Lady Gaga - Artpop - Cover
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Lady Gaga Artpop


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Just a Pig inside a human Body.

Auch eine Lady Gaga (27) ist nicht allmächtig, wie wir an den überraschend mauen Reaktionen auf die ersten Singleauskopplungen aus Stefani Joanne Angelina Germanottas – so Frau Gagas bürgerlicher Name – drittem regulären Werk namens „Artpop“ erkennen können. Gott sei Dank, muss man vielleicht sogar sagen. Denn sowohl „Applause“ als auch „Do what u want“ blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück und schafften in keinem wichtigen Markt der Welt einen ersten Chart-Platz, was, Kunst hin oder her, immer auch ein Gratmesser ist. Damit bekommt die unheimliche Erfolgsgeschichte der Hitmaschine und geborenen Selbstdarstellerin die ersten Dellen, die im Idealfall Motivation dafür sein könnten, sich nicht auszuruhen, sondern sich neu zu hinterfragen und die Musik über das leidige Image-Thema siegen zu lassen.

Bei Lady Gagas zweitem Album und seinen Singles sah das freilich noch ganz anders aus. Merke: Ein Popstar ohne Singlehits ist schon bald ein Ex-Popstar. Deshalb gilt die Prognose, dass sich die Verkaufszahlen von „Artpop“ im Vergleich zu „The Fame“ (2008, ca. 15 Millionen verkaufte Einheiten) und „Born This Way“ (2011, ca. sechs Millionen verkaufte Einheiten) noch einmal halbieren werden. Aber „was tun?“, sprach Zeus. Mehr als sich nackig machen und dabei immer mehr Haut zu zeigen, geht zum Zweck der Eigenvermarktung eigentlich nicht, wenn wir die makabere Alternative, einen Pornofilm zu drehen, mal außen vor lassen.

Was soll also noch kommen, um den Hype um die New Yorker Sängerin aufrecht zu erhalten? Es kann einzig und allein die Kunst sein, die die Menschen überzeugt. Und so ist bei Lady Gaga aus dem berühmten schweren zweiten Album das – nun aber wirklich – schwere dritte Album geworden, das den Hörer mit Zeilen wie „Do you wanna see me naked?“ begrüßt. Äh, nein danke! Auf der anderen Seite sind die eröffnenden Neo-Disco- bzw. Electro-Tracks „Aura“, „Venus“, „G.U.Y.“ und „Sexxx dreams“ nicht an allgemeingültigen Pop- und Selbstzitaten zu überbieten. Das geht ja gut los. Nicht!

Überhaupt stellen die ersten zwei Drittel des Albums einen kunterbunten Irrgarten dar, der den Hörer überall und nirgends hinführt und mit überambitionierten Titeln mehr schlecht als recht unterhält. Beispiele für das ziellose Umherirren sind Songs wie „MANiCURE“ und „Swine“, die ein wenig den genial-krawalligen Pop à la „Paparazzi“ zu reproduzieren versuchen, während der Pseudo-HipHop-Track „Jewels n‘ drugs“ mit Twista, T.I. und Too $hort gleich drei Rap-Gaststars uneffektiv verschleudert. Das Titellied wird von dezentem Wave-Pop im Stil der 80er Jahre durchzogen, während elektronische Kälte in Kombination mit dem Gesäusel von R&B-Crooner R. Kelly in „Do what u want“ vereint wird. Passend ist in der Tat etwas anderes.

Auch die Dubstep-Anbiederungen nebst Skrillex-Geballer in „Donatella“ sowie das an Madonnas „Holiday“ erinnernde „Fashion!“ sind keine Aushängeschilder für die Pop-Überfliegerin der vergangenen fünf Jahre. Erst mit dem stampfenden „Mary Jane Holland“, der dramatischen, an Meat Loaf und Jim Steinman gemahnenden und von Rick Rubin produzierten Pianoballade „Dope“ sowie dem folgenden „Gypsy“ liefert Lady Gaga die Art von Popmusik ab, die an das Niveau ihrer ersten beiden Longplayer heranreicht. Aber das ist in der Addition allerdings viel zu wenig, um ein relevantes Werk zu schaffen, das es mit der Langzweitwirkung von „The Fame“ und den knalligen Hits von „Born This Way“ aufnehmen kann. Damit erleben wir vielleicht schon die Wachablösung von Lady Gaga als aktuell größten Popstar unserer Zeit. Doch wer soll die Nachfolge antreten? Bitte bewerben Sie sich jetzt. Aber lassen Sie dabei gefälligst Ihre Klamotten an!

Anspieltipps:

  • Dope
  • Gypsy
  • Artpop
  • Applause
  • Mary Jane Holland

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