Matthew E. White - Big Inner: Outer Face Edition - Cover
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Matthew E. White Big Inner: Outer Face Edition


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 68 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Prediger und Schamane: Matthew E. White zeigt zwei Seiten derselben Medaille und wertet sein „Big Inner“-Album mit fünf neuen bewegenden Tracks noch weiter auf.

Die im Februar 2013 erschienene Debüt-Platte „Big Inner“ des Missionarssohnes aus Richmond in Virginia wurde auf diesen Seiten schon entsprechend gewürdigt. Sie gehört zu den auffälligsten, schillerndsten und ungewöhnlichsten Veröffentlichungen des Jahres und wird sicherlich in einigen Bestenlisten ihre Spuren hinterlassen. Und jetzt gibt es den erhofften Nachschlag. Die Outer Face Edition enthält neben „Big Inner“ eine zusätzliche fünf Tracks umfassende EP mit 27 Minuten Spielzeit. Der Fan und Erstkäufer muss sich aber nicht grämen, denn die EP soll auch separat zu erwerben sein. Also bleibt noch die Frage, ob diese Ergänzung künstlerisch sinnvoll ist oder nur dazu dient, den Musiker im Gespräch zu halten.

Auf „Big Inner“ begegnete uns Matthew E. White als suggestiver Prediger, der mit scheinbar unbeteiligter und unspektakulärer Stimme seine vom Southern Soul durchtränkten, epischen, oft verschachtelt aufgebauten Hymnen zelebriert. Sein unaufdringlicher Gesang steht dabei im Kontrast zu den opulenten, raumfüllenden, breitwandigen Arrangements mit Streichern, Bläsern und Choreinlagen.

Mit den „Outer Face“-Einspielungen zeigt er uns eine andere Facette seiner Ausdrucksmöglichkeiten. Hier ist er der Schamane, der durch ständig wiederholte Beschwörungen seinen Songs die suggestive Wirkung von Voodoo-Zauberformeln verleiht. Man kann sich der dadurch entstehenden hypnotischen und teils gespenstischen Atmosphäre kaum entziehen. Matthew E. White beschreibt seine neuen Kreationen so: „Es gibt vier Klänge auf fünf Liedern mit Percussion, Streichern, Chor und Bass. Outer Space ist ein dunklerer Ort als „Big Inner“. Die Songs sind ein Denkmal für den Weg von der Liebe zur Lieblosigkeit. Sie stehen für das Durcheinander der Gefühle. Sie huldigen den letzten 50 Jahren, in denen Musik aufgezeichnet wurde und enthalten Bestandteile des Dub, des Minimalismus und Orchestermusik. Sie verehren die menschliche Stimme, die Vögel am Himmel und die Heimat.“

Die Kompositionen entstanden an einem idyllisch gelegenen Haus an einem See in Virginia. White schrieb sie an vier Tagen zusammen mit seinem Freund Andy C. Jenkins. Er nahm sie dann in Richmond unter - im Vergleich zu „Big Inner“ - veränderten Bedingungen auf. Bei der Instrumentierung verzichtete er auf Gitarren, Bläser und Piano. Zusätzlich setzte er aber Effekte ein, um den Aufnahmen etwas Störfeuer zu verleihen und sich damit von den klaren, organischen, lieblichen Strukturen von „Big Inner“ zu unterscheiden. Die angesprochenen minimalistischen, repetitiven Strukturen waren dabei stilbestimmend.

Im Grunde sind „Big Inner“ und “Outer Face” zwei Seiten derselben Medaille, nur jeweils aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Ob als Prediger oder Schamane: Matthew E. White erzeugt Aufmerksamkeit fordernde Töne, die beim Hörer wohlig-anregende Stimmungen erzeugen. Der Tüftler und Visionär hat uns mit diesem Doppelpack ein bleibendes Geschenk gemacht, dem wir uns zwecks Seelenmassage ohne Gefahr und Nebenwirkungen hingeben können. „Outer Face“ ist großes Kopfkino zwischen Pop und Avantgarde und bildet eine sinnvolle Erweiterung von „Big Inner“.

Anspieltipps:

  • One Of These Days
  • Big Love
  • Steady Pace
  • Signature Move
  • Hot Hot Hot

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