Anna Calvi - One Breath - Cover
Große Ansicht

Anna Calvi One Breath


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine halb triumphale, halb düstere Reise, die in der Ruhe viel Energie versprüht.

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt (2011) bewies Anna Calvi ihre Fähigkeiten auf der Gitarre, zeichnete rockige aber düstere Bilder. In der BBC-Umfrage „Sound of 2011“ hatte die Singer/Songwriterin aus England im Vorjahr die Top 5 nur knapp verpasst. Trotzdem wurde sie von Journalisten und Musikgrößen gleichermaßen gefeiert. Brian Eno beschrieb sie als „the biggest thing since Patti Smith.“ Hohe Erwartungen also, die immer noch an die Dame mit der Kurzhaarfrisur und dem leicht herausfordernden Blick gestellt werden.

Anna Calvi klingt ein wenig wie eine gitarrenlastigere Feist mit dunklerer Stimme. Wo Feist aber generell eher auf dünne Instrumentierung setzt, scheut sich Calvi nicht im Refrain des Openers, schon ihrer Stimme ordentlich Volumen zu verpassen und die Gitarrenklänge bis zum befreienden Schlag des Schlagzeugbeckens aufzubauen oder auf Tracks wie „Eliza“ mit pulsierender Percussion von vornherein mehr Gas zu geben. Mit dem rhythmischen Tamburin klingt der Song auch schon sehr triumphal, schnelle E-Gitarren-Einlagen tun ihr übriges.

Doch obwohl „One Breath“, nun Calvis zweites Album, generell etwas leichter und scheinbar fröhlicher daherkommt, versteckt sich doch wieder einiges an Bedrückung unter der Oberfläche. Dies kommt in Songs wie „Piece By Piece“ zum Vorschein, das düster und dumpf klingt, gleichzeitig aber verspielt. Es sind Momente, wo die Bedrücktheit, die in den Texten Calvis zum Ausdruck kommt, sich in den Instrumenten und der Songstruktur widerspiegelt. „Cry“ arbeitet mit weinerlichen Rufen im Hintergrund und sehr zartem Gesang zu eingängigem Beat, bis schiefe E-Gitarren und der Bass ausbrechen. Für einen Bruchteil kann man den Gefühlsausbruch der Engländerin spüren.

„Sing To Me“ vertont mit Violinen das nahende Ende einer langen Reise, „One Breath“ ist mit einem vibrierenden, nervösen Ton unterlegt, der auf ein kurz aufbrausendes, dann ruhiges Finale vorbereitet, das langsam zu der ursprünglichen Nervosität, der dunklen Vorahnung zurückkehrt. „Love Of My Life“ ist eine punkige Nummer mit immer wiederkehrenden, schiefen Gitarrensounds, die an Noise grenzen, nur um mittendrin alles auszuschalten und zu dämmerndem Beat den Song fast zu Ende zu bringen.

„One Breath“ ist mehr als nur ein Atemzug, doch beides ist näher betrachtet gleich turbulent. Anna Calvi wirft mit Ideen und Emotionen um sich, kombiniert Klänge zu ungewöhnlichen, aber sehr interessanten und wohlklingenden Soundcollagen. Calvi wird den an sie gestellten Erwartungen durchaus gerecht.

Anspieltipps:

  • Piece By Piece
  • Cry
  • One Breath
  • The Bridge

Neue Kritiken im Genre „Songwriter-Pop“
Diskutiere über „Anna Calvi“
comments powered by Disqus