Machinedrum - Vapor City - Cover
Große Ansicht

Machinedrum Vapor City


  • Label: Ninja Tune/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Britische Genres in amerikanischen Händen können sehr traditionell klingen.

Travis Stewart ist ein Mann vieler Gesichter. In den Jahren 2001 bis 2010, nach sechs Alben, war er für einen Stil bekannt, der Glitch und Breakbeat mit mal mehr, mal weniger offensichtlichen HipHop-Einflüssen kombinierte. Der passende Titel seines zweiten Releases in 2010, „Many Faces“, wies den Weg einer umfassenden Umorientierung. Der Mann, der sich Machinedrum (manchmal Machine Drum) nannte, arbeitete für sein siebtes Release erstmals mit House-Tunes und Two-Step-Rhythmen. Den jüngsten Einschnitt, von Stewarts Nebenprojekten mal abgesehen, stellt wohl „Room(s)“ dar. Das 2011er Soloalbum zeigte eine intensivierte Auseinandersetzung mit Dub sowie britischem Dubstep und war ein klarer Fingerzeig Richtung Produzenten wie Scuba oder Burial.

Das wird der Weg sein, den Machinedrum nach mehr als 10 Jahren Musikkarriere gehen will, denn „Vapor City“ knüpft deutlich an seinen Vorgänger an. Schon der Anfang von „Gunshotta“, des Albums erster Track, erinnert mit dem ersten Vocal-Sample und Ambient-Effekten so sehr an Burial, dass sich Stewart wohl von einigen der billigen Kopie bezichtigen lassen muss. Vor allem nach Einsatz eingespielten Vinyl-Knisterns, das auf „Vizion“ und „Rise N Fall“ unüberhörbar ist. Doch spätestens wenn auf „Gunshotta“ der schnelle Drum & Bass Beat und die zweite Vocalspur anspringen, wird klar, dass hier ein etwas anderer Stil gefahren wird. Waren Burials Schöpfungen noch Hymnen des nächtlichen Nachhausewegs, kann man sich bei Tracks wie eben „Gunshotta“ oder „Don't 1 2 Lose U“ eher vorstellen, dass sie auch im Club gespielt werden können.

Drum & Bass ist somit als starker Einfluss ebenso vorhanden wie der bereits aufgezeigte Wink Richtung der Dubstep- und Future-Garage-Genres, wo er mit seinem Nebenprojekt Sepalcure schon ausgiebig Erfahrung sammeln konnte. Die Kombination ist offen gesagt nicht wirklich originell, entwickelt aber wie so oft eine Anziehungskraft, derer man sich nach mehrfachem Hören kaum noch entziehen kann. So sehr „Vapor City“ von den Vorteilen seiner Genre-Anleihen profitiert, so sehr leidet es jedoch auch unter seinen Nachteilen. Somit ist Stewarts neuntes Album auf das mehrfache Hören auch angewiesen. Auf den ersten Blick wird sich für die meisten nicht viel mehr entfalten als die klassischen Rhythmen des Genres und ewiger Wiederholung der selbigen. Das einzige, das in Erinnerung bleiben wird, ist dann schließlich der eher nervige Track „Eyesdontlie“, das die repetitiven Vocals auf die Spitze treibt und das auch nicht durch gelungenen Beat wieder wettmachen kann.

„Vapor City“ ist ein schwieriges Konstrukt. Auf der glänzenden Seite der Medaille stehen da die energiereichen Rhythmen, die durch die Genre-typischen Ambient-Effekte ausgeglichen werden und in die Entspannung treiben. Dazu eine solide und eigentlich gut klingende Mischung der Genres des UK Bass. Dem stehen auf der anderen, trüben Seite der Medaille die mangelnde Originalität dieser Mischung gegenüber und die erschöpfende Nutzung mancher Effekte und Vocal-Filter. Am Ende obsiegt sicherlich nur knapp Stewarts langjährige Expertise, die eben doch ein gut klingendes Album hervorgebracht hat.

Anspieltipps:

  • Gunshotta
  • Don't 1 2 Lose U
  • Baby Its U

Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Machinedrum“
comments powered by Disqus