Harpyie - Willkommen Im Licht - Cover
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Harpyie Willkommen Im Licht


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Produktion trübt ein wenig die Freude am eigentlich ordentlichen Mittelalter Rock.

Ein kleiner Achtungserfolg war Harpyies Debüt „Blindflug“! Die sechsköpfige Band aus Ostwestfalen machte auf sich aufmerksam und konnte besonders im Live-Gewand absolut überzeugen. Prestigeträchtige Auftritte auf dem Wave Gothic Treffen oder dem Wacken Open Air sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Klar, ein Nachfolger muss her. Und so gut es Harpyie auch meinen, so sehr verzettelt sich die Band teilweise. Das größte Manko ihres zweiten Longplayers „Willkommen im Licht“ ist die Produktion. Die Drums und auch die Dudelsäcke sind stellenweise viel zu laut abgemischt, sodass vor allem der Gesang vom Sänger Aello die Windboe sowie gesprochene Parts unangenehm im Hintergrund bleiben und kaum gegen die Dominanz ankommen können. Dadurch verkommt die Stimme des Frontmannes nur zu einem weiteren Instrument, steht zusammen mit den rein auf Deutsch gesungenen Texten zu keiner Zeit im Mittelpunkt und kommt einzig dann zur Geltung, wenn sich der Hörer von Anfang an vornimmt, nur auf diese zu achten.

Selbst wenn es mal ruhiger wird, rutscht der Gesang mit und bleibt irgendwie nur reine Makulatur. In einem Genre, dessen Zielgruppe sich nicht selten aus trink- und mitsingwütigen Anhängern zusammensetzt, ist das eigentlich ein absolutes Tabu und sorgt für einen gewaltigen Abzug in der B-Note. In musikalischer Hinsicht gibt es dagegen kaum etwas zu beanstanden. Harpyie machen einen ordentlichen Mittelalter Rock, welcher nicht selten die Nähe zum Metal sucht und mit harten Riffs, der Doublebass und sogar sparsam eingesetztem Screaming für knackige Momente sorgt. Dadurch werden die Ostwestfalen mit ihrem zweiten Studioalbum hauptsächlich die Fans des Genres ansprechen - und wahrscheinlich auch nur diese.

Denn ein wirkliches Ausrufezeichen setzt „Willkommen im Licht“ nur ganz selten. Das atmosphärisch-harte „Antarktika“ (samt separatem Outro), die dezent und überaus spannend geschriebenen Kompositionen „Mädchen im Wasser“ und „Blutsbrüder“ sowie die flotten Hymnen „Jericho“ oder „Sturmvögel“ (eine wahrscheinlich astreine Live-Nummer) stehen im direkten Kontrast zu eher unspektakulären Songs wie „Samson und Delilah“, „Wir sterben nie“, „Diese eine Nacht“ oder besonders „Der letzte Held“, welches durch den am Schluss einsetzenden gesprochenen Part ein wenig aufgesetzt wirkt. Das beinahe eine Stunde lange Album sät seine Höhepunkte leider recht rar, was ein wenig auslaugend und abwechslungsarm wirkt. „Ausgebrannt“ ist dann eine tolle Metal-Nummer mit ordentlich Schmackes, welche durch die bereits angesprochene Produktion leider viel an Wirkung verliert. Besonders hier kommt der Frontmann nicht gegen den Lärm an. Live wäre das alles kein Problem, doch eine Veröffentlichung, die klar auf Musikalität und Melodie setzt, muss anders klingen. Textlich ziehen die Jungs und das Mädel schließlich das gewohnte Programm durch.

Augenzwinkernde Lyrics, deren Derbheit zum Teil geschickt chiffriert wird, erzählen passende Geschichten, können sich durchaus mit denen von Bands wie In Extremo messen und übertreffen die banal anmutende Mittelalter-Romantik einer Combo wie beispielsweise Schandmaul sogar um Längen! Freunde der mittelalterlichen Musik kommen in jener Hinsicht auf ihre Kosten! Schade nur, dass man stets mitlesen muss, um den Gesang auch zu verstehen. Das Booklet ist zwar wirklich großartig geraten, strotzt nur so vor schönen Artworks, in welche die einzelnen Bandmitglieder eingearbeitet wurden, doch kann die Probleme, unter denen „Willkommen im Licht“ leidet, nicht wirklich wett machen. Eigentlich schade - musikalisch sind die sechs Musiker nämlich ganz weit vorne und machen ihre Sache ohne Frage professionell. Im direkten Vergleich zum guten Debüt „Blindflug“ bleibt „Willkommen im Licht“ dann aber doch ein wenig auf der Strecke und ist letztendlich ein gerade mal solides Album geworden. Fans der Band sollte das verdammt nochmal nicht stören. Auch wenn die Genre-Konkurrenz ziemlich groß ist.

Anspieltipps:

  • Mädchen im Wasser
  • Antarktika
  • Jericho
  • Sturmvögel

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