RJD2 - More Is Than Isn´t - Cover
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RJD2 More Is Than Isn´t


  • Label: RJS Electrical Connection
  • Laufzeit: 59 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Funky, soulig, experimentell und abwechslungsreich.

RJD2 ist eine kleine Legende. Innerhalb der verhältnismäßig überschaubaren Szene von Musikern, die auf Samples basierende Musik machen, ist er einer, der es mehrfach geschafft hat, ab und zu ein breiteres Publikum zu erreichen. Am bekanntesten dürfte er inzwischen für seinen Song „A Beautiful Mine“ sein, der im Intro der Fernsehserie „Mad Men“ läuft. Bevor 2002 sein Solodebüt „Deadringer“ erschien, konnte Ramble John, wie er auch heißt, bereits auf vier Jahre Erfahrung als HipHop-Produzent zurückblicken und bewies damals schon immer wieder ein Händchen für ausgefallenere Samples aus den Bereichen Funk und Soul.

Von instrumentellem HipHop ist RJD2 im Verlauf seiner Karriere immer mal wieder zu zugänglicherer Musik gewechselt. „Since We Last Spoke“ (2004) beispielsweise war mehr das rockige Werk eines Singer/Songwriters als das eines Produzenten mit den Händen am Sampler. Mit „The Third Hand“ wiederum ging er im Jahr 2007 mehr in Richtung Indie-Pop, wohlgemerkt aber immer mit einem merkbaren Fokus auf Produktion und Instrumentierung. Erst mit „The Colossus“ (2010), seinem ersten Album auf eigenem Label, fand er zu seinen Wurzeln zurück.

Auch auf „More Is Than Isn't“, inzwischen Johns sechstes Studioalbum, dreht sich alles wieder verstärkt um HipHop und Raps von Features. Doch die Spuren, die alte Experimente hinterlassen haben müssen, lassen sich nicht leugnen. Die einzelnen Suites, die das Album durchziehen, ruhige, meditative Klavier- und Gitarrenstücke mit Jazz-Einflüssen, sind wohl die deutlichste Hinterlassenschaft. Ebenso der Track „Dirty Hands“, auf dem RJD2 selbst singt und der mit seinen Violinen ein wenig an einen verschneiten Weihnachtsmorgen erinnert. Andere Beispiele sind wohl Gitarrenparts und Rockelemente, wie sie hin und wieder auf dem Longplayer durchscheinen.

Doch nicht nur alte Einflüsse lassen sich wiederfinden. RJD2 hat sich ganz offensichtlich auch neu inspirieren lassen. RJD2s Klatsch-Rhythmus und spacige Effekte auf „Her Majesty's Socialist Request“ lassen ihn so frisch klingen wie zuletzt 2002. „Got There, Sugar?“ ist seit langem mal wieder ein loungiger Jazz-Track, der sich plötzlich in einen funkigen Discotrack verwandelt. Am Ende schwingt dieser in klassischen Turntablism um, untermalt von einer ruhigen Piano-Melodie. „Descended From Myth“ ist ein voluminöser Western-Track mit Trompeten, der kurzzeitig in sphärischem Klimpern eindeutige, aktuelle Elektroeinflüsse durchschimmern lässt.

Aber letztlich präsentiert Ramble John doch das, was er am besten kann: guten, funkigen HipHop und R&B. „Temperamental“ lässt in der Instrumentierung Grizzly Bears „Two Weeks“ aufblitzen, darüber klassische Soul-Vocals. „Behold, Numbers!“ ist instrumenteller HipHop mit Scheibenwischer-Beats sowie schneller hüpfender Melodie und Funk-Gitarren. „Love And Go“ ist grooviger Soul, „Winter Isn't Coming“ klimpert auf schnellem Rhythmus und glänzt mit passenden Turntable-Sounds, wie sie zuletzt von C2C ins Rampenlicht gerückt wurden. Ein besonderes Schmankerl ist der vorletzte Track, ein erneuter Zusammenschluss mit dem altbekannten Blueprint, ein Hi-Hat-lastiger Song mit Gangster-Sound.

RJD2 legt auf „More Is Than Isn't“ wieder alles auf den Tisch, was ihn auszeichnet, und noch mehr. Ein abwechslungsreiches Werk, bei dem man den Spaß an der Sache spürt, das leider aber auch abgesehen von zwei Tracks nichts wirklich Neues bringt.

Anspieltipps:

  • Behold, Numbers!
  • Her Majesty's Socialist Request
  • Got There, Sugar?
  • It All Came To Me In A Dream

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