Arcade Fire - Reflektor - Cover
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Arcade Fire Reflektor


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 73 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die kanadische Indie-Band traut sich, aus alten Strukturen auszubrechen, und kehrt auf Album Nummer vier mit neuem Sound zurück.

Zugegeben, die Musik von Arcade Fire ist längst kein Geheimtipp mehr. Spätestens nachdem sie vor zwei Jahren mit dem Grammy bedacht wurden, ist auch der Hörer abseits der Indie-Szene auf die Kanadier aufmerksam geworden. Und dennoch standen Arcade Fire mit ihrem unverwechselbaren Stil für einfallsreiche, aber auch eigenwillige Musik, die so schnell keiner nachmachen würde, außer vielleicht sie selbst. Doch genau das wollte man dieses Mal vermeiden, denn mit dem Erfolg steigt üblicherweise auch der Druck, Neues zu gestalten. Stillstand ist tödlich. Entfremdung aber auch.

Diesem Dilemma schien sich die Band rund um das Ehepaar Butler und Chassagne nicht nur bewusst, sondern auch gewachsen. Statt des Versuchs, sich in allen Songs sowohl weiterzuentwickeln, als auch treu zu bleiben, hat man auf ganz neuer Ebene versucht, es allen recht zu machen. Dafür wandte die Band einfach einen Trick an und unterteilte das Album kurzerhand in zwei Hälften. Die Doppel-CD hätte keine sein müssen, lediglich 13 Songs sind insgesamt enthalten. Und doch ist der Effekt genial. Unterteilt wurde nämlich in eine experimentelle, fast futuristische und eine eher bodenständige, konventionelle Hälfte. Neu und alt, um es, ein paar Ausnahmen ausgenommen, auf den Punkt zu bringen.

Um auf Teil eins gleich mit einer echten Überraschung einzusteigen, setzte die Band auf zwei Dinge, die vorher so nie da waren. Zum einen ist die Single „Reflektor“ (dem Album gleichnamig) mehr als nur gespickt mit Discotunes, die fast an MGMT erinnern. Zum anderen singt David Bowie mit. Letzteres passiert nur einmal, Überraschung Nummer eins aber zieht sich durch das gesamte Album. Die Songs laden, auch wenn das einen Kulturschock für alte Fans darstellen dürfte, zum Tanzen ein.

Auch haben sie die Länge experimenteller Lieder inne, und das übrigens auf beiden Hälften. Trotzdem bekommt man auf „Seite 2“ eher und vor allem öfters das Gefühl, es mit Arcade Fire zu tun zu haben. Die Songs jenseits der ersten Hälfte beanspruchen eine geringere Anzahl von Instrumenten und sind insgesamt ruhiger, ohne dabei die für Arcade Fire typische, unterschwellige Dramatik missen zu lassen. Der vorletzte Song „Afterlife“ könnte hierbei als Prototyp stehen und hat dadurch bei alten Fans sicherlich Potential zum Lieblingshit. Doch auch auf „Seite 1“ können eingefleischte Anhänger fündig werden: „You already know“ vereint die klassischen Arcade Fire-Elemente mit den neuen. Wenn auch stellenweise zu experimentell, wird bei diesem Song vielleicht am besten deutlich, dass die gewagte Kombination fast durchgängig sehr gut funktioniert.

Anspieltipps:

  • Reflektor
  • You already know
  • Porno
  • Afterlife

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