legen die Ketten der Erwartungshaltungen ihrer Fans ab und präsentieren sich auf ihrem dritten Album als absolut eigenständige Band. Nach „Beautiful & Monstrous“ (2009) und „Touchstones“ (2011) sind Subsignal letzten Endes an einem Punkt angekommen, wo sie ihren ureigenen Stil definieren. Dieser ist einzigartig, unverkennbar und hat als Beweis der Wurzeln Sieges Evens mittlerweile nur noch Markus Steffen und Arno Menses zu bieten. Von der unumgänglichen Alternative zu deren ehemaliger Band hat sich Subsignal nun definitiv zu einer eigenständigen Kombo entwickelt, die sich souverän und selbstsicher von der Prog-Legende emanzipiert. Der Terminus progressiv ist ein Fixpunkt, an dem sich Band und Fans festhalten dürfen - Subsignals „Paraiso“ geht nach seinen Vorgängern einen Schritt weiter bzw. einen Schritt zurück. Zeugte das Debüt „Beautiful & Monstrous“ noch von der Nähe zu der (gemäßigten) Härte der späten Sieges Even, ist „Paraiso“ mehr denn je irgendwo zwischen Prog Metal, Neo-Prog und Poprock (!) anzusiedeln.

Komplexität und Eingängigkeit - „Paraiso“ beweist, dass kaum eine zweite Band dieses Kunststück vollführen kann. Das gesamte Album lebt von zum Sterben schönen Melodien, der pointiert eingesetzten Akustikgitarre von Gitarrist Steffen und der gewohnt angenehmen Stimme von Frontmann Menses. Songs wie die akustisch getragenen „A Heartbeat Away“ und „Swimming Home“, der Neoprogger „A New Reliance“ und das ruhige „Stillness Beneath The Snow“, welches immer wieder von relativ hartem Riffing, einem verträumten Piano und Markus Steffens abermals faszinierendem Akustikgitarren-Solo (vgl. das Sieges Even-Werk „Paramount“) aus seinem Schlummer geweckt wird, sind allesamt großartig und haben einen enormen Abwechslungsreichtum. „A Long Way Since The Earth Crashed“ und der Titeltrack sind dann recht flotte Singlenummern. Während „Paraiso“ noch am ehesten das Prädikat Hardrock verdient und einen eingängig-bombastischen Aufbau bietet, würde „A Long Way Since The Earth Crashed“ sich kaum vom restlichen Radioprogramm unterscheiden. Dieser Song wäre wahrscheinlich sogar den Marillion der H-Anfangsphase zu poppig gewesen und geht auf dem Album entweder unter oder reißt bei dem Gros des balladesken und ruhigen Materials zusätzlich raus. Richtige Brecher erwarten den Hörer dagegen mit „A Giant Leap Of Faith“ und „The Colossus That Bestrode The World“. Spätestens bei ihnen entfaltet sich die hohe Klasse von „Paraiso“.

Beide Songs sprühen vor Einfällen, sind opulent, relativ hart und zeugen von der Qualität der Band. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass Progressive Rock nicht immer verkopft sein muss und ohne falsche Bescheidenheit auch direkt hängen bleiben kann, ohne ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufzuweisen. Andere Genrevertreter dürfen sich hier gut und gerne eine ganz dicke Scheibe abschneiden. „The Blueprint Of Winter“ hat mit Marcela Bovio (Stream Of Passion, ehemalige Ayreon-Entdeckung) einen guten Gastbeitrag zu bieten. Ihre engelsgleiche Stimme ist eigentlich grundsätzlich ein Gewinn. Im Duett mit Arno Menses kommt sie nochmal besser zur Geltung. Die Pop-Ballade selbst ist dagegen eher im Mittelfeld von „Paraiso“ anzusiedeln. Das tut dem Album aber keinen Abbruch. Subsignals Dritte ist die logische Konsequenz ihres Schaffens und etabliert die Herren ein für alle Mal als höchst eigenständige Band, die zielstrebig ihren Weg geht. Wer den etwas anderen Progressive Rock sucht, wird mit „Paraiso“ sehr glücklich werden. Fazit: Ein kleines, stilles, streckenweise fast intimes Album mit mächtiger Wirkung und unüberhörbarer Reife.

Anspieltipps:

  • Paraiso
  • A New Reliance
  • A Heartbeat Away
  • A Giant Leap Of Faith
  • The Colossus That Bestrode The World

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