Glamour Of The Kill - Savages - Cover
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Glamour Of The Kill Savages


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Wolf im Schafspelz: besonders traditionelle Metalheads dürften eine mehr als positive Überraschung erleben.

Davey Richmond (Gesang, Bass), Ben Thomson (Schlagzeug), Chris Gomerson und Mike Kingswood (beide Gitarre) sind Glamour Of The Kill und haben mit ihrem Debütwerk „The Summoning“ (2011) einen regelrechten Überraschungshit gelandet, der weltweit von Hörern und Kritikern gelobt wurde und Songs bot, welche die Gehörgänge einfach nicht verlassen wollten. Interessanterweise wollen sich die vier Buben aus York nicht auf ein Genre bzw. eine Szene reduzieren lassen. Die Ästhetik schreit regelrecht nach Core, die Musik von Glamour Of The Kill ist aber sehr viel mehr. Metalcore, Post-Hardcore und spaßiger, außerordentlich partykompatibler Pop-Punk – diese Mischung lässt aufhorchen, ist letzten Endes aber auch keine allzu unlogische Verbindung verschiedener nahe beieinander liegenden Stilrichtungen. So manchen Trumpf hat die Band dann aber zusätzlich im Ärmel.

Besonders traditionsbewusste Metaler hören an dieser Stelle auf zu lesen. Das wäre allerdings schade, denn im Dschungel der Genreverwandten sind Glamour Of The Kill eine Ausnahmeerscheinung. Wenn sie ihre Gitarren aus der eisernen Jungfrau holen, setzen sie ein gewaltiges Ausrufezeichen. Mit Iron Maiden-Riffs rühmt sich ja fast jede Band, auch solche mit mehr oder weniger halbwüchsigen Mitgliedern. Die Engländer wollen ein Einfluss für alle und jeden sein. Sollten Glamour Of The Kill jemals Harris, Dickinson und Co. als Inspiration nennen, dann darf man ihnen gut und gerne Glauben schenken. Ihr erwähnter Stilmix lässt durchaus erkennen, dass die Mitglieder definitiv mehr als ein Lied von Iron Maiden gehört haben. Eine solche Verbindung durfte man bislang selten hören, auch wenn es dem Hörer immer wieder weis gemacht werden will. Deshalb wirkt sie in ihrem Ganzen zwar nicht zu 100% innovativ, aber noch relativ unverbraucht. „Second Chance“, „The Only One“, „Heartbreaker“ und „A Beautiful Day To Die“ sind zackige, melodische Nummern, die von der Nähe zu Maiden definitiv profitieren und tatsächlich das Zeug dazu haben auch Hardliner anzusprechen. Die Yorker kombinieren Tradition mit Moderne im Gegensatz zu so manch einer Band, die es ebenfalls behauptet, wirklich. Wer hier verständlicherweise Emomatten tragende Teenager erwartet, wird eines besseren gelehrt, wenn eine Powerballade wie „Tears Of The Sun“ eher als ein optimistischeres „Fade To Black“ von Metallica als eine Nummer im Stile von Bullet For My Valentine daher kommt. Wenn die Jungs derart groß auftragen, dann machen sie eine ganze Menge richtig.

Von allen Einflüssen ist der des Pop-Punks allerdings am ehesten ausgeprägt. In Songs wie „Live For The Weekend“ sowie „Leave It All Behind“ werden Erinnerungen an Panic! At The Disco und Billy Talent wach. Glamour Of The Kill sorgen für Laune und haben das Zeug dazu ihr Publikum auch auf der nächsten Hausparty zu finden. So poppig wie Sum 41 oder Zebrahead sind die Jungs zwar keinesfalls, dafür haben sie es auch nicht nötig Härte aus Notwendigkeit zu bieten. Atempausen von NWoBHM- oder Speed-Metal-Passagen („Rescue Me“, „Welcome To Hell“) gibt es dann stets durch ruhige, melancholische und leicht bombastische Einsprengsel – Ohoho-Chöre und eine beachtliche (!) Beherrschung der Instrumente inklusive!

Da ist es kaum ein Wunder, dass sich um die jungen Herren ein kleiner, aber feiner Hype aufgebaut hat. Qualität gibt ihnen Recht und nach dem Debüt ist „Savages“ ein erster Schritt in die richtige Richtung und zum prophezeiten Durchbruch – auch wenn es sicherlich noch etwas Luft nach oben gibt. Die erwähnten Zielgruppen dürfen sich weiterhin angesprochen fühlen und sollten der Band unbedingt mal ein Ohr leihen. Aber auch dem gemeinen Langhaarzottel mit Kutte und Bandshirt sei an dieser Stelle „Savages“ ans Herz gelegt. Wer es wagt sich aus seiner Comfort Zone heraus zu bewegen, wird unter Garantie belohnt werden. „Savages“ von Glamour Of The Kill: vielleicht so was wie ein kleiner Geheimtipp, der es wert ist weiter verfolgt zu werden!

Anspieltipps:

  • Second Chance
  • The Only One
  • Heartbreaker
  • A Beautiful Day To Die
  • Tears Of The Sun
  • Welcome To Hell

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