Seremonia - Ihminen - Cover
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Seremonia Ihminen


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Psychedelischer Retro-Doom in finnischer Sprache: nicht nur aufgrund des weiblichen Gesangs Special Interest!

Dass alleine Seremonias Debüt damals seinen Weg in unsere Breiten fand, ist eine kleine Sensation. Natürlich werden Finnlands musikalische Beiträge weltweit von der Metal-Szene mit offenen Armen angenommen - rein in Landessprache eingesungene Musik ist allerdings nach wie vor die Ausnahme. Mal abgesehen von Teräsbetoni oder dem musikalischen Humppa-Altenheim Eläkeläiset sieht es eher düster aus, wenn es um Musik mit finnischer Sprache geht. Ob Seremonia da etwas ändern können und die neuen Stars aus Suomi werden, bleibt zumindest zu bezweifeln. Ihre mit weiblichem Gesang ausgestatteten Oldschool-Hardrock und Doom Metal sind schon von vornherein masseninkompatibel. Dennoch sollte die Band ihre kleine aber feine Anhängerschaft erneut finden, denn was sie machen, ist zweifelsohne mehr als solide. Diese Gruppe macht ihr eigenes Ding, bietet nicht mal im Ansatz Kompromisse und denkt nicht daran, von ihrem Kurs abzuweichen.

Das Cover-Artwork ihres zweiten Longplayers schreit geradezu nach nordischem Schwarzmetall. Nach den ersten gehörten Tönen jedoch verwandelt es sich in die abgründige, provokante Ästhetik einer Band wie Black Sabbath. Der Name ist Programm! „Ihminen“ (finnisch für „Mensch“) reitet die Retrowelle und pflügt das Oldschool-Hardrock-, Doom- und Psychdelic-Beet heiter um. Dabei herrschen hauptsächlich zwei Kontraste. Auf der einen Seite bietet Seremonia schmissigen, unbekümmerten Hardrock, der stets mit einer ordentlichen Portion Dunkelheit ausgestattet ist. „Noitamestari“, „Suuri Valkeus“, „Vastaus Rukouksiisi“ und „Ovi“ machen es richtig - aber nicht anders, als es die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Vertreter des Neo-Retros auch machen würden. Richtig interessant, spannender und weitaus überzeugender wird es dann schon, wenn „Ihminen“ einen deutlich langsameren Weg geht und sich deutlich in die Doom Metal-Ecke bewegt. „Itsemurhaaja I“ oder „Hallava Hevonen“ haben mehr Sabbath gepachtet als so manch andere Retro-Band. Das funktioniert besonders mit der finnischen Sprache überraschend gut. Dank der immer wieder einsetzenden Tin Whistle gibt es wiederholt zaghaft eingesetzte Erinnerungen an Jethro Tulls Ian Anderson oder Buddy Lackeys bzw. Devon Graves Dead Soul Tribe, welche so manche Komposition gehörig aufwerten und ihr einen letzten Schliff verleihen. „Painajaisten Maa“ und „Luonto Kostaa“ tanken hier psychedelischen Folk und brennen sich mit ihrer hypnotischen Ausrichtung in die Gehörgänge.

Auch durch die Sängerin Noora Federley erscheinen Seremonia relativ losgelöst vom Gros der Szene. Die Frontfrau ist alles andere als eine professionelle Sängerin. Sie erinnert streckenweise an die Vokalistin einer Punkband. Mal ist sie trotzig oder frech, dann mimt sie die monoton säuselnde Doom-Priesterin und lässt ihre Arbeit hinter dem Mikro nicht nur ein Mal in eine Spoken-Word-Performance abgleiten. Passend zur Musik ist sie, es jedem recht machen wird sie aber nicht, sondern wird entweder wie eine passende Erweiterung zum Sound oder wie ein absoluter Platzhirsch empfunden, welcher nur stört. Das bleibt letztendlich jedem Hörer selbst überlassen. Seremonias „Ihminen“ ist im Sektor des Retro-Rocks eh Special Interest und wird zumindest außerhalb Finnlands abermals ein äußerst kleines, ausgewähltes Publikum finden. Wer sich mit Gruppen wie The Black Explosion oder Kadavar anfreunden kann, sollte ohne schlechtem Gewissen Probe hören. Das gleiche gilt für Früh-Sabbath-Fanatiker und Doomster. Allen anderen wird „Ihminen“ aber wahrscheinlich schon durch die Sprachbarriere zu abgefahren sein.

Anspieltipps:

  • Itsemurhaaja I
  • Painajaisten Maa
  • Luonto Kostaa
  • Hallava Hevonen

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