Trivium - Vengeance Falls - Cover
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Trivium Vengeance Falls


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Trivium holen sich Unterstützung von Disturbed-Sänger David Draiman und knüpfen nahtlos an ihr kraftvolles Zweitwerk an.

Als frühreifes Multitalent hat man es im Musikgeschäft nicht unbedingt leicht. Vieles will erreicht werden, aber letzten Endes muss sich der kreative Geist dem Überlebenswillen beugen und im nächsten Moment lautet die Devise nur mehr „Dienst nach Vorschrift“, anstatt den Fokus auf höher gesteckten Zielen zu belassen. Doch, und das will uns der beiliegende Waschzettel zu Triviums sechstem Werk schon im Vorhinein klar machen, „jeder Künstler erreicht irgendwann den Punkt absoluter Selbstverwirklichung. Es ist jener Moment, in dem die Vision endgültig in den Fokus rückt und alle Teile perfekt zusammenpassen. Die Identität wird stärker denn je umfasst, während man mutig seinen Weg in die Zukunft geht. Äußere Umstände fügen sich, und alles wächst in einem perfekten Sturm aus Blut, Schweiß und Tränen zusammen.“ Sänger und Gitarrist Matthew Heafy ist mit seiner Truppe, rund um Corey Beaulieu (Gitarre), Paolo Gregoletto (Bass) und Nick Augusto (Schlagzeug), definitiv gewachsen und „Vengeance Falls“ legt nun ein äußerst beeindruckendes Zeugnis darüber ab.

Zugegeben, nicht jede Sekunde auf dem neuesten Longplayer ist sinnvoll genutzt und es gibt auch den einen oder anderen Durchhänger („Through blood and dirt and bone“, „Villainy thrives“), doch wirklich übel nehmen kann man Matt diese kreativen Verschnaufpausen keineswegs, schließlich hat der 27-jährige Songwriter mit japanischen Wurzeln in seinem zarten Alter schon mehr erreicht bzw. ein höheres Maß an Variabilität an den Tag gelegt, als unzählige andere Songschreiber seiner Generation. Die ungezügelte Sturm- und Drangperiode, in der er den Hampelmann mit Möchtegern-Hetfield-Imitationsgebelle gab („The Crusade“) oder gezwungen verschachteltes Thrash-Geprügel verfasste („Shogun“), ist jedenfalls vorbei und seit der aggressiv agierenden Befreiungsaktion „In Waves“ (08/2011) scheint Heafy seinen Platz im Metal-Kosmos gefunden zu haben. Inwiefern der neue Mentor und Produzent David Draiman (Disturbed, Device) daran schuld ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, der gemeinsame Gesangsunterricht hat aber auf keinen Fall geschadet und Matts Stimme gibt sich vielseitiger und voluminöser als je zuvor.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Entwicklung in den beiden grandiosen Nummern „At the end of this war“ und „Wake “, in denen Heafy neben seiner normalen Singstimme, sowie den klassischen Shouts und gepressten, gutturalen Lauten in Dimensionen vorstößt, welche er zuvor noch nicht betreten hat. Bei erstgenanntem Track bedeutet dies eine perfekte Symbiose aus Akustikgitarre und Wehklagen herzustellen, bei der wie von alleine ein wohliger Schauer über den Rücken jagt, während Matt in „Wake “ mit besonderem Nachdruck seine Aufwartung macht und an das andere Ende seines Registers andockt, um den Subwoofer schon in der zwei Minuten langen Einleitung in angenehmes Brummen zu versetzen. Doch nicht nur Mastermind Heafy hat seine Hausaufgaben mit Bravour gemeistert, auch Corey, Paolo und Nick leisten ihren Beitrag dazu, dass „Vengeance Falls“ das in sich stimmigste Trivium-Album seit „Ascendancy“ (03/2005) geworden ist.

Angefangen beim immens starken Auftakt „Brave this storm“, über den hochmelodischen Titeltrack, bis hin zu den kraftvollen Riffs in „Incineration: The broken world“, der Vierer ist wieder auf dem Höhepunkt seines Schaffens angekommen und präsentiert sich stolz als schillerndes Beispiel für durchdachtes Songwriting und elegante Twists, die nicht aufgesetzt, sondern stets songdienlich in einer vor Kreativität brodelnde Heavy Metal-Urmasse gipfeln. Einziger Wermutstropfen ist die mitunter etwas unflexible Protektion von Produzent Draiman, der in einigen Kompositionen einfach das einzigartige Gesang/Rhythmus-Skelett seiner Stammband unterhebt, anstatt Neuland für Trivium zu erschließen („To believe“, „Villainy thrives“). Zum Glück fällt dieses Ärgernis aufgrund der allgemein starken Vorstellung von „Vengeance Falls“ ziemlich gering aus und man hofft nach der 50 Minuten langen, schweißtreibenden und zugleich immens befriedigenden Achterbahnfahrt eigentlich nur, dass David in Zukunft am Vermächtnis von Matt & Co. arbeitet und nicht versucht, sich ein zweites Standbein mit einer Möchtegern-Irrenanstalt aufzubauen. Das Potential dieser Truppe zu verschwenden, wäre nach diesem Gourmethappen jedenfalls unverzeihlich!

Anspieltipps:

  • Vengeance Falls
  • Brave This Storm
  • Wake
  • At The End Of This War
  • Incineration: The Broken World

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