Dota Und Die Stadtpiraten - Wo Soll Ich Suchen - Cover
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Dota Und Die Stadtpiraten Wo Soll Ich Suchen


  • Label: Kleingeldprinzessin Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Allerspätestens jetzt gehört Frau Kehr zu den ganz Großen der deutschen Liedermacherkunst.

Dota Kehr ist ein Underdog, der eigentlich keiner mehr ist und dennoch immer dessen unwiderstehliche Aura behalten wird. Trotz des einen oder anderen Achtungserfolgs in der jüngeren Vergangenheit ist sie auf dem Boden geblieben. Plattenverträge lehnten sie und ihre Begleitband Die Stadtpiraten selbstsicher ab und genießen so eine uneingeschränkte (künstlerische) Freiheit. Die ehemalige Straßenmusikerin und Medizinerin weiß einfach, was sie will. Ihr Mut zahlt sich aus und so geht Dota im Gegensatz zu so manch anderen Musikern tatsächlich ihren eigenen Weg. Das merkt man: „Wo soll ich suchen“ ist die Oase in der deutschen Musiklandschaft, welche man von einer Dota Kehr erwartet hat. Angenehm unaufgeregt, aber stets spannend und beflügelnd, setzt sich die Dame diesmal wieder ohne ihre urbanen Freibeuter durch. Auch allein unterwegs hat die Sängerin spätestens mit ihrem dritten Studioalbum eine Liga erreicht, von der Interpreten wie Bendzkos oder Naidoos ihr Leben lang nur träumen können. Ihren eigenen Stil hat die ehemalige Kleingeldprinzessin eh schon gefunden. Dennoch klingt „Wo soll ich suchen“ im direkten Vergleich mit Vorgängeralben wie „Schall und Schatten“ (2009) oder dem Stadtpiraten-Werk „Bis auf den Grund“ (2010) noch ein wenig runder, stilsicherer und souveräner. Dabei wird eine vermeintliche Entwicklung gar nicht vorgetäuscht: Fans wissen was sie an Dota haben und werden bestens bedient. Sie macht es so wie sie will und sie macht es verdammt gut.

Es heißt, man könne im Laden Dota-Alben sowohl in der Pop- als auch in der Chanson-Abteilung finden. Wahrscheinlich gilt das auch für „Wo soll ich suchen“. Die 13 Songs pendeln zwischen Melancholie, Traurigkeit und purer Ausgelassenheit hin und her, während sie sich in Herz und Verstand des Hörers einschleichen. Die hauptsächlich von der akustischen Gitarre und der Stimme Dotas getragenen Lieder, spielen mit dezenten Einfällen. Schwermütige Streicher wagen den Blick in die Ferne („Hoch oben“, „Rauschen“), gleichermaßen sorgt ein Bossa Nova („Das Wesen der Glut“) für beschwingte Stimmung. „Wo soll ich suchen“ lebt von Kontrasten, will sich nicht kategorisieren lassen und ist dennoch wie aus einem Guss. Während sich das schrammelige „Warten auf Wind“ und das bombastisch lärmende „Konfetti“ zum Teil in die Rock-Ecke bewegen, besticht das reduzierte „Zwei Falter“ mit einer beinahe an Nick Cave erinnernde Intimität. Nur eben auf Deutsch, mit Frauenstimme und weniger verschroben. Dennoch bleibt Dota angenehm eigen: In „Du musst dich nicht messen“ und „Im Tausch“ nähert sie sich den großen Melodien von Element Of Crime - Blechbläser gibt es genauso wie eine punktuell eingesetzte Hymnenhaftigkeit. Im Vergleich zu dem restlichen Material des Albums, setzt Dota hier abermals Akzente und zelebriert Abwechslungsreichtum. Zurückhaltende Schönheit (Titeltrack, „Licht“) geht Hand in Hand mit Lebenslust („Sommer“, „Stadt am Meer“) - mal laut, mal leise, ohne Notwendigkeit, ehrlich und ungekünstelt.

Besonders lyrisch zeigt sich Dota Kehr wieder als kluge Beobachterin alltäglicher Dinge. Ihre Texte sind pure Poesie, welche den schwierigen Spagat zwischen gelegentlicher Romantik und Abgeklärtheit vollführen. Vermeintliche Banalitäten und Triviales kriegen völlig neue Ebenen. Dota hat es nicht nötig, mit großen Worten um sich zu werfen - sie hält sich nicht für schlauer als ihre Hörer, sondern greift Geschichten aus dem Leben auf, die ein Jeder verstehen sollte und die dennoch höchst originell und vielschichtig sind. Entwaffnende Naivität und eine für die im Jahre 1979 geborene Künstlerin erstaunliche Weisheit geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Dota ist Träumerin und Realistin. Diese Kunst beherrschen nur die wenigsten deutschen Musiker ihrer Altersklasse, allenfalls Maike Rosa Vogel oder Anika Auweiler von Miaomio. In den Reihen von Größen wie Sven Regener oder Konstantin Wecker ist Frau Kehr aber schon jetzt ohne Frage. Das Schöne an „Wo soll ich suchen“ ist letztendlich, dass es wie die Vorgängeralben den Status einer ewigen Neuentdeckung behält und den Hörerkreis der Musikerin mit Sicherheit erweitern wird. Dota bleibt sich treu, hält was sie verspricht und schafft es, ihre Musik immer wieder neu und frisch zu präsentieren. Es gibt momentan kaum einen Interpreten, der im deutschen Musikmarkt interessanter und ehrlicher ist als Dota Kehr. Groß, ganz groß!

Anspieltipps:

  • Hoch oben
  • Sommer
  • Du musst dich nicht messen
  • Zwei Falter
  • Im Tausch
  • Rauschen
  • Licht

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