Anacondas - Sub Contra Blues - Cover
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Anacondas Sub Contra Blues


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses erstaunlich reife Debüt ist ein Würgegriff, der ganz besonders weh tut.

Was mit der englischen Metalcore-Kombo Johnny Truant begann, wird letztendlich konsequent und logisch fortgeführt. Die eher unbekannte Band war in ihren Kreisen für ihre relative Progressivität bekannt, löste sich dann aber letztendlich im Jahre 2008 auf. Doch jetzt kriecht aus den Trümmern eine fette Schlange, die von Johnny Truant lediglich die Wurzeln übernimmt und ihren ganz eigenen Beutezug plant. Gitarrist Stuart Hunter, Bassist James Hunter und Schlagzeuger Timothy Newman - alle drei steuern Gesang bei - sind die Anacondas. Nach ihrer Gründung im Jahre 2010 schlagen sie nun mit ihrem Debüt zu. Und zwar ordentlich! Auf ihrem Erstling zeigen sich die englischen Reptilien überraschend reif und scheinen schon längst ihren ganz eigenen Stil gefunden zu haben. Wenn sie zum Würgegriff ansetzen, erwartet den Hörer ein bunter Genre-Mix, der keine Verschnaufpause erlaubt und tatsächlich den Atem raubt.

Sludge, Noise, Grunge, Post Hardcore, Stoner Rock sowie Doom Metal werden zu einem erstaunlich homogenen Ganzem vereint, was angenehme Erinnerungen an einstige Großtaten von Pelican, den Ancestors in ihrer frühen Phase oder auch Kylesa weckt. So bewegen sich die acht Kompositionen auf „Sub Contra Blues“ zwischen Lärm, der sich wie eine Schraube in die Gehirngänge dreht („Cold Blooded, Warm Hearted “, „High Horse“, „The Witches“), und atmosphärischen, beinahe progressiv anmutenden Einwürfen, welche nicht selten absichtlich in hypnotischen Noise münden und das musikalische Wirrwarr mit gewaltigen Wall of Sounds als Nuance schattieren („Moon On Fire“, Titeltrack). Groß angelegter Doom-Bombast ist dann das Salz in der Suppe und als klarer Kontrast zu ruppigen Passagen zu verstehen. „This Night Will Last Forever“, „Simianimal“ und besonders „Down By The River“ werden von den Anacondas unendlich düster, langsam aufbauend und schließlich mit einer gewaltigen Eruption zelebriert. Zähflüssig wie Lava oder doch eher wie eine Schlange, die den hilflosen Körper genüsslich zerquetscht? Beides trifft auf die drei Engländer zu. Wenn sie das Tempo drosseln und sich besonders viel Zeit für ihre Ideen nehmen, gehört das zu den feinsten Momenten auf „Sub Contra Blues“.

Und das macht ihren Erstling zu einer vollends runden Angelegenheit. Die Jungs klingen fast beängstigend professionell und fokussiert. Stellenweise kommt es dem Hörer so vor, als sei das Trio schon seit Jahrzehnten in dieser Form zusammen. Besonders hinsichtlich der vielfältigen Genremischung wirkt „Sub Contra Blues“ dann doch sehr „geordnet“. Viele andere junge Bands hätten hier ihre Orientierung verloren - die Anacondas wissen jedoch ganz klar, wo sie hin wollen. Dass der Hörer das Gefühl hat, dass ihre Einflüsse völlig natürlich und zu keiner Zeit aus Notwendigkeit ihren Platz auf dem Longplayer finden, ist eine der raren Ausnahmen. „Sub Contra Blues“ ist ein Album, mit dem kein Mensch wirklich gerechnet hat und welches deshalb besonders hart zuschlägt. Es tut immer dann weh, wenn es wehtun muss und bietet äußerst sorgfältig geschriebene Songs, die ausufernd sind, allerdings nicht auslaugend. So legen sich die drei Schlangen ein Fundament, auf dem sie zukünftig gut und gerne bauen können.

Anspieltipps:

  • Down By The River
  • Simianimal
  • Sub Contra Blues
  • This Night Will Last Forever

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