Ina Müller - 48 - Cover
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Ina Müller 48


  • Label: 105 Music/Sony Music
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Jetzt spielt die Wirklichkeit ein Foul und haut der Hoffnung eins aufs Maul“.

„Weiblich. Ledig. 40“ hieß im Jahr 2006 der knackige Titel von Ina Müllers Debütwerk für das Label 105 Music. Nach sechs weiteren, überaus erfolgreichen CD-Veröffentlichungen, kommt Norddeutschlands ultra-sympathische Fachkraft für die Bereiche Saufen, Singen und Sabbeln noch gezielter auf den Punkt: „48“ heißt ihre neueste Bestandsaufnahme zum Thema Frau sein. Es ist das vierte Studioalbum des köhlener Multitalents, an dem wiederum Frank Ramond (49) als Texter sowie erstmals durchgängig Inas Lebensgefährte Johannes Oerding (31) als Komponist mitgearbeitet haben. Entsprechend färbt der Songwriter-Pop des Münsteraners heuer noch stärker auf die Lieder Ina Müllers ab, die im Verbund mit befreundeten Musikern eingespielt wurden und wie eh und je durch einen warmen, handgemachten Sound und witzig-intelligente Texte glänzen.

Schon der Opener „Wenn du nicht da bist“ ist ein Lehrstück für eingängige Popmusik, die sich nicht mit modernem Schnickschnack beim Hörer anbiedert und einen Text in die Waagschale wirft, der die Beziehung zwischen Mann und Frau auf unkonventionelle Art und Weise erzählt. Eingerahmt von Folk-Pop-Klängen geht die einfallsreiche Art Geschichten zu erzählen weiter, wenn Frau den Einkauf im Internet als prickelnden Sex-Ersatz nutzt („Sie schreit nur noch bei Zalando“) oder das Ende einer Liebe in sehnsüchtigen, akustischen Westcoast-Harmonien verpackt wird („Wenn dein Handy nicht klingelt“).

So werden vermeintlich klischeebehaftete Allgemeinschauplätze inhaltlich spritzig und ironisch behandelt („Schuhe“) und dazu eine musikalische Atmosphäre geschaffen, die nichts mit Popmusik von der Stange zu tun hat („Nach Hause“, „Pläne“). Dabei sind die Songs so konzipiert, dass sie sowohl live auf der Bühne sowie als morgendliche Beschallung aus dem Radiowecker funktionieren („Fünf Schwestern“). Die Kunst ist nämlich, dass die Texte und die Musik auch getrennt voneinander wirken. Wer mag, hört ganz genau hin und erfreut sich an den köstlichen Erkenntnissen zum Desaster Mann und wer lieber auf Durchzug schaltet, nimmt dabei immer noch scheinbar simplen Mainstream-Pop mit Niveau mit („Wenn ich wegguck“). Eine Kunst, die wohl jeder Songwriter gerne beherrschen möchte.

Anspieltipps:

  • Pläne
  • Déjà-vu
  • Fünf Schwestern
  • Wenn du nicht da bist
  • Sie schreit nur noch bei Zalando
  • Wenn dein Handy nicht klingelt

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