Trombone Shorty - Say That To Say This - Cover
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Trombone Shorty Say That To Say This


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein großartiger Musiker verkauft sich unter Wert.

Troy Andrews kommt aus einer musikalischen Familie. Sein Großvater war der Rhythm & Blues-Sänger Jessie Hill, der 1960 mit „Ooh-Poo-Pah-Doo” einen Hit landete. Sein Mentor und älterer Bruder James Andrews ist ein bekannter Trompeter und weitere Brüder spielen Tuba und Schlagzeug. Andere Verwandte sind Mitglieder bekannter Brass-Bands aus New Orleans wie der Rebirth Brass Band oder der Dirty Dozen Brass Band. Troy gründete schon mit sechs Jahren eine Blaskapelle und hat deshalb früh die Musiktraditionen seiner Heimatstadt aufgesaugt und verarbeitet. Weil er seit Kindesbeinen Posaune spielt, erhielt er den Spitznamen Trombone Shorty, unter dem er jetzt seine neuesten Aufnahmen vorlegt. Heute spielt er auch noch Trompete, Keyboards und Percussion. Außerdem singt er und tanzt auf der Bühne. Wegen seiner multi-kulturellen Erfahrungen aus dem Schmelztiegel New Orleans ist für ihn heute der Jazz nur die Grundsubstanz seiner Musik. Munter fügt er Elemente des Funk und Rock hinzu, arbeitet mit Rappern oder baut Dance-Pop-Zitate in seinen Stilmix ein.

Handwerklich sind Shorty und seine Band „Orleans Avenue“ über jeden Zweifel erhaben! Sie spielen versiert und flüssig, wie eine geölte Maschine. Der Mann ist ständig auf Achse und hat seine letzte CD „For True“ von 2011 so nebenbei während einer Tournee aufgenommen. Dieses Mal wollte er seinen Groove-Jazz in Ruhe einspielen und leistete sich einen Monat lang reine Studiozeit.

Thriller Jazz, so könnte man den Titeltrack des Albums überschreiben. Nach 20 Sekunden Intro setzt ein scharfer Bläsersatz ein, der von einer schwerblütigen E-Gitarre flankiert wird. Das obligatorische Posaunen-Solo schließt sich an. Dann übernimmt wieder das Eingangs-Bläser-Riff die Regie. Ein verheißungsvoller Auftakt. Trombone Shorty begleitete Lenny Kravitz auf dessen 2005er Welttournee. Das hat deutliche Spuren bei ihm hinterlassen. Die lässige Funk-Rock-Grundierung der Songs „You And I (Out Of This Place)“, „Get The Picture”, „Fire And Brimstones“ und „Dream On” zeigt, dass er viel von dem Mann gelernt hat. Die Tracks sind gut zwischen trockenen Rhythmen und beweglichen Gesangs- und Instrumenteneinsätzen austariert.

Leichten Soul-Funk, wie er in den 80er-Jahren gespielt wurde, bietet „Long Weekend“. Der Song ist jedoch weder Fisch noch Fleisch. Er ist zu glatt produziert, hat eine nichtssagende Melodie und der seichte Gesang kann nicht berühren. Für ein Lied wurden The Meters, die legendäre Funk-Band, die später zu The Neville Brothers wurde, reaktiviert. „Be My Lady“ war 1977 ihr letzter Hit. Bei dieser Neuaufnahme ist leider nur langweiliger Schmuse-Soul rausgekommen. Es ist völlig unverständlich, warum die Musiker ihr enormes Potential nicht ausgereizt und stattdessen solch eine fade Nummer eingespielt haben. Auch die Instrumental-Titel „Vieux Carre“ und „Sunrise“ bieten nur biedere Gebrauchsmusik. Sie taugen bestenfalls als Lückenfüller zwischen Wortbeiträgen in Feuilleton-Radiosendungen oder als Hintergrundbeschallung für Cocktailbars. So harmlos sind sie. Im Abschluss-Track „Shortyville“ zeigt Shorty eine Demonstration seiner Instrumentenbeherrschung. Diese Selbstdarstellung geht aber auf Kosten von klaren Songstrukturen.

„Say That To Say This“ ist ein Slangausdruck und bedeutet so viel wie „um es kurz zu machen“. In diesem Sinne lautet das Fazit zu diesem Album: Zwiespältig. Die Hälfte der Songs erscheinen unverbindlich, kalkuliert und steril, was an der Qualität der Kompositionen und an der Produktion liegt. Den Arrangements wird oft ein Solo aufgedrückt, egal ob es nötig ist oder nicht. Dadurch laufen sie häufig nach dem gleichen Strickmuster ab.

Ein einfühlsamerer Produzent wie z.B. Joe Henry hätte wahrscheinlich für mehr Wärme und einen luftigeren Sound gesorgt, bei dem die Töne mehr Raum bekommen. Dann wäre die Musik auch nicht so modisch durchgestylt worden. Man hätte weniger Wert auf Eingängigkeit und Stromlinienform legen sollen, dafür mehr auf Ausdruck und Tiefe achten müssen. Dann wäre das Ergebnis auch weniger austauschbar und eher individueller ausgefallen. So ist es wirklich schade, dass Trombone Shorty von seinem Produzenten Raphael Saadiq anscheinend schlecht beraten wurde. Er hat sicher viel mehr zu bieten als er hier zeigen durfte.

Anspieltipps:

  • Say That To Say This
  • You And I (Outta This Place)
  • Get The Picture
  • Fire And Brimstones

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