Boho Dancer - Gemini - Cover
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Boho Dancer Gemini


  • Label: Voices Music & Entertainement
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Magische, melancholische und märchenhaft-verwunschene Indie-Folk-Songs mit bezaubernder Sängerin!

Das dänische Trio Boho Dancer liefert mit dem Album “Gemini” ein beeindruckendes Debüt ab. Nicht zuletzt dank ihrer Frontfrau Ida Wenoe, die als Kind unter Depressionen litt und starke Frauen wie Nina Simone und Patti Smith bewunderte. Deren extreme weibliche Power wünscht sich die Dänin auch heute noch. Dabei muss sie sich gar nicht verstecken, denn ihre Stimme ist etwas ganz Besonderes und verleiht den Songs eine dunkle Magie, die nahezu auf allen Titeln zu spüren ist. Nichtsdestotrotz liefern Simun Mohr (Bass, Gesang) und Asker Bjork mehr als einen Beitrag zum gesamten Gelingen ab. Als Einflüsse nennen die Dänen Legenden wie Leonard Cohen und Nick Drake, aber auch aktuell angesagte Interpreten wie Local Natives und First Aid Kit.

Mit „Bohemian Child“ entführen uns Boho Dancer ein erstes Mal in ihre verwunschene, melancholische Märchenwelt und bezaubern mit sachte inszenierter Instrumentierung und der strahlend schönen Stimme Ida Wenoes. Zwischen den Söderberg-Schwestern von First Aid Kit, Joanna Newsom und Alela Diane kann ihre Stimme eingeordnet werden, was wahrlich nicht die schlechtesten Referenzen sind.

Das Songwriting der Dänen ist äußerst filigran, manchmal zerbrechlich und beinahe immer von wolkenverhangener Stimmung, die dennoch Licht an die Kompositionen lässt. Besonders optimistisch und lebensbejahend geriet „Fictional Reason“, das beinahe die Gesamtstimmung bricht, jedoch als zweiter Album-Song beim ersten Hören als überraschendes Moment daherkommt. Musikalisch sticht wiederholt der Bass hervor. In Breite und Tiefe rumorend, dabei hin und wieder an den großen Danny Thompson erinnernd, der ja mal bei Pentangle in die Saiten griff. Jene britische Folk-Rock-Formation hat zumindest einige wenige Spuren bei Boho Dancer hinterlassen. Deren mehr sind von First Aid Kit, nicht nur der Söderberg Stimmen wegen. Desgleichen ziehen Fairport Convention Wolken vorbei, die von Local Natives Harmonien heimgesucht werden.

Bei allen Vergleichen bleiben Boho Dancer bei jedem neuerlichen Durchlauf eine Entdeckung, denn die Songs sind so fein ineinander verwoben, dass sie wiederholt faszinieren. Wie ein Märchenwald öffnen und verschließen sie sich, geben andere Facetten preis oder leuchten in anderen Farben als zuvor. Die akustischen Gitarren sind einfacher Natur, jedoch feinfühlig gezupft, die elektrischen schwirren sanft oder sorgen für die ein oder andere Betonung. Das Schlagzeug pocht, verzögert oder kreiert dynamische Spannungsmomente. Letztlich tänzeln und schmeicheln männliche Harmoniestimmen und Instrumente um diese bezaubernde weibliche Stimme, die zwar im Zentrum steht, sich jedoch niemals aufdrängt und dennoch charismatische Präsenz zeigt. Eine Kunst, die nicht alle Sänger so selbstverständlich wie Ida Wenoe beherrschen. Ein ganz famoses Debüt!

Anspieltipps:

  • Bohemian Child
  • Slept On A Silver Platter
  • Epicene
  • Gemini
  • Waiting On A Summer (Never To Come)

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