Medeia - Iconoclastic - Cover
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Medeia Iconoclastic


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen beinharter Zerstörungswut entdecken die Finnen Melancholie und überschäumende Opulenz.

Mit bislang drei Longplayern im Schlepptau wird es so langsam aber sicher ein wenig hakelig für Medeia aus Finnland. Eigentlich ist ja das dritte Album der große „Make it or break it“-Moment. Medeia haben aber die Ruhe weg und legen munter nach. Sie lassen sich alle Zeit der Welt, ihren Fankreis zu erweitern, und setzen sich scheinbar kaum unter Druck. Wieso auch nicht? Zwar konnten sie bislang nicht an ihr gutes Debüt anknüpfen, im kollektiven Gedächtnis der Genre-Freunde sind sie dennoch geblieben. Ob ihre vierte Langrille „Iconoclastic“ den lang ersehnten Durchbruch schaffen wird, steht jedoch weiterhin in den Sternen. Zu wünschen wäre es ihnen, denn Medeia haben hörbar Spaß an der Sache. Und Extreme Metal, der sowohl traditionelle Wiesen abgrast, als auch den höchst beliebten Core bietet, kommt ja eigentlich ganz gut an.

Gewohnt zünftig geben sich Medeia und konfrontieren den Hörer mit messerscharfen Growls, beinhartem Riffing und einer alles überrollenden Doublebass. Zwischendurch beweisen die Jungs und das Mädel ihre technischen Fähigkeiten an den Instrumenten und nähern sich in Songs wie „A Waste Of Skin“ und „Misery Prevails“ passagenweise sogar dem Mathrock an. Das gewohnt kurzweilige Extreme-Metal-Erlebnis leidet darunter allerdings nicht. Spannender denn je sind Medeia, wenn sie sich von ihrer melodischen Seite zeigen. „Sleep“, „Loyalty“ oder das bitterböse „The Dominant Species“ zum Beispiel verbinden ruppigen Metal mit überaus dezent eingesetztem Frauengesang von Laura Dziadulewicz und einem schwelgerischen Keyboard, welches mit der Melancholie einer Band wie Eternal Tears Of Sorrow arbeitet.

Die entstehende Opulenz tut dem Krach ganz gut, reißt nicht unnötig heraus und ist eine sinnvolle Erweiterung, die bisher kaum einen solchen Freiraum im Sound der Band bekommen hat. Das Schlusslicht „Redefining Hell“ experimentiert sogar leicht mit einem Score von alten Sandalenfilmen, wie man es in dieser Form vor allem von Dimmu Borgir kennt. Komplett gegensätzlich sind dagegen Core-Knüppeleien, welche in dem donnernden „Prophecy“ und dem Titeltrack zu finden sind. Hier gehen Medeia straight forward und garantieren beinahe schon prall gefüllte Moshpits im Falle von einer Live-Performance der genannten Songs.

Viele Fans werden nichts anderes erwarten und ordentlich bedient. Eine reinrassige Metalcore-Kombo sind Medeia dagegen definitiv nicht mehr. Ansonsten also nichts Neues im Hause Medeia? Fast! Mit der einen oder anderen melodischen Spielerei erweitern sie ihren Sound, ohne sich zu sehr von ihren eigenen Wurzeln zu entfernen. Gerade dadurch werden sie zur idealen Vorband der Children Of Bodom, welche sie auf Tour begleiten dürfen. Das sollte für einen gewaltigen Push sorgen, den die Band gut gebrauchen kann. Denn Freunde von Extreme Metal sollten mit „Iconoclastic“ durchaus glücklich werden. Auch wenn nicht jeder aus ihrem Zielpublikum die pompösen Soundspielereien dankend annehmen wird, bleiben sich die Finnen über kurz und lang treu - wenngleich sie nicht an ihren einstigen Brecher „Cult“ (2008) anknüpfen können. Beinhart und kompromisslos sind sie allerdings auch weiterhin ohne Frage!

Anspieltipps:

  • Sleep
  • The Dominant Species
  • Loyalty Kills
  • Redefining Hell

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