Leserkritiken zu
Fettes Brot - 3 Is Ne Party

  • HipHop/Rap
7/10 Unsere Wertung
5.8/10 Leser Stimme ab!

19.11.2016 - 10:18 Sven Niemand ist in der sogenannten HipHop-Szene so kontrovers diskutiert worden wie Fettes Brot, wenngleich sie eigentlich nie so richtig Teil davon waren – oder wenn doch sich schon lange von jener verabschiedet haben. Irgendwo abseits von Attitüden oder Gimmicks haben Dr. Renz, Björn Beton und König Boris ihre eigene Sparte gefunden und veröffentlichen nach fünf Jahren ihr neuestes Werk „3 is ne Party“.

Und ja, der Titel spricht eigentlich für sich. Das mittlerweile siebte Album ist vollends auf Club und Party ausgelegt, Mitgröl-Hooks, eine Menge Effekte und einige experimentelle Einschübe sorgen für eine bunte Mischung mit ein und demselben Thema: Feiern, springen, tanzen, saufen. Wer hätte gedacht, dass die Brote tatsächlich noch einmal so etwas auf den Markt bringen werden?

Völlig substanzlos ist die wilde Feier aber nicht. Dafür ist das angeeignete Gespür für eingängige Hooklines („Für immer Immer“), Kopfnicker („Wackelige Angelegenheit“) oder einprägsamen Melodien („Kannste kommen“ im NDW-Gedächtnis-Sound) zu ausgeprägt und das Trio einfach zu abgeklärt, als dass sie irgendeinen zusammengewürfelten Mist veröffentlichten – wenngleich der Sound auf dem ersten Blick durchaus so wirkt.

Etwas nachdenklicher wird es zwischenzeitlich auch. Mit „Crazy World“ und „Echo“ werden die Themen aber wieder einmal nur oberflächlich angeschnitten, sodass diese Balladen eher Alibi-Charakter haben und Pinkelpausen für die Party-Orgie sind. Auch sind so einige Sachen wie „KussKussKuss“ vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Waschechter, eingängiger Pop mit einigen elektronischen Experimenten und einer Prise Rap – fertig ist ein Album, das handwerklich solide, zusätzlich dazu aber auch relativ facettenarm und für Brot-Verhältnisse vielleicht etwas zu stumpf ist. Und wir werden uns bis ans Ende unserer Tage fragen, auf welchen ominösen Partys dieses Album überhaupt laufen wird. Der Opener beschreibt es gut: summa summarum eine „Wackelige Angelegenheit“, die jederzeit kippen könnte – oder auch nicht.

5/10