Miley Cyrus - Bangerz - Cover
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Miley Cyrus Bangerz


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist das noch Marketing oder ein versteckter Hilferuf eines Ex-Kinderstars, dem im Hollywood-Hamsterrad langsam aber sicher die Gehirndrähte durchglühen?

Miley Cyrus, gerade einmal 20 Jahre alt, aber schon seit ihrem achten Lebensjahr in der Hollywood-Maschinerie gefangen, meldete sich im Sommer dieses Jahres nach einer kreativen Pause mit vollem Körpereinsatz zurück und ist seitdem nicht mehr aus der Klatschpresse und den einschlägigen Internet-Video-Portalen wegzudenken. Denn Miley will ihre Rolle als Kinderstar Hannah Montana endgültig hinter sich lassen und mit neuem Label-Deal, neuen Produzenten, neuem Sound und einem völlig neuen Look, der selbst Lady Gaga und Britney Spears im Bezug auf das Weglassen von Kleidung in der Öffentlichkeit in den Schatten stellt, ein Ausrufezeichen setzen.

So war die Tochter des Schauspielers und Musikers Billy Ray Cyrus in den Videos zu den bisherigen Singleauskopplungen „We can’t stop“ (06/2013), „Wrecking ball“ (08/2013) und im „23“-Clip (10/2013) zusammen mit Juicy J, Wiz Khalifa und Mike WiLL Made-It sowie bei Bühnenauftritten so freizügig wie noch nie zu sehen und punktgenau vor der Veröffentlichung ihres dritten Albums „Bangerz“, um das sich der ganze Firlefanz dreht, erschienen im Internet Fotos des US-amerikanischen Fotografen Terry Richardson, auf denen Miley die Grenze zur Pornografie pulverisiert. Frage: Ist das noch Marketing oder ein versteckter Hilferuf eines Ex-Kinderstars, dem im Hollywood-Hamsterrad langsam aber sicher die Gehirndrähte durchglühen?

Dass durch diese öffentliche Peepshow die in der Tat neue Musik der 20-Jährigen mehr als eine gefühlte Herabwertung erhält und völlig aus dem Fokus gerät, ist eine Schande. Denn das unter der Produktionsanleitung von Michael „Mike WiLL Made-It” Williams (u.a. Rihanna, Lil Wayne, Kanye West, Ciara, Kelly Rowland, 2 Chainz) und mit künstlerischen Kollaborationen mit Nelly, Pharrell, Future, Will.I.Am, Ludacris, Dr. Luke, Britney Spears, French Montana und Big Sean ausgestattete Album schafft es tatsächlich, über eine überraschend lange Zeit zu überzeugen. Erst in der zweiten Hälfte schleichen sich verstärkt Lückenfüller wie „Do my thang“ oder auch „Maybe you’re right“ ein.

Doch von vorne: „Bangerz“ startet ungewöhnlich ruhig mit der atmosphärischen Breitwandballade „Adore you“, gefolgt von der ersten Singleauskopplung „We can’t stop“, die ebenfalls nicht über ein gemächliches Tempo hinauskommt, dafür aber eine einprägsame Hookline mitbringt und erstmals die Verknüpfung von Black Music und europäischem Synthie-Pop andeutet. Mit dem Britney-Spears-Duett „SMS (Bangerz)“ geht es schnurstracks auf den Dancefloor. Dort angekommen, heizt „4x4“ im Lady-Gaga-Stil weiter ein, bevor „My darlin‘“ wieder an den Ausgangspunkt von „Bangerz“ zurückkehrt und atmosphärische R&B-Midtempo-Klänge verströmt.

„Wrecking ball“ ist die erste Nummer-1-Single von Miley Cyrus in den USA und sicher auch eine der stärksten Nummern, die sie bis dato einsingen durfte. Denkt man sich den anstößigen Videoclip weg, verbleiben eine starke Gesangsleistung und eine Melodie, die sich ins Langzeitgedächtnis einbrennt. Damit sind bis auf „Drive“ sämtliche Asse auf „Wrecking Ball“ ausgespielt und schwache Tracks wie „Love money party“, „On my own“, „#Getitright“ sowie „Someone else“ bekommen die Oberhand und ziehen den guten Eindruck, den sechs bis sieben der 16 Songs hinterlassen haben, wieder auf ein Mittelmaß herunter, das selbstverschuldet gar nicht nötig war. Denn weniger wäre hier definitiv mehr gewesen!

Anspieltipps:

  • Drive
  • Adore you
  • My darlin‘
  • We can’t stop
  • SMS (Bangerz)
  • Wrecking ball

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