Leaves´ Eyes - Symphonies Of The Night - Cover
Große Ansicht

Leaves´ Eyes Symphonies Of The Night


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Symphonic Metal-Fassung von „Die Schöne und das Biest“, vermengt mit keltischen Motiven.

Liv Kristine ist bereits seit über 20 Jahren im Musikgeschäft tätig und formte mit ihrer Stimme nicht nur den Gothic Metal als Mitglied der legendären Formation Theatre Of Tragedy, sondern versucht nun seit geraumer Zeit mit ihrer eigenen Band Leaves´ Eyes auch den Symphonic Metal für sich zu erobern, selbst wenn der Fokus verstärkt auf Folk-Melodien und weniger auf bombastischen Opernarien á la Nightwish und Konsorten liegt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Alexander Krull als grunzenden Stichwortgeber und der versammelten Mannschaft seiner eigenen Truppe, der experimentellen Death Metal-Kapelle Atrocity (Thorsten Bauer (Gitarre, Bass), Sander van der Meer (Gitarre) und Felix Born am Schlagzeug), gibt es nach dem etwas zaghaften, aber dennoch mit vielen fabelhaften Melodien ausgestatteten „Meredead“ (04/2011) mit „Symphony Of The Night“ einen mehr als ebenbürtigen Nachfolger.

Um die zauberhafte Atmosphäre des Vorgängers zu erreichen, wurde einfach an der altbewährten Formel der gesamten Diskographie von Fräulein Kristine festgehalten und so bekommt der langjährige Fan ein weiteres Mal märchenhafte Melodien und elfengleichen Gesang, die sich wie Zuckerwatte in die Gehörgänge legen. Damit das Trommelfell aber nicht zu schnell mit lieblichen Säuseleien zugeklebt wird, tritt Herr Krull dieses Mal stärker denn je aus dem Schatten seiner Ehefrau hervor und sorgt für einige der atemberaubendsten „Die Schöne und das Biest“-Momente seit dem selbstbetitelten Debütalbum von Theatre Of Tragedy. Darüber hinaus stellt „Symphony Of The Night“ die härteste Scheibe im bisherigen Portfolio von Leaves´ Eyes dar und sorgt somit für die richtige Würze, was bereits die Eröffnungsnummer „Hell to the heavens“ mit Bravour unter Beweis stellt.

In weiterer Folge spielt sich der Fünfer in einen regelrechten Rausch, den der beiliegende Waschzettel treffend als ein „musikalisches Feuerwerk der Extraklasse“ betitelt, bei dem „echtes Orchester, Chor, Uillean Pipes, Irish Whistles, Fiddle oder Dulcimer voll zur Geltung kommen.“ Paradigmatisch hierfür sind das stürmische „Galswintha“, welches mit seinem langen Intro und der keltischen Melodieführung an Suidakra gemahnt, allerdings ohne deren Kompromisslosigkeit zu erben, die ungezügelte Breitseite „Hymn to the lone sands“, wo Liv schlicht und ergreifend die Rolle der hübschen Maid in Gefahr mimt, um von ihrem in tiefster Sorge grummelnden Ritter gerettet zu werden, und der epische Ansatz von „Eleonore de Provence“, das trotz extrem eingängiger Melodie („Eleonore, the fairest of them all / So young and vulnerable“) nicht an Bissigkeit verliert und sicherlich für lange Zeit als Ohrwurm im Langzeitgedächtnis residieren wird.

Als unvergleichlicher Höhepunkt überstrahlt jedoch „Maid of Lorraine“ das komplette Album. Wer bei dem wuchtigen Schlagabtausch zwischen harten Rockgitarren, rhythmusgetriebenen Growls und von Liv Kristines glasklaren Vocals getragenen Passagen nicht ins Schwärmen und Träumen gerät, der hört wohl ansonsten lieber die Insane Clown Posse, während „Plan 9 From Outer Space“ im Fernsehen läuft. Leider halten Leaves´ Eyes dieses Niveau nicht die vollen 53 Minuten aufrecht und „Symphony Of The Night“ besitzt mit dem filmmusikalisch angehauchten „Saint Cecelia“, welches Chor, Orchester und Dudelsack zu einem langweiligen Intermezzo vermengt und an ein verunglücktes Zwischenspiel der Fantasy Metal-Heroen Rhapsody Of Fire erinnert, einen unschönen Durchhänger, doch zumindest sind die restlichen, weniger aufregenden Kompositionen wie die Symphonic Metal-Standards „Fading earth“ oder das schunkelige „Angel and the ghost“ keine völligen Nullnummern, sondern entfachen immerhin auf dem einen oder anderen Level, wie auch das zweite, rein auf Akustik ausgelegte Intermezzo „Nightshade“, einen gewissen Charme.

Irgendwo dazwischen befinden sich dann letztendlich der Titeltrack mit seinem opernhafteren Ansatz, der majestätisch und erhaben in die durch das Cover visualisierte Traumwelt entführen möchte, allerdings die Spritzigkeit der übrigen Tracks vermissen lässt, und der Albumcloser „Ophelia“ mit seiner märchenhaften Erzählweise, wo die Übergänge zwischen harten und zarten Passagen etwas feiner hätten ausgearbeitet werden können. Nichtsdestotrotz zeigen Leaves´ Eyes mit ihrem fünften Werk, das mit etwas mehr Mut zur Bissigkeit die Genrestandards „zorniges Gegrunze“ und „todesmutige Riffeinlagen“ durchaus frisch und unverbraucht angeboten werden können. An einer allgemein runderen Erfahrung muss die deutsch-norwegische Verbindung zwar noch arbeiten, doch der Weg dorthin scheint für die Truppe klarer denn je zuvor.

Anspieltipps:

  • Galswintha
  • Maid Of Lorraine
  • Hell To The Heavens
  • Eleonore de Provence

Neue Kritiken im Genre „Gothic-Rock“
5/10

MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom
  • 2015    
Diskutiere über „Leaves´ Eyes“
comments powered by Disqus