Betontod - Viva Punk: Mit Vollgas Durch Die Hölle - Cover
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Betontod Viva Punk: Mit Vollgas Durch Die Hölle


  • Label: Better Than Hell/EDEL
  • Laufzeit: 85 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

HömmaSammaWommaNomma Betontod live sehen?

Die Punk-Landschaft in Deutschland ist zwar bei weitem nicht abgegrast, doch bessere Tage hat das Genre weltweit schon gesehen. Die Toten Hosen und auch Die Ärzte bekommen noch aus Gewohnheit den Punk-Status zugesprochen, auch wenn ihre Musik sich inzwischen weit davon entfernt hat. Dass Punk letztlich eine Lebenseinstellung ist, kann als Argument bei diesen Superstars auch nur noch bedingt gelten. Letztendlich scheint allein eine deutlich ausgesprochene Abneigung gegen Nationalsozialisten zu vereinen, was allerdings selten große Teile eines Albums aus und Vergleiche somit schwer macht.

Auf ihrem Live-Doppel-Album „Viva Punk“ haben die Männer von Betontod zwar Zeit, neben schön auswendig gelernten Ansagen zu Liedern, auch mit einer Gitarre zu reden und besagten Rechtsextremisten (und Extremisten überhaupt) zum Freitod zu raten, doch am Ende stehen auf diesen Scheiben Musik, Leidenschaft und gute Laune im Vordergrund. Bei allen Schlachtrufen und vielen pathetischen Nummern bleiben Betontod nämlich immer noch eine Band, die melodieverliebt ist und sich auch Trinkliedern nicht entbehrt. Mit Sicherheit werden „Glück Auf“ und „HömmaSammaWommaNomma“ nicht den Status der zehn kleinen Jägermeister erreichen, doch qualitativ brauchen sich diese Tracks nicht zu verstecken.

Mit viel Oohs und Aahs, die die Fans mitgrölen dürfen, Gesangseinlagen, die zwischen Männern und Frauen abwechseln und der Aufforderung, Titel zu erraten, zeigen sich Betontod als Band, die viel mit ihren Fans zu kommunizieren versucht. Der Sound ist dabei ungewohnt altmodisch abgemischt und erinnert unter anderem an das 1999er Live-Triple-Album der Ärzte „Wir Wollen Nur Deine Seele“. Dieser Klang tut den geerdeten Ruhrpottlern, die den Auftritt in Hamburg aufgenommen haben, allerdings hörbar gut. Band und Fans klingen nah aneinander und dass das Publikum die Lieder so gut aufzunehmen scheint, schwappt auch schnell auf Hörer der Platten über.

Auch wenn viele der Texte ein Lebensgefühl ausdrücken, dem sich nicht jeder anschließen können und wollen wird und der Humor der Ärzte und auch das Gespür für Hymnen wie das der Hosen nie ganz erreicht wird, beweisen sich Betontod von einem Track zum nächsten. Die Melodien passen und gehen selbst bei Animositäten gegenüber den Texten gut ins Ohr und erfüllen ihre Arbeit als knackige, aber auch stets melodische Rocksongs. Gäbe es mehr Punkbands wie Betontod, dann hätte Deutschland eine ordentliche Basis an Punk. Nur der Ska wird bestimmt einigen fehlen. Aber wer ist schon perfekt?

Anspieltipps:

  • HömmaSammaWommaNomma
  • Kinder Des Zorns
  • Dagegenstehen

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