Cass McCombs - Big Wheel And Others - Cover
Große Ansicht

Cass McCombs Big Wheel And Others


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 85 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Cass McCombs bewegt sich mit seiner Musik am Rande der Wahrnehmung.

Cass McCombs ist ein ruhiger Zeitgenosse, sobald er mit seiner Musik beginnt. Seine Melodien sind oft sanft und noch häufiger unauffällig. Ohne falsche Experimentierfreude und dafür mit sehr geradlinigen Tracks, meldet sich McCombs gleich mit einem Doppelalbum zurück. Dabei greift er in die unterste Emotionsschublade und präsentiert pro CD kurze Gespräche mit einem Kleinkind. Es fehlt nur das Wimmern von Welpen und fertig wäre der Emotionssalat. Die insgesamt drei kurzen Interluden dieser Art stehen für den Hörer in keinem erkennbaren Zusammenhang mit dem Rest und fallen trotzdem mehr auf, als die meisten der Lieder.

Es gibt bestimmt genug Ohren, die auf McCombs ruhige Arrangements erfreut reagieren. Bei anderen wird allerdings auch schnell Langeweile einkehren. „Brighter!“, „Morning Star“, „There Can Be Only One“ und „Joe Murder“ machen vor, wie ganz nette Tracks kaugummiartig langgezogen werden und aufgrund fehlender echter Entwicklung noch während des ersten Hördurchgangs ihren Reiz verlieren. Gleiches gilt für das eigentlich schön harmonische „Everything Has To Be Just-So“, das jedoch nicht über die Dauer der ausgelegten 9 (!) Minuten funktioniert. Manch einer wird erinnert an Wilcos „One Sunday Morning“, welches allerdings eine deutlich bessere Melodie vorzuweisen hatte.

So bleibt der A-Seite dieses Doppelalbums nur wenig, was tatsächlich auch auf Dauer oder auch nur im Kontext funktioniert. Der Auftakt „Angel Blood“ und das kurz darauf folgende „The Burning Of The Temple, 2012“ stehen tatsächlich auf eigenen Beinen und haben gute Strukturen, die über die knapp vier Minuten ihrer Spielzeit tragen. Nur das kurze „Name Written In Water“ kann sich noch als positive Überraschung entpuppen und zwar nicht, weil es viel besser konzipiert ist, als der Rest der Tracks, sondern weil es sein Verfallsdatum kennt und rechtzeitig ausklingt.

Aber auch auf der B-Seite führt der Singer/Songwriter sein undurchschaubares Konzept fort. Der Opener hat eine der besten Melodien des Doppelalbums, wird jedoch für ein Instrumental-Stück verschenkt. Und als rein instrumentales Stück wird es gleich wieder repetitiv. Und auch wenn McCombs im Anschluss zu verstehen scheint, dass kürzere Lieder manchmal besser zum Dargebotenen passen, sind die Melodien leider alle schnell vergessen. „Dealing“ und „Brighter! (feat Karen Black)“ sind interessante Experimente, aber keine guten Songs an sich. Im besten Fall haben Tracks wie „Honesty Is No Excuse“ ihre Momente, sodass das Positive überwiegt. Das Gefühl, dass ein Track einfach stimmt, stellt sich allerdings leider kaum ein.

„Big Wheel And Others“ ist schlicht und ergreifend eine kleine Enttäuschung geworden. Der Großteil der Songs klingt nach Füllmaterial und die wenigen, starken Nummern gehen im Einheitsbrei des Doppelalbums unter. Wirkliche Glanzpunkte fehlen, um die anhaltende Langeweile zu durchbrechen. Es gibt Unterschiede zwischen friedlicher Stimmung und drögem Einerlei. Cass McCombs' neues Album vergisst teilweise schlicht, zu unterhalten, zu berühren oder einfach nur irgendetwas in den Hörern zu wecken. Am Rande der Wahrnehmbarkeit driftet dieses Doppelalbum zu oft in den Hintergrund ab.

Anspieltipps:

  • Name Written In Water
  • Angel Blood
  • Honesty Is No Excuse

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
5/10

Stubborn Heart
  • 2019    
Diskutiere über „Cass McCombs“
comments powered by Disqus