Motörhead - Aftershock - Cover
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Motörhead Aftershock


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein durchaus gelungenes Album, aber keine Platte, die irgendwann zum Klassiker erkoren wird.

Lemmy Kilmister, der Mann, von dem es heißt, dass nur er und ein paar Küchenschaben sämtliche Katastrophen überstehen könnten, musste im vergangenen Sommer gesundheitsbedingt Konzerte absagen. Das Herz und ein Bluterguss machten Probleme! Dementsprechend groß war die Sorge: Sollte es das mit Motörhead gewesen sein? Die eindeutige Antwort lautet: Nein! Die Party geht weiter - und zwar konkret mit dem 21sten Album der Band, getauft auf den deutlich untertriebenen Namen „Aftershock“, zu deutsch: „Nachbeben“. Denn ein Nachbeben ist diese Scheibe auf gar keinen Fall - das würde ja bedeuten, Motörhead schalten einen Gang zurück und gehen die Sache eher ruhig an. Und wenn Motör-fucking-head eine Sache wohl niemals machen werden, dann ist es, einen Gang zurückschalten. Ist doch klar. Schließlich meinte schon Dieter, der cholerische Biker aus Brösels „Werner“-Filmen: „Das muss drücken im Gesicht, sonst taugt das nix.“

Und als hätten wir es geahnt: Der Opener „Heartbreaker“ wütet doch tatsächlich los wie ein vom Wahnsinn gepackter Stier. „Acousticshock“ wäre vielleicht doch der bessere Albumtitel gewesen, so wie das hier knallt. Auch das darauffolgende „Coup De Grace“ greift diese gewohnte Motörhead-Direktheit auf - ein Beben, das sich erst mit dem anschließenden „Lost Woman Blues“ zeitweise wieder legt, denn auch dort werden nach drei Minuten alle Bremsen über Bord geworfen und der Rock’n’Roll-ICE wieder in Fahrt gebracht. Im Übrigen: Ein verdammt guter Song, dieser Blues, mit seinen klagenden Soli - ein Highlight, nicht nur im Rahmen dieses Albums. Danach geht es eher konventionell weiter, also Motörhead-konventionell: „Do You Believe“ greift diese ganze „Rock’n’Roll ist meine Religion“-Thematik noch einmal auf, „Death Machine“ ist diese gewohnt düstere, etwas weniger rasante Nummer, die es immer mal wieder im Repertoire der Band gibt und „Crying Shame“ entpuppt sich als verführerischer Hüftwackler, wie nur Lemmy und seine Mannen ihn zustande bekommen.

Überhaupt finden sich zahlreiche Motive vergangener Motörhead-Platten auf „Aftershock“ wieder - aber das ist keine Neuigkeit. Wer bei Motörhead so etwas wie Veränderungen sucht, hat das Konzept nicht verstanden. Hier geht es um ganz andere Attribute: um Beständigkeit und Verlässlichkeit. Nicht grundlos kommen die Herren Kilmister, Campbell und Dee immer zur gleichen Jahreszeit auf Tour. Einige Bands arbeiten eine gefühlte Ewigkeit an neuem Material, durchdenken jeden Track hundertmal - Motörhead machen einfach. Jeder Longplayer offenbart nur eine Momentaufnahme, die Songs sind spontan, kurzatmig und sich dadurch manchmal recht ähnlich - womit wir wieder beim Lieblingsargument vieler Kritiker wären. Für die einen ist Motörheads Stärke, was für die anderen Motörheads Schwäche ist. „Aftershock“ bleibt so oder so ein gelungenes Album, keine unangefochtene Perle im Backkatalog der Band, aber eine Platte mit zahlreichen klassischen und ein, zwei außergewöhnlichen Motörhead-Songs. So läuft das nun mal, take it or leave it.

Anspieltipps:

  • Lost Woman Blues
  • Crying Shame
  • Heartbreaker

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