Terry Lee Hale - The Long Draw - Cover
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Terry Lee Hale The Long Draw


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Gegerbte Sanftmut und Sehnsuchtsseufzer: Terry Lee Hales Meisterstück!

Simple, umso eindringlichere Akkorde auf der Akustikgitarre, fangen einen vom ersten Augenblick an ein. Danach bereitet Terry Lee Hales Stimme eine sachte Gänsehaut, an den Armen beginnend und als sanfter Strom den ganzen Körper erfassend. Eine Orgel (Glenn Slater von The Walkabouts) zieht eine warme Bahn, sie fließt wie Blut durch die Adern, zieht an den Nervenenden wie es weiland auf Bobby Blue Blands „I’ll Take Care Of You“ geschah. „Long Draw“ ist mehr als ein Auftakt nach Maß, der Beginn eines Albums, das so viel zu sagen hat, zu tiefst berührt, ohne dabei allzu sentimentale Stimmungen zu erzeugen. Der viel bemühte Begriff der Authentizität trifft hier wie der Pfeil Amors mitten ins Herz.

Das Besen gestrichene Schlagzeug (Frantxoa Errecarret) fegt den Staub von der Lunge, die mit tiefen Sehnsuchtsseufzern der Mundharmonika (Terry Lee Hale) antwortet und dabei Bob Dylan in nichts nachsteht. Kontrabass bzw. Bass brummen wie ein gutmütiger Bär, bereiten ein schwermütiges Gefühl oder pendeln in Gleichmut im Torso des Zuhörers. Das Ineinandergreifen der Instrumente dient als Erzählebene für Terry Lee Hales Stimme, die das Raue mit der Sanftmut, das Gelassene mit der Melancholie kombiniert und so charismatisch wie naturgegeben erklingt. Eigenschaften, die in dieser Form nur bei Townes Van Zandt zu hören sind.

Diese Songs wehen wie ein sanfter Windhauch durch das Nackenhaar, das sich allmählich aufrichtet und wie kleine Antennen Terry Lee Hales geheimnisvolle Stimmungen empfangen. Stimmungen der Hoffnung, der Einsamkeit in Hotelzimmern („Three Days“), der Suche nach einem anderen oder gar besseren Leben („Gold Mine“) und jenem einschneidenden „Black Forest Phone Call“, das über den Suizid eines Freundes erzählt. Hale findet hierfür seine eigene Sprache, die durch die gegerbte Sanftmut seiner Stimme geradezu Poesie wird. Zeilen wie „Keys unlock the door / Memories here, more“ oder „Loving it as much as I do / Won’t pay the bills and that’s the truth“ formen diese Songs mit, erschaffen eine organische Bedeutungsebene, die im Schnarren einer Saite, einem Akkordanschlag, einem sachten Zupfen oder im wehmütigen Schnauben der Blues Harp widerhallen.

Terry Lee Hale ist mit „The Long Draw“ ein wundervolles und atemberaubendes Meisterstück geglückt, das mit den besten Singer / Songwritern konkurrieren kann und sich selbst vor der Kunst eines Townes Van Zandt oder Bob Dylan nicht verstecken muss. Bob Coke hat als Produzent für das weiträumige Klangbild gesorgt und wiederholt rollt Glenn Slater einen fluoreszierenden Orgelteppich aus. Wer ein Faible für Singer / Songwriter hat und den in Seattle geborenen Hale bisher nicht kannte, für den ist dieses Album ein Pflichtkauf. Zudem sollte die Karriere überblickende Kompilation „Tender Loving Hell: The Best Of Terry Lee Hale“ die Neugier auf seine früheren Werke wecken.

Anspieltipps:

  • Long Draw
  • Black Forest Phone Call
  • The Sad Ballad Of Muley Graves
  • Gold Mine

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