Sleigh Bells - Bitter Rivals - Cover
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Sleigh Bells Bitter Rivals


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 30 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Gefangen im Dschungel der obligatorischen Selbstverstümmelung.

Alexis Krauss (Gesang) und Derek Miller (Instrumente) leben in der Vergangenheit. Anders lässt es sich nicht erklären, weshalb ein Album, das im Jahr 2013 erscheint und das dritte Machwerk des umtriebigen Duos darstellt, kaum neue Facetten im Klangkosmos der Sleigh Bells offenbart. Der Grund hinter dieser Misere ist zwar simpel, doch nur weil das Debüt „Treats“ (05/2010) in der Popkultur einen Ehrenplatz bekommen hat und beispielsweise ein Song wie „Crown on the ground“ in Fernsehwerbungen (Dr. Pepper) und Kinofilmen („Premium Rush“, „The Bling Ring“) Verwendung findet, obwohl er nicht einmal als reguläre Single ausgekoppelt wurde, muss das doch nicht gleich als Aufforderung dazu verstanden werden, den Fans Jahr um Jahr die gleichen Ideen aufzutischen.

Gut, „Bitter Rivals“ verfolgt einen weniger räudigen Look als der Erstling und wie eine muhende Kuh und ein kläffender Chihuahua als melodische Stichwortgeber in „Tiger kit“ eingebettet sind, ist an Genialität kaum zu übertreffen, doch im Großen und Ganzen ist der dritte Longplayer von Krauss und Miller mehr ein musikalisches Experiment mit den gleichen Songfragmenten, um zu schauen, wie viele dreiminütige Kompositionen aus der gleichen Sampledatenbank gezimmert werden können. Der titelgebende Auftakt ist jedenfalls nicht mehr als eine schulterzuckende Auffrischung von Sleigh Bells-Zitaten, die im darauffolgenden „Sugarcane“ maximal durch ein paar basslastige Argumente erweitert werden.

Erst „Minnie“ setzt den Albumtitel gekonnt um und vermixt ein kindliches Pieps-Stimmchen mit harten, an den Rand der Verzerrung getriebenen Rockgitarren, während „Sing like a wire“ lediglich durch einen zappeligen Cocktail aus verstohlenem „Beat it“-Sample à la Michael Jackson und 90er-Jahre-Boyband-Gedudel seine Daseinsberechtigung bezieht. Der Rest recycelt das Sleigh Bells-Schema, indem die Tracks entweder langsamer ihre Runden drehen („You don´t get me twice“), mit versöhnlichem Zuckerguss verziert werden („To hell with you“) oder durch eine anfänglich vielversprechende Melodie, die im Gehörgang bereits die Ohrwürmer wach rütteln möchte, der Endlosschleife anheimfallen („Young legends“).

Einen hohen Mitsumm-Faktor besitzt dafür das auf eine simple, wie effektive Kernmelodie zugeschnittene Paramore-Skelett „Love sick“, welches vielleicht für den einen oder anderen Werbedeal zu Rate gezogen werden könnte, den alles in allem durchwachsenen und arg durchschnittlichen Eindruck von „Bitter Rivals“ damit aber sicherlich nicht vergessen lässt. „Treats“ war in seiner ungeschliffenen Art zwar auch nicht gerade ein Meisterwerk, aber zumindest ein schlechter Witz, der genial erzählt wurde. Alex und Dereks drittes Werk ist hingegen das hintere Drittel einer Mario Barth-Konzerttour: Anfangs kann man noch über ein paar Witze lachen, doch nach der 20. Vorstellung erscheint alles einfach nur mehr plump und oberflächlich.

Anspieltipps:

  • Minnie
  • Tiger Kit
  • Love Sick

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