Darkside - Psychic - Cover
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Darkside Psychic


  • Label: Matador/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Downtempo-Überflieger Nicolas Jaar goes psychedelic.

Geduld ist eine Tugend. Nicolas Jaars Projekt Darkside entfaltet seine Großartigkeit nur dem beharrlichen Konsumenten. Da kann man schon mal abschalten, die Stör-, Waber-, und Frickelgeräusche der ersten sechs Minuten von „Psychic“ unter Electro-Kunst-Terz verbuchen und sich den gängigeren Dingen des digitalen Medienzeitalters zuwenden.

Man kann aber auch gespitzt lauschen, und besagte Geduld mitbringen, wenn einer der derzeit wichtigsten Produzenten und Kreateure elektronischer Musik, Downtempo-Überflieger Nicolas Jaar, zusammen mit seinem Live-Band-Gitarristen und New Yorker Free-Jazz-Dude Dave Harrington ein vollständiges Album herausbringt. Denn es ist nicht weniger als großartig gelungen. Geneigten Jaar-Kennern ist die kurze sowie wesentlich schwerere und unzugänglichere erste drei Tracks starke, selbstbetitelte Mini-EP der beiden aus dem Jahr 2011 ein Begriff. Schon mehr Wellen schlug freilich der komplette Album-Remix von Daft Punks Konsenswerk „Random Access Memories“, genannt „Daftside - Random Access Memories Memories“, kurz nachdem die ganze Welt nachts auf blieb just to get lucky.

Trotzdem war nicht zu ahnen, welch fiebriger, herrlicher Abstieg ins Dunkel menschlicher Empfindungsspektren „Psychic“ werden würde. Ein Instrumentalist und ein Beat-Bastler befruchten sich hier gegenseitig. Harringtons spartanisch schönes Gitarren-Picking trifft auf Jaars zersampelte und verfremdete Gesangsschnipsel, unterlegt von einem Teppich aus psychedelischen Rhythmen, Beats und Sphären.

Zeit spielt keine Rolle mehr auf „Psychic“, spätestens bei „Heart“, wonach einem das manische „Paper Trails“ den Rest gibt. Wie schon bei Nicolas Jaars Soloalbum-Debüt „Space Is Only Noise“ befinden wir uns auf einer Reise, einer Reise fern von Konventionen und Usus gewordenen musikalischen Gepflogenheiten. „The Only Shrine I’ve Seen“ und „Freak, Go Home“ bringen dann endgültig der dunklen Seite der Macht das Tanzen bei. Anschließend werden wir genauso langsam entlassen, wie wir eingeführt wurden, in jene dunkle Seite. Der blutjunge Jaar tut der elektronischen Musik mehr als nur gut, er ist eines ihrer wichtigsten Relevanz-Argumente.

Anspieltipps:

  • The Only Shrine I've Seen
  • Paper Trails
  • Freak, Go Home
  • Heart

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