Leslie West - Still Climbing - Cover
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Leslie West Still Climbing


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Statusverwaltung geht anders, das hier ist eine Erweiterung des Lebenswerkes.

„You gotta kick off with a killer, to grab attention”, lautet die erste Regel beim Zusammenstellen eines Mixtapes. So jedenfalls erklärt es Rob Gordon in der Verfilmung von Nick Hornbys Romanerfolg „High Fidelity“. Am Anfang müssen alle hinhören, logisch. Dieses Prinzip verfolgt auch Leslie West, der Sänger von Mountain, auf seinem 16. Soloalbum „Still Climbing“: Bereits nach wenigen Sekunden brennt die Luft. „Dyin‘ Since The Day I Was Born“ klingt so laut und heavy, dass die Ohren wackeln und das Hardrock-Herz höher schlägt. Der Start ist also schon mal geglückt, kommen wir zur zweiten Regel: „Then you got to take it up a notch.“ Und als hätte Woodstock-Legende West den Film wirklich gesehen, ertönt auch schon ein sagenhafter Blues, bei dem sich seine Slidegitarre mit der von Johnny Winter ein Stelldichein gibt. Dass anschließend mit dem packenden „Fade Into You“ auch die dritte Regel („But you don't wanna blow your wad, so then you got to cool it off a notch”) umgesetzt wird, gerät angesichts der Spannbreite dieses Songs fast in den Hintergrund. Statusverwaltung geht anders, das hier ist eine Erweiterung des Lebenswerkes.

Schon mit seinem 2011er Studioalbum „Unusual Suspects“, bei dem unter anderem Slash und Billy Gibbons (ZZ Top) mitwirkten, konnte Leslie West deutlich machen, dass mit ihm zu rechnen ist – und das trotz der Amputation seines rechten Beines in Folge einer Diabeteserkrankung. In diesen Momenten hätte niemand dem 68-Jährigen einen Rückzug aus dem Musikbusiness krumm genommen, nur West sich selbst, wie es scheint. Denn wer kurz darauf wieder auf der Bühne steht und zwei Jahre später eine Platte wie „Still Climbing“ aufnimmt, der hat immer noch richtig Bock auf Bluesrock. So liebevoll, gekonnt und vor allem euphorisch wie diese 11 Songs eingespielt wurden, wundert einen bei Leslie West mittlerweile nix mehr. Da kommt dieser Mann mit einem Cover von Percy Sledges Ballade „When A Man Loves A Woman“ um die Ecke und schafft es doch tatsächlich, gut aus dieser Nummer herauszukommen. Im Duett mit Jonny Lang und unter Einbeziehung von Wests Gitarrenkünsten lässt sich selbst einem kaputtgedudelten Kuschelsong wie diesem noch etwas abgewinnen, auch wenn der Rest von „Still Climbing“ zum Glück wesentlich mehr Coolness besitzt.

Vor allem das heftig aufstampfende „Hatfield Or McCoy“ und das Anthony Newley-Cover „Feeling Good“, in dem neben West auch Dee Snider von Twisted Sister zum Mikrofon greift, manifestieren den guten Eindruck vom Beginn des Albums. Nur einmal wird „Still Climbing“ belanglos: Ganz am Ende, wenn ein E-Gitarren-Instrumental von „Somewhere Over The Rainbow“ ertönt. Abgesehen davon ist Leslie West aber eine fabelhafte Platte gelungen, eine Fundgrube für Gitarren-Fans und ein Beleg dafür, dass eine Stimme nach einer gefühlten Ewigkeit im Geschäft besser denn je klingen kann. Wie gesagt: Bei diesem Typen wundert einen nix mehr. Auch nicht die Rakete auf dem Cover.

Anspieltipps:

  • Hatfield Or McCoy
  • Fade Into You
  • Busted, Disgusted Or Dead
  • Dyin' Since The Day I Was Born
  • Feeling Good

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