Withem - The Point Of You - Cover
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Withem The Point Of You


  • Label: Sensory Records/ALIVE
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn die große Innovation ausbleibt, macht der Fan von Power-Prog-Metal hier nichts verkehrt.

Das Genre bekommt mal wieder Zuwachs! „Och nöööö!“, werden jetzt einige Leute sagen. „Prog Metal ist doch immer wieder die gleiche Angelegenheit.“ Tatsächlich sollen sie Recht behalten, denn Akzente setzen nur noch die allerwenigsten Bands. Withem aus Norwegen tun dies mit Sicherheit nicht. Aber: Sie sind trotzdem ziemlich gut! Withems Inspirationen lesen sich erst mal ziemlich unspektakulär. Sie finden sich bei Symphony X (obligatorisch), Dream Theater (super obligatorisch), Circus Maximus und Pagan's Mind. Letztere als Einfluss zu nennen, ist dann doch ein wenig ungewöhnlich, sofern man sich nicht selbst als Plagiat des Plagiats stigmatisieren möchte. Zur Erinnerung: Wer hat einst die dreisteste Kopie von Dream Theaters „Learning To Live“ eingespielt? Richtig, Pagan's Mind! Von Circus Maximus leiht man sich schließlich die AOR-Elemente, die sphärigen und süßlichen Keyboards. Vielleicht sind Withem dann noch ein wenig näher an den mittlerweile aufgelösten Schweden Platitude dran - zumindest der Gesang von Ole Aleksander Wagenius erinnert sehr stark an Platitudes Frontmann Erik Ez. Und das ist alles andere als ein Schwachpunkt. Alles in allem kommt es mit den „Fußnoten“, also den genannten Bands, hin. Auf ihrem Debüt „The Point Of You“ musizieren sie für bereits erschlossene Zielgruppen und sollten tatsächlich sehr viel weniger enttäuschen, als es andere aufstrebende Bands des Genres tun. Prog-Fans atmen auf!

Denn ein langweiliger Vertreter des Italo-Prog- oder -Power-Undergrounds sind Withem nicht und auch hinter anderen skandinavischen Bands des gleichen Schlages müssen sich die Herren nicht verstecken. Dafür schreiben sie ihre Musik dann doch zu attraktiv. Spannend, innovativ oder neuartig ist ihr Erstling „The Point Of You“ keinesfalls, aber wer das ernsthaft erwartet, sollte sich so langsam vom Prog verabschieden. Spaß macht das Album ohne Frage und ist für Progger das typische comfort food - der Hörer weiß, was er bekommt und lässt sich gerne und gezielt darauf ein. Bei munterem Power-Prog wie in „Miracle“, „Driven By A Blessing“ sowie den sehr keyboardlastigen, bisweilen in AOR-Gefilde abrutschenden Nummern „Phrenesis“, „Mr. Miruz“ und „Born To Live“ ist das auch kein Wunder. Der Aufbau ist mitunter überaus bombastisch oder hymnenhaft, die Riffs überraschend knackig, die Soli intelligent platziert und auch das Piano darf bisweilen für süßliche Kontraste sorgen und weist den generischen Gebrauch des Plastik-Keyboards in seine Schranken.

Die erwähnten Circus Maximus haben sich ja auch eine treue Fangemeinde erspielen können und beweisen, wie gut so ein „Happy Prog Metal“ funktioniert. Und dafür, dass Withem noch echte Newcomer sind, klingt das Ergebnis erstaunlich reif. Nicht nur Sänger Wagenius macht seine Sache gut, sondern auch seine Kollegen an den Instrumenten. Für eine Band des Genres ist das zwar eine absolute Pflicht, das von den Norwegern gebotene Näschen für eingängige, wirklich schöne Melodien ist im Wald der Technikvirtuosen und Angeber aber keinesfalls selbstverständlich. Wenn selbst die verschachtelten, verspielten „Point Of You“, „Why Me?“ oder „The Paramount Of Lies“ auf Anhieb hängen bleiben, hat jemand etwas absolut richtig gemacht.

Das einzige Problem: Withem bleiben ein reiner Genrevertreter und werden sich wie viele ihrer Kollegen nicht aus diesem Korsett befreien können. Auch sie haben das Problem, dass sie lediglich die Die-Hard-Fans des Genres ansprechen und der gemeine Metaler eher zu den Größen wie Dream Theater, Symphony X, Threshold oder Fates Warning greifen wird, bevor er sich näher mit der Materie befasst. Das ist im Falle der norwegischen Power Progger natürlich ein wenig schade, denn auch wenn sie das Genre nicht neu erfinden, ziehen sie ihr Ding doch sehr stilsicher und auf hohem Niveau durch. Menschen, bei denen sich ein zufriedenes Grinsen breit macht, wenn sie den Namen Platitude hören, die vielleicht auch die Vision Divine der mittleren Phase gerne hören und die Circus Maximus als echte Referenz sehen, müssen sich „The Point Of You“ unbedingt anhören. Aufgewärmtes kann manchmal noch ziemlich gut schmecken - die Norweger beweisen das ohne Wenn und Aber!

Anspieltipps:

  • Point Of You
  • Phrenesis
  • The Paramount Of Lies
  • Why Me?

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Shehili
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