Julia Holter - Loud City Song - Cover
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Julia Holter Loud City Song


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Grenzbereich zwischen Kunst und Pop.

Achtung: Kritikerliebling! Die 28-jährige Kalifornierin aus Los Angeles ist zurzeit in vieler Munde. Die Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin legt ihre dritte Veröffentlichung vor und erfreut sich damit einer breiten Zustimmung. Sie öffnet für uns ein Kaleidoskop an Eindrücken, Erinnerungen und Querverweisen. Außerdem bringt sie das Kunststück fertig, zugleich anspruchsvoll und unterhaltsam zu sein. Sie arbeitet mit einem breit gefächerten Arsenal an Stimmungen, von Stille bis zu wilden, sich frei überlagernden, verschachtelten Bläser- oder Streicherbeiträgen. Eingebunden werden aber auch eingängige Melodien sowie Passagen von friedlicher Schönheit. Diese Mixtur wird in bekömmlichen Portionen serviert. Elektronische Schwebeklänge und akustische Instrumente sind gleichberechtigt und organisch zusammengefügt. Julia Holter schafft dadurch akustische Landschaften, in denen sie ihre Stimme als führendes Instrument einsetzt.

Dieses innovative Vorgehen ist anfangs nur schwer zu fassen und einzuordnen, denn es prasseln etliche Assoziationen auf den Hörer ein. Man entdeckt eine unwirkliche Ruhe, wie sie auch bei den späten Talk Talk erzeugt wurde. Die melancholischen, introvertierten Stimmungen erinnern an die schottische Folk-Ambient-Band The Blue Nile. Es wird viel mit Stimmen experimentiert, Vorreiterin dafür war die Avantgarde-Sängerin Meredith Monk. Die logische Klarheit und das abgeklärte Klangbild der Soundtüftlerin Laurie Anderson haben auch ihre Spuren hinterlassen. Eine offensichtliche Verneigung vor Joni Mitchells „The Jungle Line“ ist der Song „In The Green Wild“.

Fast bewegungslose Minimal Art à la Steve Reich war ein früher Einfluss für die Künstlerin. Bei dieser Musik werden Tonfolgen ständig wiederholt und nur allmählich verändert. Monotone, stoische Bläsersätze und jazzige Zwischenspiele bilden überraschende Stil(bruch)mittel. Tragik und Schwere werden durch den Einsatz von Kirchenorgeln und feierlichen Stimmen verstärkt. Zarter, unberührter, sphärischer, feenartiger Gesang ohne Gefühlsduselei ist der Gegenpol dazu. Julia Holter präsentiert die Kompositionen mit einer beruhigenden, hellen, klaren Erzählstimme, die nicht einlullt, sondern unaufgeregte Spannung vermittelt.

Was sich wirr und unvereinbar liest, hört sich aber klar durchstrukturiert und anregend an. Die Musik fordert die Konzentration des Hörers. Sie überfordert den aufgeschlossenen Musikliebhaber mit Ohren für neue Erfahrungen aber nicht, sondern bietet einzigartigen, fesselnden Musikgenuss.

Anspieltipps:

  • Hello Stranger
  • This Is A True Heart
  • City Appearing

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