Saga - Spin It Again - Cover
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Saga Spin It Again


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 112 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese Herren werden einfach nicht müde – die Fans sind begeistert!

Im Jahre 1977 gegründet, den Zenit des ganz großen kommerziellen Erfolgs schon längst und wie so viele andere auch, ziemlich früh überschritten, können die Herren um Michael Sadler auch nach 35 Jahren auf der Bühne und im Studio auf ein treues Publikum zählen. Auf Saga ist Verlass, auf ihre Fans um so mehr. Die Band gereift zu nennen wäre eine leichte Untertreibung, die Kanadier ziehen ihr gewohnt hochklassiges Programm ohne große Wenns und Abers durch. Somit wird ihr Live-Mitschnitt „Spin It Again! Live In Munich“ der gewohnte und erwartete Knaller für die einen sein, während andere gerade mal mit den Schultern zucken werden. Als Band mit viel Fan-Nähe wird dann aber wirklich für genau ein Zielpublikum gespielt. Und dieses soll das kriegen, was es auch erwartet.

Für die kanadische Sägeschrecke ist München ein zweites Nest - der Auftritt in der Bayernmetropole wird zum souveränen Heimspiel. Gitarrist Ian Crichton sagt selbst, dass Auftritte in dieser Stadt über die Jahrzehnte immer besser geworden seien. Dementsprechend wohl fühlt sich die Band und spielt einen bunten Mix aus alten Klassikern und neuem Material. Besonders für Fan-Liebling Michael Sadler wird der Auftritt zu einem besonderen Erlebnis. Seinen vorläufigen Abschied feierte er im Jahr 2009 bereits in eben jener Stadt - der Mitschnitt „Contact: Live In Munich“ findet in „Spin It Again!“ sein Gegengewicht. „Vor fünf Jahren stand ich hier und sagte auf wiedersehen. Heute stehe ich hier und sage hallo.“, ist sein lakonischer Kommentar. Das Publikum freut sich über den Original-Sänger und gelegentlichen Multi-Instrumentalisten Sagas natürlich besonders. Kein Wunder: Sadler hat das Publikum in der Hand, gibt sich äußerst charismatisch und zeugt von seiner jahrzehntelangen Live-Erfahrung. Ansagen auf Deutsch wirken charmant und so ulken der Waliser und die Hörerschaft hin und zurück. Und auch der Rest der Band ist topfit: Ian Chriton ist wie immer höchst konzentriert, Keyboarder Jim Gilmour ist dagegen als Keyboarder natürlich der Eckpfeiler des Saga'schen Neo-Progs, darf dann und wann auch hinter das Mikro („Scratching The Surface“) und Mike Thorne hinter der Schießbude stellt sich dem Gros des Publikums zum ersten Mal vor und besteht die Feuerprobe.

Songs wie „Mouse In A Maze“, „The Flyer“, „Tired World (Chapter 6)“, „Framed“ und das vom Publikum abermals sehnlichst erwartete „Don't Be Late (Chapter 2)“ kommen am besten an. Neueres Material wird immerhin akzeptiert. Dabei war das im Jahre 2012 erschienene „20/20“ eigentlich ein Album, welches von den Fans mit offenen Armen empfangen wurde. Ein kleiner Fakt am Rande: „20/20“ hatte mit dem Einstieg auf Platz 13 der Albumcharts die höchste Platzierung in Deutschland seit 1985! „Six Feet Under“ und das titelgebende „Spin It Again“ sind jedenfalls gut von der Band gewählt, eine obligatorische Nummer wie „Anywhere You Wanna Go“ ist dann unumgängliches Pflichtmaterial. Das Stiefkind „The Human Condition“ (2009) haben Saga getrost ignoriert - eigentlich schade, da es interessant gewesen wäre, Rob Morattis Songs von Sadler interpretiert zu hören. Hätte sich allen Ernstes jemand daran gestört? Das Publikum lässt die Band ja eh machen. Es schnarchnasig zu nennen, ginge wohl etwas zu weit, da Saga ja immer noch im Prog beheimatet sind. Auf Konzerten von Bands wie Marillion oder Pendragon geht es mitunter aber schon ganz anders zu, was den Gesamteindruck ein wenig schmälert. Die Musiker stehen zwar im Mittelpunkt, aber eben auch nur die.

Den Saga-Fan wird und soll das auch nicht stören. Der freut sich über seinen Helden Sadler und dass er ihm dann irgendwie doch erhalten geblieben ist. Und auch sonst kriegt er, was er erwartet. Nein, die Herren von Saga sind alles andere als lebende Fossilien. Das beweisen die hoch frequentierten Albumveröffentlichungen genauso wie ihre Live-Qualitäten. Ein wenig Routine hat sich dann dennoch eingeschlichen, aber das muss ja nicht zwangsläufig etwas negatives sein. Schade ist jedoch, dass mit Bonusmaterial gespart wurde. Als kleine Draufgabe gibt es unter dem Titel „Inside Saga“ gerade mal eine 20 Minuten starke Dokumentation mit Interviews und Infos zur Tour. Das ist weniger ein echtes Bonusfeature als vielmehr ein kleines Bonbon nebenbei. Nicht gerade üppig, aber die Anhänger Sagas wissen: Es geht um die Musik! Und hier sollte kein Fan der Kanadier enttäuscht werden.

Anspieltipps:

  • Spin It Again
  • Six Feet Under
  • Scratching The Surface
  • Framed
  • Don't Be Late (Chapter 2)

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