Sido - 30-11-80 - Cover
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Sido 30-11-80


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein solides Werk, aber leider auch nicht mehr.

Nach einem gelungenen „MTV Unplugged”-Album (05/2010), der Soundtrack-CD zum charmanten „Blutzbrüdaz“-Film (12/2011) und dem Best-Of-Sampler „# Beste“ (12/2012), wird es endlich mal wieder Zeit für ein „richtiges“ Album von Rapper Sido (33), der inzwischen gutbürgerlich verheiratet und in einem Alter ist, in dem er überlegen muss, ob er wie früher als provokanter Rüpel-Rapper weitermachen will oder so etwas wie erwachsenes Verhalten und Denken in seine Songs einbringen soll. Und siehe da: Schon der signifikante Albumtitel „30-11-80“ macht deutlich, dass sich Paul Würdig alias Sido offenbar Gedanken gemacht hat.

Rein musikalisch hat der Ost-Berliner ja bereits vor Jahren eine poppigere Auslegung in Sachen HipHop eingeschlagen. Sidos Talent für Hooks und Melodien ließ diesen Move problemlos zu. Nun sollen auch die Lyrics seiner Songs auf die nächste Stufe gelangen und mit selbstreflektierenden Inhalten glänzen. Zuzutrauen ist es ihm, denn in Ansätzen waren solche Texte schon auf seinen vorherigen Alben zu hören. Zwar wirken diese hier und da etwas ungelenk („Einer muss es machen“), doch in Songs wie „Es war einmal“ oder auch „Papa, was machst du da“ gelingt Sido ein sehr eindrucksvolles Storytelling.

Doch nicht nur Sidos Texte lassen aufhorchen. Auch die Gästeliste ist ungewöhnlich! So fällt das unfassbare Rap-All-Star-Treffen im Titeltrack als erstes ins Auge (u.a. dabei: Eko Fresh, Olli Banjo, Smudo, B-Tight, Afrob, Moses Pelham, Dr. Renz, Nazar, Frauenarzt, Laas Unltd, MoTrip, Bushido und Manny Marc). Aber auch das Deutsch-Rap-typische Feature in „Maskerade“ mit Genetikk und Marsimoto sowie die Duette mit Soul/R&B/Pop-Sänger Mark Forster („Irgendwo wartet jemand“, „Einer dieser Steine“) sind erwähnenswert, wenn auch keine musikalischen Geniestreiche.

Ganz besonders fallen die Kollaborationen mit Helge Schneider („Arbeit“) und Marius Müller-Westernhagen („Grenzenlos“) aus dem Rahmen, wobei ein Track wie „Arbeit“ leider nicht zu Helge Schneiders Sternstunden zählt und der Gesangsbeitrag von Herrn Westernhagen so befremdlich ausfällt, wie der Auftritt eines Heavy-Metal-Gitarristen auf einem Klassik-Album. Authentischer ist da schon der orientalische Klangteppich in „Enrico“, der mit HipHop-Beats gekreuzt wird oder die amtliche Ansage in „Hier bin ich wieder“.

„30-11-80“ hat starke Momente, aber auch Leerlauf und kleinere Ausfälle zu bieten. So enttäuschen vor allem die Kollabos mit Helge Schneider und Westernhagen, während in Tracks wie „Es war einmal“ lyrischer Deep Shit begeistert und die Staransammlung im Rausschmeißer für Freudentränen in den Augen sorgt. Das reicht für ein solides Werk, aber leider nicht für mehr.

Anspieltipps:

  • Enrico
  • 30-11-80
  • So wie du
  • Irgendwo wartet jemand
  • Papa, was machst du da

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